Drei ??? in Luxor
Vom 16.09.2010: Von: Yannick FiedlerWeil die Uferpromenade von Luxor neu gestaltet wird, dürfen die Nilschiffe dort künftig nicht mehr vor Anker gehen. Wann die neue Marina fertig wird, ist noch unklar.
Luxor macht von sich reden. Die Millionenstadt am Nil gilt als touristische Hochburg Ägyptens. Seit mehr als 100 Jahren strömen Besucher in das einstige Theben, das Zentrum des antiken Pharaonenreichs. Um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes künftig möglichst publikumswirksam in Szene zu setzen, plant das Gouvernat Luxor Investitionen in einer Höhe von umgerechnet einer Milliarde Euro. Bis 2030 – so will es der Masterplan des Gouverneurs Samir Farag – soll das Unesco-Weltkulturerbe in ein Freilichtmuseum verwandelt werden. Ein umstrittenes Vorhaben, nicht nur weil die Maßnahmen mit Zwangsumsiedlungen der Bevölkerung einhergehen, sondern auch weil jüngere historische Denkmäler dem »neuen« Luxor weichen müssen. Ein Projekt ist beispielsweise die Sphinx-Allee, eine knapp drei Kilometer lange altägyptische Prachtstraße, die die Tempelanlagen von Luxor und Karnak verbindet und Ende Juli 2011 fertiggestellt sein soll.
Der Masterplan beinhaltet drei weitere Großprojekte. In einem Interview mit der ägyptischen Tageszeitung Al-Masry Al-Youm berichtet Farag über die Errichtung von Hotels mit insgesamt 20.000 Betten, die in einer neuen Zone im Süden von Luxor, in El-Tod, entstehen sollen. Die beiden anderen Bauvorhaben, der Umbau der Uferpromenade, der sogenannten Corniche, sowie der Neubau einer Marina für Flussschiffe im Norden Luxors betreffen auch das Geschäft deutscher Veranstalter. Denn in Luxor starten und enden die meisten Nilkreuzfahrten. Die Passagiere gehen direkt am Ostufer, in Fußnähe zum Tempel von Luxor, an und von Bord. Wie wichtig Reisen auf dem Nil für den deutschen Markt sind, das belegen die Zahlen der jüngsten Kreuzfahrtstudie vom Deutschen Reiseverband: Im vergangenen Jahr reisten rund 85.200 Gäste aus Deutschland auf dem ägyptischen Strom. Vor zehn Jahren waren es noch 57.500.
Flussschiffe ziehen um. Die Kreuzfahrtschiffe, die üblicherweise in Sechserreihen am Ufer des Nils »parken«, sollen künftig aus dem Stadtbild verschwinden. Das heißt, sobald die Corniche fertig ist. Doch bereits während der Bauarbeiten müssen einige Flussschiffe anderswo vor Anker gehen. Vereinzelt liegen sie sechs Kilometer südlich der Stadt, in Baghdadi. Dort hat Luxor für die Dauer der Maßnahmen alternative Liegeplätze eingerichtet. Der Umbau der Uferpromenade findet in zwei Phasen statt, die erste ist bereits in vollem Gange. Geplant ist, die Promenade auf das Niveau des Flusses abzusenken und zu verbreitern. Außerdem sollen die Autos langfristig ebenso von der Uferstraße verbannt werden wie die Nilschiffe von ihrem angestammten Platz am Luxor-Tempel.
Wie lange die Arbeiten andauern werden, darüber gibt es offiziell keinerlei Angaben. Bei Phönix Reisen kursiert als Zeitraum für die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts – allerdings ohne Gewähr – die Mitte nächsten Jahres. Und beim Ägypten-Spezialisten OFT Reisen rechnet man ohnehin nicht mit der Verlegung der Liegeplätze an einen neuen Ort innerhalb der nächsten drei Jahre.
Ebenso wenig Informationen gibt es darüber, wann die Marina, in der jedes Kreuzfahrtschiff einen eigenen Liegeplatz sowie eine eigene Stromversorgung erhalten soll, fertig ist. »Der Bau wurde gestoppt«, weiß Sameh Shalaby, Bereichsleiter Flugreisen östliches Mittelmeer bei Rewe Touristik.
Die Pläne zur Verschönerung der Uferpromenade kommen bei den Veranstaltern trotzdem überwiegend gut an. Auch der damit verbundene Umzug der Schiffe stört viele bis jetzt nicht. »Für unsere Gäste bedeutet das mehr Ruhe und weniger Trubel«, sagt Guido Wieling, Leiter Produktmanagement Nordafrika und Türkei bei TUI Deutschland. Ursula Reinert, Geschäftsführerin von OFT Reisen dagegen ist skeptisch: »Sicher wird die Corniche aufgewertet, wenn die vielen Schiffe dort nicht mehr liegen. Auf der anderen Seite gehören sie zum Bild von Luxor, und es fällt schwer, sich die Stadt ohne sie vorzustellen.« Ihre Sorge gilt dem Produkt Nilkreuzfahrt an sich. »Es gibt heute einfach viel zu viele Nilschiffe. Man hätte schon vor langer Zeit keine Genehmigungen mehr für neue Schiffe erteilen dürfen«, sagt die Ägypten-Kennerin. So sei eine Überkapazität entstanden und die Kreuzfahrt habe dadurch erheblich an Wert verloren. »Und eine Nilkreuzfahrt wird noch weiter an Attraktivität verlieren, wenn die Schiffe irgendwo außerhalb von Luxor ankern müssen.« Außerdem befürchtet Reinert, dass ihre Gäste nicht erfreut auf die Veränderungen reagieren werden. »Wenn sie abends in Luxor bummeln möchten, dann benötigen sie ein Taxi. Das bedeutet Zusatzkosten und es ist zeitaufwendig.«
Keinen Einfluss auf Programme. Welche Auswirkungen die neuen Modalitäten auf die Kosten der Reiseveranstalter haben werden, ist noch unklar. Doch Tamer Marzouk, Direktor des Ägyptischen Fremdenverkehrsamtes in Frankfurt versichert, dass die Gebühren für die Liegeplätze nicht steigen werden: »Wir wollen den Service verbessern. Das ist das Ziel«, sagt er. Stabile Preise hat auch Phoenix Reisen bislang registriert. Der Veranstalter ist bereits im vergangenen Jahr aus dem Zentrum »weggezogen«. Nach einem kurzem Intermezzo am Karnak-Tempel disponierte Geschäftsführer Johannes Zurnieden kurzfristig um. Er musste den Liegeplatz wieder räumen und seine Schiffe an einem anderen Ort ankern lassen. »Ein wunderschöner Platz«, verspricht er. »Nach Luxor-Stadt sind es nur zehn Minuten zu Fuß.« Für OFT-Reisen-Chefin Reinert steht fest, dass sich die Transferkosten erhöhen werden: »Ich rechne bei der Vielzahl an Schiffen damit, dass wir teilweise sehr weit außerhalb von Luxor anlegen müssen.« Um dies genau beurteilen zu können, müsse sie jedoch die genauen Liegeplätze kennen. Und Dertour-Produktmanager Lothar Münzenthaler denkt über Taxitransfer oder eine Stadtrundfahrt für seine Gäste nach – im Falle eines Umzugs.
Trendziel Nil:
Das Geschäft mit den Reisen auf dem Nil läuft gut, darüber ist sich das Gros der Veranstalter einig. Bei TUI beispielsweise, die rund zehn Prozent ihrer Gäste in Ägypten Nilkreuzfahrten verkauft, verzeichnet man eine steigende Tendenz. Auch Thomas Cook spricht von einer »hervorragenden Entwicklung, die die Erwartungen übertrifft«. Ebenso positiv verlaufen die Buchungen für den Winter bei Phoenix Reisen. »Es gibt einen deutlichen Zuwachs«, freut sich Chef Johannes Zurnieden. Neue Trends zeichnen sich allerdings nicht ab. Hier bleibt alles beim Alten. »Die Nachfrage richtet sich eher am klassischen Konzept der Nilkreuzfahrten aus«, sagt FTI-Manager Marco Volpe. Er meint damit die Kombination Nil und Rotes Meer oder auch eine Kreuzfahrt auf dem Nil, kombiniert mit einem Aufenthalt in Kairo.
Neu im Winter (Auswahl): Viking Flusskreuzfahrten erstmals mit Reisen auf den Schiffen Jaz Minerva und Jaz Omar El Khayman. • Alltours ergänzt Angebot um das Vier-Sterne-Schiff Albatros Granada. • FTI lanciert die Mövenpick Royal Lilly und nimmt die Rêve du Nile wegen Renovierung aus dem Programm. • Neu bei Schauinsland ist die Lady Karine. • Thomas Cook Reisen bietet Reisen auf der Sunrise Select Semiramis III sowie der Prince Omar an. • TUI verkauft ebenfalls Reisen auf der Jaz Minerva sowie der Elite Dahabeya. Nicht mehr im Angebot ist die Club Magic Life Regent. Der Vertrag sei ausgelaufen, so der Anbieter.


