Wein, Trüffel und Schlösser
Vom 02.06.2009: Von: Christian SchmickeDas Piemont fristet in Deutschland eher ein touristisches Schattendasein. Doch kulturell und kulinarisch gibt es viel zu entdecken...
Wer mit dem Flugzeug ins Piemont reist, landet meist in Turin. Ein Pflichtaufenthalt, könnte man meinen. Schließlich ist die norditalienische Metropole vor allem als Industriestadt bekannt, mit dem Autobauer Fiat als größtem Arbeitgeber. Doch wer sich dem Inneren der Stadt nähert, wird angenehm überrascht. Turin präsentiert sich elegant, mit prachtvollen Häuserfassaden, Palästen, Kirchen und großzügig angelegten Plätzen – keine Spur von industrieller Tristesse. Kulturfreunden und Feinschmeckern hat Turin eine Menge zu bieten. Die Liste der Events ist lang. Zu den Höhepunkten zählt etwa das Filmfestival im November. Für Besucher, die zu anderen Jahreszeiten kommen, lohnt sich der Besuch des nationalen Filmmuseums, das in einem ursprünglich als Synagoge konstruierten Gebäude mit eindrucksvoller Kuppel untergebracht ist. Zu den weiteren musealen Highlights zählen das ägyptische Museum in einem barocken Palast in der Turiner Innenstadt und das Museum für zeitgenössische Kunst im Castello di Rivoli, der alten Residenz der Savoyer.
Von allen italienischen Städten isst man in Turin am besten – davon sind die Einwohner fest überzeugt. Sicher ist es kein Zufall, dass das Piemont, genauer die kleine Stadt Bra, die Wiege der »Slow-Food«-Bewegung ist, die sich bewusstem Genuss und der Pflege der Ess- und Trinkkultur verschrieben hat. Die bei uns berühmte Piemont-Kirsche kennt in Turin niemand. Höher im Kurs stehen Schokolade, Haselnüsse, die mittlerweile auch hier zu Bekanntheit gelangten Grissini, Risotto, Panna Cotta und vor allem die berühmten weißen Trüffel. Das Preisniveau der Gastronomie gilt im Vergleich zu anderen italienischen Metropolen als moderat.
Für Genießer, die dem städtischen Ambiente entfliehen wollen, lohnt sich ein Besuch der von sanften Hügeln durchzogenen Region Langhe südöstlich von Turin. Sie ist neben den weißen Trüffeln (Foto) auch die Heimat einiger der berühmtesten italienischen Weine: Barolo und Barbaresco, aus der Nebbiolo-Traube gekeltert, und Barbera-Weine wie Barbera d’Alba, Barbera d’Asti und Barbera de Monferrato. Wer hier reist, wird oft, aber nicht nur ans Essen und Trinken denken. Orte wie Bra, Barolo oder Cherasco beeindrucken durch lebendige Historie, barocke Fassaden und mittelalterlichen Charme. Und die von Wein und Haselnussbäumen bewachsenen Hügel lassen Auge und Seele zur Ruhe kommen.
Als kulinarische Hochburg gilt Pollenzo. Hier gibt es sogar eine eigene Universität der gastronomischen Wissenschaften. An den Wochenenden von September bis November ist das Städtchen Alba Schauplatz der internationalen Trüffelmesse. Die Trüffelverkäufer präsentieren dort ihre Schätze unter Glasglocken. Sie wissen, warum: Der Preis für weiße Trüffel kann bis zu 5.000 Euro pro Kilo erreichen. Glücklicherweise gibt es auf der Messe auch andere Spezialitäten der Langhe zu kaufen, besonders Käse und Wurstwaren. Das örtliche Fremdenverkehrsamt betreibt eine Art Restaurant, wo typische Gerichte der Region serviert werden. Und auch der Wein fehlt nicht: Eine Vinothek rundet das Angebot ab.


