Große Pläne an der Adria
Vom 14.04.2009:Kroatien baut sein touristisches Angebot an der Küste und im Binnenland aus. Kleinere Familienhotels, Privatunterkünfte und Golftourismus sollen in Zukunft Besucher anlocken.
Jahrzehntelang war die dalmatinische Küste Jugoslawiens und später Kroatiens für viele Deutsche ein Synonym für Sonne, saubere Strände und einen verhältnismäßig günstigen Urlaub. Wenn sich auch die Preissituation in den vergangenen Jahren verändert hat, ist die Küste nach wie vor der größte Magnet. Doch nun will das Tourismusministerium den Blick und die Besuche der ausländischen Gäste verstärkt auf das Landesinnere lenken.
Tourismusminister Damir Bajs hat sich daher einen Ausbau des touristischen Angebots auf die Fahnen geschrieben, wie er bereits 2008 in einem Gespräch mit TRAVEL ONE angekündigt hatte. Er will die Quote von nur fünf Prozent Besuchern im Landesinnern steigern und setzt dabei vor allem auf kleinere Hotels. »Ich bin überzeugt, dass ein Ausbau des touristischen Angebots sowohl an der Küste als auch im Binnenland für unsere Entwicklung die gleiche Bedeutung hat.« Damit könnten die Wünsche verschiedener Zielgruppen erfüllt und die Einzigartigkeit Kroatiens herausgestellt werden.
Selimir Ogjenovic, Geschäftsführer von ID Riva Tours, hebt generell die Bedeutung der Privatunterkünfte und kleiner Familienhotels für den Kroatien-Tourismus hervor. »Alles, was sich mit Emotionen und Menschen verbinden lässt, steht auf der Gewinnerseite. Wir haben bei Privatwohnungen und Villen ein Plus von elf Prozent, obwohl wir insgesamt im Minus liegen.« Probleme gebe es vor allem bei den Nur-Hotelbuchungen. Nicht zuletzt deshalb verlängerte Ogjenovic Extraleistungen wie Frühbucherrabatte oder Gratis-Extratage. An Pfingsten gibt es eine Sonderzugreise für Familien.
Beim Ausbau des binnenländischen Angebots will Tourismusminister Bajs auch die höherwertige Hotellerie nicht aus den Augen lassen. Sein zweiter Schwerpunkt sei der Ausbau des Angebots in diesem Segment, sagt er. So hat sich die Regierung in ihrem bis 2013 laufenden Entwicklungsplan die verstärkte Ansiedelung »bekannter touristischer Marken«, wie Radisson, Le Méridien oder Falkensteiner, zum Ziel gesetzt, um die Qualität des Angebots zu steigern und die infrastrukturelle Basis zu verbreitern. Im Zuge der stärkeren Diversifikation sollen auch Felder wie Öko-, Gesundheits-, Kultur- und Sporttourismus stärker gefördert und ausgebaut werden.
Dringenden Handlungsbedarf sieht die Regierung im Ausbau des Golftourismus, der auch helfen soll, die Saisonzeiten zu verlängern. So soll der neue Golfplatz Marlera Golf, der momentan im südlichen Gebiet der istrischen Halbinsel zwischen Ližnjan und Medulin entsteht, an 350 Tagen im Jahr bespielbar sein. Er soll über 27 Löcher verfügen, dazu kommt ein Fünf-Sterne-Hotel mit 160 Zimmern. Bis 2011 sind fünf Plätze im Land geplant, die Verabschiedung eines Golfgesetzes, mit dem unter anderem Investitionsfragen geklärt werden, steht kurz vor dem Abschluss.
Die von Bajs geforderte höhere Qualität macht sich bereits in einer steigenden Zahl entsprechender Hotels bemerkbar. »2008 wurden eine Milliarde Euro in den Tourismus investiert. Mittlerweile verfügen wir über 16 Fünf- und 122 Vier-Sterne-Hotels.«, so Bajs. Dazu zählen die Villa Agava in Dubrovnik oder auch das Punta Skala in Petrcani, das zu Falkensteiner Hotels & Residences gehört. Für die nächsten sieben Jahre sind rund 1.000 neue Hotels geplant, viele von ihnen als Familienhotels.
Die Mehrzahl der neuen Häuser soll vier Sterne aufweisen. Für 2009 erwartet Bajs Investitionen aus dem öffentlichen und privaten Sektor in Höhe von rund 1,7 Milliarden Euro. Zu den neuen Projekten gehört unter anderem das Kempinski Hotel Adriatic in Savudrija an der Nordwestküste Istriens. Auch die Design Hotels steigen 2010 mit dem Hotel Lone in Rovinj in den kroatischen Markt ein.
Damit hofft er auch für die kommenden Jahre gut gewappnet zu sein. »Dieses Jahr wird für uns eine besondere Herausforderung. Wir sind aber mit unseren Partnern gut darauf vorbereitet«, sagt er mit Blick auf die neue Saison. Die höhere Qualität des touristischen Produkts habe sich 2008 bereits bemerkbar gemacht, denn Kroatien sei eines der wenigen Länder gewesen, in denen der Tourismus keine Rückgänge zu verzeichnen gehabt hatte. »Ich bin überzeugt, dass die Reisebüros wissen, dass Kroatien ein qualitativ hochwertiges Produkt zu bieten hat. Von der Organisation Country Brand, die die Markenkraft von Ländern untersucht, sind wir zum ‚aufsteigenden Stern‘ erklärt worden – beziehungsweise zu der Destination, die in den kommenden fünf Jahren an Bedeutung gewinnen und in der Welt sehr gefragt sein wird«, so Bajs. Kroatien solle die Destination »eines bestimmten Lifestyles werden und keine des Massentourismus«.
Ob der angestrebte Bedeutungsgewinn allerdings auch für den deutschen Markt eintritt, der mit einem Anteil von 21,7 Prozent den wichtigsten ausländischen Quellmarkt darstellt, ist unklar. Riva Tours-Chef Ogjenovic ist da skeptisch. Er erkennt die Qualitätssteigerung zwar auch. Doch sei dieser Aspekt noch nicht ausreichend in den Köpfen des Vertriebs und der Verbraucher angekommen und kommuniziert worden: »Den Reisebüros sind die Vorzüge Kroatiens immer noch zu wenig bekannt.«
Wolfram Marx


