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Die Spiele im Blick

Vom 17.06.2009: Von: Wolfram Marx
Im Februar 2010 wird Vancouver zum Nabel der Wintersportwelt. Doch schon heute lässt sich in British Columbia und Alberta der olympische Geist spüren.


In 240 Tagen ist es soweit. Dann wird in Vancouver das Olympische Feuer entzündet und die zweiten Winterspiele auf kanadischem Boden beginnen. 22 Jahre nach Calgary in der Nachbarprovinz Alberta treffen sich die Athleten an der Westküste des nordamerikanischen Kontinents zu ihren Wettkämpfen.

Schon heute können sich Gäste einen Eindruck von den Sportstätten verschaffen, denn bereits vor den Testwettkämpfen zwölf Monaten vor den Spielen waren alle Einrichtungen fertiggestellt und haben ihre Belastungsproben bestanden. Einzig an den Olympischen Dörfern in Vancouver und Whistler wird noch gearbeitet. In Vancouver werden die Sportler in einem umgewandelten ehemaligen Industriegebiet am südöstlichen Ufer des False Creeks wohnen. Nach den Spielen soll das Dorf zu einem neuen Stadtteil Vancouvers mit Parks, Wohnungen und Geschäften werden. Das Viertel wird dann auch durch die neue Bahn der Canada Line an das Stadtzentrum angebunden sein. Einen Überblick über das entstehende Dorf vermittelt eine Radtour entlang des False Creeks, über die Burrard Street Bridge, durch Yaletown und am Hallenstadion BC Place vorbei.

Das Olympische Dorf ist von Herbst an mit der neuen Linie des Sky Trains, der Canada Line, mit der Innenstadt verbunden. Mit dieser Verbindung erreichen Besucher die Innenstadt vom Flughafen aus in 26 Minuten. In der Innenstadt wollen die kanadischen Organisatoren auch diverse Plätze für Public Viewing einrichten. Dafür vorgesehen sind die Schlittschuhbahn am Robson Square und der Larwill Park, beide in der Innenstadt, sowie der David Lam Park in Yaletown. Das als Künstlerviertel bekannte Granville Island soll während der Spiele zum Treffpunkt der frankophonen Bevölkerung Kanadas werden. Von der Station Olympic Village der Canada Line wird ein Shuttleservice eingerichtet. Die Gastgeber aus Vancouver selbst präsentieren sich an der Public Library.

Als offizielle Gastgeber der Spiele fungieren auch die vier Indianerstämme der Lil’wat, Musqueam, Squamish and Tsleil-Waututh, die in den Bewerbungsprozess von Vancouver eingebunden waren. Sie werden die Sportfans im Aboriginal Pavilion am Queen Elizabeth Theatre Plaza empfangen. Das in der Form eines traditionellen Langhauses errichtete Gebäude soll den Besuchern Einblicke in die Lebensweise und Kultur der kanadischen Ureinwohner bieten. Dazu gehören auch künstlerische Arbeiten und ein Angebot an traditionellen Speisen und Getränken.Vorführungen sind nicht nur von den vier gastgebenden Ethnien, sondern auch aus anderen Teilen Kanadas geplant. Gekrönt wird das Langhaus an der Queen Elizabeth Theatre Plaza von einem weißen Globus, der als Projektionsfläche für Übertragungen dient.

Gebaut und gewerkelt wird auch weiter nördlich in Whistler Mountain, denn auch in dem Ski-Dorado wartet das Olympische Dorf noch auf seine Fertigstellung. Die Bauarbeiten haben kaum Auswirkungen auf das Leben im Ort, denn die Athleten werden südlich des Zentrums wohnen. Bereits fertig sind die Sportstätten der Biathleten, Skispringer und Langläufer im Whistler Olympic Park im Callagan Valley 15 Kilometer südlich von Whistler sowie die Bob- und Rodelbahn. Einige der Einrichtungen stehen in diesem Sommer Besuchern nicht nur zur Besichtigung offen, sondern können auch ausprobiert werden. Bis Ende August können sich Gäste im Biathlon versuchen, einen Blick von der Sprungschanze riskieren und das Restaurant ist an den Wochenenden ebenfalls in Betrieb. Für Entdeckungstouren auf eigene Faust steht den Gästen das gesamte Areal offen.

 

Während der Spiele erhalten nur Besucher Zutritt zum Whistler Olympic Park, die mit dem Shuttle-Bus vom Ort dorthin fahren. Eine Fahrkarte kostet 25 kanadische Dollar (zirka 16 Euro). Von der Haltestation des Busses führt ein 30-minütiger Fußmarsch zum Biathlon-Stadion, der am weitesten entfernten Sportstätte. Noch offen ist, ob Reiseveranstalter ihre Gäste mit eigenen Bussen ins Gelände fahren dürfen oder ob die Gäste ebenfalls an der Haltestelle der Shuttle-Busse aussteigen müssen.

Klar ist mittlerweile, dass die Medaillengewinner in Whistler auf der Whistler Olympic and Paralympic Celebration Plaza in der Ortsmitte geehrt werden. Zwischenzeitlich hatte es Überlegungen gegeben, die Medaillen an den Wettkampfstätten zu übergeben, doch nun fiel die Entscheidung zugunsten einer zentralen Feier am Abend des Wettkampftages, gefolgt von einem Konzert.

Die zentrale Siegerehrung am Ende des Wettkampftages war eine der Neuerungen, die bei den ersten Olympischen Winterspielen in Kanada, 1988 in Calgary, erstmals durchgeführt wurde. Noch heute ist die Olympic Plaza einer der zentralen Plätze der Stadt. Auch Alberta soll 2010 vom olympischen Fieber angesteckt werden, denn die Route des Olympischen Feuers führt quer durch die Provinz. Tourismusministerin Cindy Ady will dabei als Fackelträgerin laufen, wie sie im Mai während eines Deutschlandbesuchs mitteilte. Die Fackel soll zahlreiche Stätten der Spiele von 1988, wie den Canada Olympic Park in Calgary, passieren.

Besucher können das olympische Erbe Calgarys rund ums Jahr hautnah erleben. So steht etwa die Sprungschanze Gästen offen, ein Café auf dem Turm erlaubt einen besonderen Panoramablick. Im Sommer sorgt die »Zipline« für viel Adrenalin auf der Schanze. Hier springen Mutige mit Gurten an einem Drahtseil gesichert die Schanze hinunter.

Abenteuerlustige sausen die Bobbahn in einem echten Bob hinab oder holen sich im Olympic Park beim »Zorbing« ihren Adrenalin-Kick. Dabei werden die Teilnehmer in einem Zorb, einem großen transparenten Plastikball, festgeschnallt und rollen dann den Abhang hinab. Ruhiger geht es in der Olympic Hall of Fame and Museum zu, die einen Überblick über die Geschichte der Spiele und ihre Medaillengewinner gibt – dies übrigens auch auf Deutsch.

Auch die Sportstätten außerhalb Calgarys werden heute noch genutzt. Das Nordic Centre in Canmore ist im Winter mit mehr als 60 Kilometern Strecke ein Trainingscenter der nordischen Skisportler und Biathleten. Im Sommer sind die Trails durch die Rockies am Nordic Center und in der Umgebung eines der populärsten Reviere für Mountainbiker und bieten alle Schwierigkeitsgrade.

Wer seine Nerven schonen, aber dennoch ein großes Spektakel erleben will, den erwartet im Juli die Calgary Stampede, das größte Rodeo der Welt. Zehn Tage lang steht vom 3. Juli an der »Western Spirit« im Mittelpunkt. Das Programm bestimmen Rodeo-Wettbewerbe und Planwagenrennen. Dazu kommen ein Jahrmarkt, ein Dorf der First Nations sowie Bühnenshows, Musik- und Tanzveranstaltungen.

 

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