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Tempo nur leicht gedrosselt

Vom 20.05.2009: Von: Christian Schmicke
Trotz Wirtschaftskrise und Investorenrückzug wird in Dubai weitergebaut, wenn auch mit weniger Tempo. Doch die schwache Nachfrage drückt die Preise.


Ein ohrenbetäubender Lärm schlägt dem Gast entgegen, wenn er im 40. Stock des edlen Grosvenor House Le Méridien die Balkontür öffnet. Rings um den 44-stöckigen Wolkenkratzer im Stadtteil Jumeirah wird unverdrossen gebaut. Betongerippe, Kräne und Bagger bestimmen das Bild, wohin das Auge auch blickt. Rund um die Uhr werden im Drei-Schicht-Betrieb neue Gebäude hochgezogen – Hotels, Bürogebäude und Wohnanlagen.

Auch der Blick auf die vorgelagerte künstliche Insel, »The Palm Jumeirah«, offenbart emsige Aktivitäten. Rings um die wuchtige Silhouette des jüngst eröffneten Hotels Atlantis, die sich geradezu gespenstisch aus dem Dunst erhebt, sind Baukräne, Bagger und viele tausend Arbeiter aus Ländern wie Indien, Pakistan und Bangladesch mit dem Bau weiterer Hotels, Villen und Apartmenthäuser beschäftigt.

Vergangene Woche wurde hier eine 5,45 Kilometer lange S-Bahn-Verbindung eingeweiht. Sie soll die Hotelanlage auf der Palme zusammen mit der noch im Bau befindlichen Metro mit dem Flughafen der Metropole verbinden. Auch für den Metro-Bau signalisieren die Behörden: »Alles klar, wir starten pünktlich«. Das ambitionierte Verkehrsprojekt, das das arg strapazierte Straßennetz der Metropole entlasten soll, werde vom 9. September an funktionieren.

Der Eindruck vor Ort straft Berichte Lügen, nach denen in Dubai die Baukräne stillstehen, weil dem Emirat wegen der Wirtschaftskrise das Geld ausgegangen ist. Unberührt lässt die Krise freilich auch die Golfregion nicht. Der Blick in die regionale Presse offenbart die gleichen Entwicklungen wie an anderen Wirtschafts- und Finanzplätzen: Investoren ziehen sich zurück, und die Immobilienpreise gehen in den Keller. Nach Informationen der Wirtschaftszeitung »Emirates Business« sind die Büromieten in Dubai im ersten Quartal 2009 um 18 Prozent gesunken. Die Behörde zur Regulierung der Immobilienaktivitäten im Emirat (Rera) geht davon aus, dass rund ein Viertel der geplanten Projekte nicht umgesetzt werden. Und eine der größten Entwicklungsgesellschaften des Landes, Tatweer, hat gerade angekündigt, sie wolle ihr Investitionsvolumen um 15 bis 20 Prozent reduzieren. Sämtliche Projekte – darunter die Weiterentwicklung des riesigen Unterhaltungskomplexes Dubailand – sollen zwar umgesetzt werden. Allerdings werden sie erst mit sechsmonatiger bis einjähriger Verspätung fertig.

Für die deutsche Touristik ist die Angebotssituation in Dubai unterdessen günstig wie selten zuvor. Dass Dubai bald nicht mehr mit neuen verrückten Attraktionen aufwartet, ist nicht zu erwarten. Das höchste Gebäude der Welt zum Beispiel, der Burj Dubai, dessen – noch geheime – Höhe bei mehr als 800 Metern liegen soll, werde wie die Metro am 9. September fertig, versprechen die Behörden.

Der Bau neuer Hotels läuft zwar nicht mehr unter Volldampf, aber immer noch in hohem Tempo. Allein in den vergangenen zwölf Monaten stieg die Zahl der Hotels und Hotelapartments von 475 auf 519, die Zahl der Hotelzimmer wuchs um 17 Prozent auf 40.864. Und noch in diesem Jahr sind zahlreiche weitere Eröffnungen geplant wie beispielsweise das Hotel The Address, Downtown Burji Dubai (Foto).

Weil das Angebot weiter wächst, wichtige Quellmärkte wie Großbritannien (-7%) und Russland (-34%) aber schwächeln, können sich Touristiker und Urlauber zum Sommer, aber auch für den nächsten Winter auf ein ungewohnt moderates Preisniveau freuen: Hoteliers und Airlines bemühen sich um so intensiver um Kunden aus Deutschland. Bislang mit Erfolg: »Wir haben im ersten Quartal ein Gästeplus von zwei Prozent erreicht«, berichtet Mara Kaselitz, Leiterin des Frankfurter Büros des Dubai Department of Tourism and Commerce Marketing (DTCM). »Dubai ist preislich in die Nähe der Mittelmeerziele gerückt. Dadurch haben wir neue Zielgruppen erreicht – darunter auch Familien mit Kindern, die bislang durch das Preisniveau abgeschreckt wurden.«

Ist die weltweite Krise erstmal überstanden, will Dubai das Tempo erneut forcieren. Dann dürfte auch mit den familienfreundlichen Preisen erstmal wieder Schluss sein. Allerdings erwächst dem Emirat gleich nebenan ein neuer Konkurrent. Abu Dhabi, bislang mit 67 Hotels touristisch eine kleine Nummer, schickt sich an, Milliarden in die touristische Infrastruktur zu investieren und den Ausbau von Hotels, Resorts und touristischen Attraktionen intensiv voranzutreiben.

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