USA: Abenteuerland Florida
Vom 08.02.08: | Petra HirschelDer Staat im Südosten der USA ist vorwiegend wegen seiner Strände und des warmen Klimas berühmt. Doch Florida hat Urlaubern auch viel an NATURERLEBNISSEN und KULTUR zu bieten.
Die Kajaks gleiten übers Wasser, rechts am Ufer liegt ein Alligator in der Sonne. Die vorbeifahrenden Boote scheinen ihn nicht zu interessieren. Die Gäste machen Fotos und halten bereits nach dem nächsten Bewohner der Sümpfe Ausschau. Dass Florida Heimat von Alligatoren ist, ist allgemein bekannt – immerhin trägt der Highway 41 zwischen Naples und Miami den Beinamen »Alligator Alley«. Aber dass man mit Kajaks und Kanus durch die Mangroven und Everglades paddeln kann, hat sich noch längst nicht überall herumgesprochen.
Wer nach ein paar Tagen an den weißen Sandstränden genug von »Sun and Sea« hat, dem wird im Sunshine State nicht langweilig, denn die Palette der Freizeitmöglichkeiten ist groß. Touren für Individualurlauber stellt Visit Florida in einer eigenen Broschüre unter dem Titel »Worth the Drive« vor. Dazu gehören themenbezogene Fahrten für Outdoor-Enthusiasten und Kunstliebhaber, aber auch solche zu den markantesten Leuchttürmen des Staates, außerdem zu regionalen Höhepunkten wie den Everglades, den Weinanbaugebieten im Norden. Und nicht zuletzt das Space Center an der Atlantikküste.
Ein wichtiger Bestandteil des Freizeitangebots ist natürlich Orlando mit seinen zahlreichen Vergnügungsparks. Neben den altbekannten Attraktionen wie Disney World, Sea World und den Anlagen von Universal eröffnet Anheuser Busch im nächsten Frühjahr einen neuen Park. Der Wasserpark Aquatica soll eine Mischung aus der Begegnung mit Tieren und Wassererlebnissen ermöglichen. Dazu gehören diverse Wasserrutschen, sechs Flüsse und Lagunen mit ausgedehnten Strandbereichen. In einer durchsichtigen Röhre rutschen die Gäste mitten durch einen Schwarm schwarz-weißer Commerson-Delfine. Außerhalb der Stadt lässt sich die Natur Floridas dann direkt erleben. In der Umgebung Orlandos finden sich zahlreiche Seen und kleine Flüsse mit Möglichkeiten zum Wassersport, aber auch Radtouren sind dort möglich. Laut wird es dann bei einer Fahrt mit einem Propellerboot, wie den Boggy Creek Airboats.
Naturerlebnisse erwarten Touristen auch im Weedon Island Preserve im Norden von St. Petersburg, der Stadt an der Golfküste, die vor allem wegen ihrer mehrfach prämierten Strände bekannt ist. Im »Learning Center« des Reservats finden sich Kunsterzeugnisse der präkolumbianischen Ureinwohner. Urlauber können das Reservat entlang der mehr als sechs Kilometer langen Kanustrecke oder auf dem 14,5 Kilometer langen Wanderweg erkunden. Ebenfalls nördlich von St. Petersburg liegt mit Brooker Creek Preserve ein zweites Reservat in der Nähe von Tarpon Springs. Die Stadt wurde von griechischen Einwanderern gegründet und ist heute das Zentrum des Schwammtauchens. Ein Museum informiert über die Schwammindustrie und ihre Bedeutung für die Region. Auch Kunstfreunde werden in St. Petersburg fündig. Das aus einer Privatsammlung entstandene Salvador Dalà Museum feierte 2007 seinen 25. Geburtstag, und das Leepa-Rattner Museum of Art bietet eine umfangreiche Sammlung der Kunst des 20. Jahrhunderts.
Einen Ausflug in die Geschichte des Staates und seiner Ureinwohner können Gäste beim Besuch der insgesamt sechs Reservate des letzten Indianerstammes Floridas unternehmen. Eines davon befindet sich an der Ostküste in der Nähe von Fort Lauderdale. Die Seminoles bieten unter anderem im Seminole Okalee Indian Village mit dem Ah-Tah-Thi-Ki Museum Einblicke in ihr Leben und ihre Kultur. Vom 9. bis 12. Februar 2008 findet in Hollywood südlich von Fort Lauderdale der Annual Tribal Fare der Seminoles statt. Neben ihnen selbst sind auch Mitglieder von rund 300 anderen Stämmen vor Ort. Rund eine Stunde westlich liegt mit Big Cypress ein weiteres Reservat. Dort wird vom 22. bis 24. Februar im Billie Swamp Safari Camp der zweite Krieg der Seminoles gegen die weißen Siedler szenisch nachgestellt. Das ganze Jahr über gibt es dort Vorführungen und Bootsausflüge.
Ruhiger geht es bei den Reitausflügen von Dragonfly Expeditions in der Umgebung von Fort Lauderdale zu. Ausgangspunkt der »Old Florida Horseback Journey« ist die Bar-B-Ranch im ländlichen, südwestlich von Downtown Fort Lauderdale gelegenen Davie.
In Berührung mit einer anderen Tierart kommen Urlauber im Crystal River National Wildlife Refuge an der Westküste. Hier ist es erlaubt, mit Manatees zu schwimmen oder zu schnorcheln. Die bis zu 1.500 Kilogramm und vier Meter langen Seekühe verbringen den Winter in den wärmeren Küstengewässern oder den Flussarmen des Crystal Rivers. Lokale Tauchshops bieten Touren an, stellen die Ausrüstung und achten darauf, dass die Tiere in ihrer Lebenswelt nicht gestört werden. Eine weitere Möglichkeit der Begegnung ist der Homosassa Springs Wildlife State Park. In der »Fish Bowl« befindet sich eine schwimmende Beobachtungsplattform, von der aus Manatees, Schildkröten und diverse Fischarten durch eine Glasscheibe beobachtet werden können. In der Nähe von Ft. Myers an der Golfküste und bei Cocoa Beach an der Ostküste können Reisende den Seekühen auf Kajaktouren nahe kommen.
Auch abgesehen von den trägen, grauen Riesensäugern ist Florida mit seiner subtropischen Vegetation ein lohnendes Ziel für Naturfreunde. Im ganzen Bundesstaat finden sich mehr als 160 State Parks und der Everglades National Park im Südwesten. In der Nähe von Sarasota an der Westküste bietet der Myakka River State Park, einer der größten Floridas, eine naturbelassene Flusslandschaft mit Prärien und Wäldern und eine abwechslungsreiche Tier- und Pflanzenwelt. Auf Panther, Seeadler, Schwarzbären und Schlangen können Besucher im Fakahatchee Strand Preserve im Südwesten treffen. Dort leben zahlreiche Tiere, die im Amazonasgebiet heimisch sind. Ein Teil des Parks ist ein abgegrenztes Schutzgebiet für Panther. Wer die Everglades erkunden will, kann dies im State Park Collier-Seminole, ebenfalls im Südwesten gelegen, tun. Diverse Wanderwege unterschiedlicher Länge führen durch das Gelände, das sich auch per Rad oder Kanu erkunden lässt. Mit etwas Glück lassen sich Alligatoren, Waschbären, Fischadler oder weiße Ibisse entdecken. Einen intensiven Einblick bietet eine neuntägige Kanutour entlang des rund 160 Kilometer langen Wilderness Waterway mit Start in Everglades City.
Nach den Naturerlebnissen verspricht die Metropole Miami den entsprechenden Kontrast. Die Stadt, die sich in den vergangenen zehn Jahren stark verändert hat, lässt sich nun auch per Boot erkunden. Mit der Miami Beach Architecture Cruise geht es durch den Art Deco District im Süden der Insel und weiter nach North Beach. Dabei sind diverse Baustile zu sehen, wie der Mediterranean Revival aus den 20er Jahren und Häuser aus der Epochen des Art Déco und des Miami Modern, darunter auch Hotels wie das Fontainebleau oder das Eden Roc. Für den futuristischen Stil des Miami Modern stehen vor allem das Miami City Ballet oder die Handelskammer.
Eine etwas andere Bootstour steht einmal im Monat in North Beach auf dem Plan. Dann geht es bei Vollmond per Kajak durch die Kanäle, anschließend gibt es eine »Parrillada«, ein argentinisches Barbecue. Wer die Stadt lieber aus der Luft kennenlernen möchte, kann dies auf den Touren von Miami Flightseeing Air Tours tun. Das Unternehmen hat seine Flotte ergänzt und kann nun bis zu 20 Personen auf einmal mit auf einen Rundflug nehmen.
Miami wäre aber nicht Miami ohne seine lateinamerikanischen Einwanderer, die der Stadt das entsprechende Flair verleihen. Ein beliebter Treffpunkt ist an jedem letzten Freitag im Monat die Achte Straße im Stadtviertel Little Havana. Kubanische Künstler präsentieren auf der Straße ihre Bilder, Kunstwerke und Schmuck, in den Läden gibt es landestypische Produkte zu kaufen. Geführte Touren bringen Gäste zu den wichtigsten Punkten des Viertels.
Taucherparadies. Noch karibischer als in Miami wird es dann auf den Florida Keys, der Inselkette, die sich von der Südspitze Floridas in den Golf von Mexiko zieht. Die bekannteste Insel ist zweifellos die letzte der Kette, Key West. Nicht zuletzt durch Ernest Hemingway, der hier einen Teil seines Lebens verbrachte, und als Ziel für Aussteiger und Hippies hat Key West Bekanntheit erlangt. Für Wasserfreunde ist die Insel ein Dorado, denn von hier aus starten, wie auch von einigen anderen Keys, Tauch- und Schnorchelausflüge und Fahrten mit Glasbodenbooten. Vom Sommer 2008 an können Taucher die Unterwasserwelt im künstlichen Riff eines versenkten ehemaligen Transportschiffs der US Navy kennenlernen. Die Bedeutung des Tauchsports für die Region verdeutlicht auch das neue Tauchmuseum, das vor einem Jahr seine Tore öffnete. Ausgestellt sind unter anderem historische Taucherausrüstungen. Ebenfalls vor einem Jahr ging das Eco Discovery Center in Betrieb. Hier erfahren die Besucher mit interaktiven Touchscreens und Filmvorführungen alles über das Ökosystem Meer. Im begehbaren Nachbau des »Aquarius Undersea Lab« wird die Arbeit des Unterwasserlabors vor Key Largo anschaulich gemacht. Von Ft. Myers gibt es nun auch eine Express-Fähre auf die südlichste der Inseln.
Wolfram Marx


