Sand im Getriebe
Vom 21.04.2009:Im Zeichen der Wirtschaftskrise sind Investoren mit Hotelprojekten in Vietnam vorsichtiger geworden. Vielerorts wird dennoch kräftig weitergebaut.
Auch Vietnam hat die Finanzkrise erwischt. Das äußert sich nicht nur in sinkenden Einreisezahlen – im ersten Quartal 2009 kamen 16 Prozent weniger ausländische Besucher ins Land – sondern auch in Stopps oder Verzögerungen bei einigen der vielen geplanten Hotelprojekte.
Zu den Projekten, die vorläufig gestoppt worden sind, zählt nach Informationen der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade and Invest (GTAI) ein Hotel- und Apartmentkomplex in Hanoi, den das staatliche Energieunternehmen Petrovietnam geplant hat. Ebenfalls auf Eis gelegt wurde der Bau der 48-stöckigen Vien Don Meridien Twin Towers in Danang, zu denen neben einem Hotel Apartments, Büros und ein Einkaufszentrum gehören sollten. Einem Baustopp unterliegt auch ein Großprojekt der vietnamesischen Millenium Group auf der Insel Phu Quoc. Die Arbeiten an den geplanten zwei Sechs-Sterne-Hotels, zwei Fünf-Sterne-Hotels und vier Konferenzhotels mit Marina und Wasserpark sollen frühestens 2010 wieder aufgenommen werden.
Dass sich das Stocken der Investitionsmaschinerie ausschließlich auf die Finanzkrise zurückführen lässt, ist unwahrscheinlich. Reiseveranstalter beklagen schon länger, dass Vietnam trotz seiner geringer entwickelten Infrastruktur ein höheres Preisniveau aufweist als Mitbewerber aus der Region wie Thailand oder Malaysia. »Schon in der Vergangenheit kamen die meisten Reisenden– im Gegensatz etwa zu Thailand – nur ein einziges Mal in das südostasiatische Schwellenland«, heißt es in einer GTAI-Studie.
Dennoch gelten die touristischen Aussichten für Vietnam längerfristig als gut. Denn der Status des noch mehr oder minder »unentdeckten« Reiseziels beschert dem Land im deutschen Markt nach wie vor hohe Attraktivität und eine Art Neugier-Bonus. Der Stopp einzelner Bauprojekte bedeutet zudem nicht, dass nun gar keine neuen Hotels mehr entstehen. Denn die langfristig angelegten Projekte der großen Hotelketten werden in der Regel weitergeführt und allenfalls zeitlich ein wenig gestreckt. Wer genügend Kapital habe, um seine Pläne weiter zu verfolgen, profitiere in der momentanen Situation gar von gesunkenen Kosten für Baustoffe und niedrigeren Zinsen, heißt es im GTAI-Bericht.
Noch in diesem Jahr soll das Six Senses Hideaway auf der Insel Con Dao im Südosten Vietnams eröffnet werden. 51 Villen mit eigenen Pools, von denen jede zwischen 150 und 710 Quadratmeter Wohnfläche bietet, runden das Angebot im Top-Segment ab. Ebenfalls noch in diesem Jahr, im September, soll das 30-stöckige Sheraton Nha Trang Hotel & Spa eröffnet werden.
Ein wenig länger, nämlich bis zum Jahr 2012, will sich die vietnamesische Phat Dat Real Estate Corporation mit dem Starschuss für ein neues Resort in der Provinz Khanh Hoa Zeit lassen. Die Anlage soll via Management-Vertrag von der Starwood-Gruppe als Westin geführt werden.
Vor dem Baustart steht das von australischen Investoren lancierte Lost World Resort im Phu Vang District, in der Provinz Thua Thien-Hue, dessen Fertigstellung 2013 vorgesehen ist. Geplant sind 50 Villen und 350 Zimmer auf einer Fläche von 50 Hektar.
Bei aller Zukunftsmusik sind Vietnams Touristiker momentan vor allem damit beschäftigt, ihre vorhandenen Kapazitäten mit Gästen zu füllen. Zusammen mit Vietnam Airlines sowie den Veranstaltern Berge & Meer, FTI, Neckermann, Reisefieber, Suntrips, Tischler Reisen und Transorient bieten sie für Abflüge zwischen dem 16. August und dem 30. September Pakete zu stark ermäßigten Preisen an. Zur Unterstützung läuft derzeit eine Großposter-Werbekampagne in wichtigen Städten
»Bis zu 50 Prozent können Kunden dabei gegenüber den Normaltarifen sparen«, wirbt Arnaud Pohier, Verkaufs- und Marketingleiter von Vietnam Airlines für den deutschen Markt. Die Eckpreise für ein einwöchiges Arrangement inklusive Flug und Aufenthalt im Vier-Sterne-Hotel liegen unter 1.000 Euro. Auch für Rundreisen werden Sondertarife geboten, die unter anderem auf der Website www.impressivevietnam.vn abgerufen werden können.
Christian Schmicke


