Ein Sommerziel fürs ganze Jahr
Vom 25.03.2010: Von: Wolfram MarxFlorida ist für viele ein Ganzjahresziel, doch der Schwerpunkt liegt in den Sommermonaten.
Sommer, Sonne, Sonnenschein, diese drei Begriffe stehen als Synonyme für Florida. Passenderweise trägt der Bundesstaat im Südosten der USA auch den offiziellen Beinamen »Sunshine State« und wird als solcher auch von deutschen Urlaubern wahrgenommen. 280.000 Deutsche genossen im vergangenen Jahr die Sonne Floridas und besuchten die Sehenswürdigkeiten von Orlando in Zentralflorida bis zu den Keys im Süden. Damit ist Deutschland der viertstärkste Übersee-Quellmarkt, angeführt wird die Liste von Großbritannien, Brasilien und Venezuela.
Das Reiseverhalten aus Deutschland hat sich allerdings verändert. In den 80er Jahren flohen die Bundesbürger meist vor dem hiesigen Winter in den Süden der USA, der Sommer wurde als zu heiß und zu schwül angesehen. »Heute ist Florida ein Ganzjahresziel«, weiß Andreas Neumann, Geschäftsführer von Explorer Fernreisen, obwohl auch bei dem Düsseldorfer Fernreisespezialisten immer noch der Winter vorne liegt. »Bei uns entfallen ungefähr 60 Prozent der Gäste auf den Winter und 40 Prozent auf den Sommer.« Dabei komme dem Veranstalter die modulare Produktstruktur entgegen. »Wir haben im Winter viele Bausteinbuchungen. Wir verkaufen beispielsweise ein paar Tage Orlando und anschließend noch eine Woche Miami. Solche Kombinationen werden im Winter häufig gebucht«, erklärt Neumann.
Sommer als Hauptsaison.
Damit unterscheidet sich Explorer von den meisten anderen Veranstaltern. Bei ihnen ist mittlerweile der Sommer zur Hauptsaison avanciert. »Die Hauptferienzeit in Deutschland ist natürlich der Sommer. Auch für Florida generieren wir in diesen Monaten mehr Buchungen als im Winter«, sagt Heike Pleuter, Produktmanagerin bei Meier’s Weltreisen. Dies bestätigt auch Peter Dorner, Chef von New World Travel, dem Incoming-Veranstalter von Meier’s, Dertour und ADAC: »Florida ist eine Sommerdestination, auch aus dem deutschen Markt. Natürlich erreichen Ziele wie Miami auch im Winter gute Zahlen, aber Orlando mit den Freizeitparks ist definitiv von den Deutschen im Sommer wesentlich stärker nachgefragt.«
Auch Rukhsana Timmis, die das Fremdenverkehrsamt von Orlando in Deutschland leitet, sieht den Schwerpunkt ihrer Region im Sommer. »Touristisch gesehen ist die Zeit von Ostern bis zu den Herbstferien die Hauptreisezeit.« Dies zeigen auch die Verkaufszahlen der Themenparks, wie Norbert Simon, Marketingleiter der Sea World Parks in Deutschland, berichtet. »Die klassischen Schulferientermine sind der Schwerpunkt, mit der Spitze in den Sommerferien. Allerdings gibt es auch bei unseren Parks einen Trend zu kurzfristigeren Buchungen.« Ein gutes Wachstums-potenzial sieht Simon für die Herbstferien, in denen es in den vergangenen Jahren deutliche Zuwächse gegeben habe. »Viele Bundesländer haben jetzt zwei Wochen Herbstferien.«
Einen wachsenden Buchungstrend für den Herbst kann auch Vera Sommer, die die deutsche Niederlassung von Fort Myers und Lee County leitet, feststellen. »Wir sind aber als Stranddestination an der Golfküste ein klassisches Familienziel, daher sind bei uns die Sommermonate besser ausgelastet. Die starken Monate liegen bei uns vom Frühjahr ab Ostern bis in den Herbst hinein.« Im Winter kämen dann viele der Deutschen, die an der Golfküste ein eigenes Domizil besitzen, das sie das Jahr über vermieten. Ein wichtiger Aspekt, der zu stärkeren Buchungen im Sommer beitrage, sei die große Zahl nordamerikanischer Touristen im Winter. Daraus resultierten hohe Hotelauslastungen und hohe Preise. »Der Winter ist die Hochsaison der Amerikaner, da haben wir es mit einem höheren Preisniveau zu tun. Das ist einer der Gründe, warum Florida ein klar sommerlastiges Ziel bei uns ist«, bestätigt Heike Pabst, Produktchefin für Nordamerika bei FTI.
Dies belegen auch die Zahlen von Visit Florida. Die 80 Millionen Gäste, die 2008 nach Florida reisten, teilen sich fast exakt 50:50 auf Sommer und Winter auf. Im Winter ist die Zahl der inländischen Besucher deutlich höher.
Die wichtigsten Destinationen im Sunshine State sind und bleiben Orlando und Miami. »Beide haben ein etwa ähnliches Aufkommen, Miami erzielt aber einen höheren Umsatz. Zugelegt haben in den vergangenen Jahren die Orte an der Golfküste, ganz wichtig sind aber auch die Keys«, listet Pabst auf. Der Winter erreicht bei FTI zwischen November und März einen Anteil von 40 Prozent, zwischen November und April liegt er im Schnitt bei rund 45 Prozent, bezogen auf den Umsatz.
Mehr Geschäftsreisende.
Verschiebungen hat es allerdings zugunsten des Geschäftsreisesektors gegeben. Denn Florida gewinnt als Tagungsziel an Attraktivität, und immer häufiger verlegen Unternehmen ihren Sitz in den Staat. Orlando habe sich innerhalb der USA mittlerweile zur zweitstärksten Destination für Geschäftsreisende entwickelt, erklärt Garry Sein, CEO von Orlando Tourism. »Wir bieten entsprechende Kapazitäten und die Zahl an neuen Restaurants, Hotels und Unterhaltungseinrichtungen, die alle vom Convention Center aus zu Fuß zu erreichen sind, ist stark gewachsen.« Diese Attraktivität will Sein nutzen, um die US-Reisemesse Pow Wow, die das nächste Mal im Mai stattfindet, künftig alle fünf Jahre nach Zentralflorida zu holen.
Neues aus Florida:
Fort Myers: An der Südwestküste hat das neue Kunstmuseum »Art of the Olympians Center of Exellence« (Foto) eröffnet. Dort stellen ehemalige Olympiateilnehmer ihre Kunstwerke aus.
Orlando: Im Frühjahr nimmt im Universal Orlando Resort »The Wizarding World of Harry Potter« den Betrieb auf. Ebenfalls im Frühjahr erhält Busch Gardens Tampa Bay eine neue Attraktion zum Thema Sesamstraße. Neue Hotels sind unter anderem das Waldorf Astoria Orlando und das Hilton Orlando Bonnet Creek.
St. Petersburg/Clearwater: Seit Februar hat das Hyatt Regency Clearwater Beach Resort and Spa geöffnet. Es liegt direkt am Golf von Mexiko und verfügt über 250 Suiten. Anfang 2011 eröffnet das neue Dalí Museum.
Kennedy Space Center: Neueste Attraktion am Weltraumbahnhof an der Atlantikküste Floridas ist der 3D-Film »Hubble« im Imax-Kino. Der Film wurde mit einer Kamera an Bord des Space Shuttles Atlantis im Mai 2009 gedreht.


