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Boutique Hotels in Marokko

Vom 31.03.08:

In den Altstädten Marokkos können Urlauber in prunkvollen Stadthäusern wohnen. Die Gäste dieser zu Hotels umgebauten Riads tauchen in die Welt des Orients ein – ganz wie im Märchen.


Eine Gruppe Männer unterhält sich lautstark. Hier hupt ein Auto, dort rufen sich spielende Kinder etwas zu. Ein munteres Treiben, wie jeden Nachmittag in der Altstadt. Es ist kaum vorstellbar, dass der Lärm nicht über die hohen Mauern rechts und links der Gassen getragen wird und bis in die Häuser vordringt. Die Besucher von Farid und Wafae Lahlou beispielsweise bekommen von all dem Trubel nichts mit. Sie haben es sich im Innenhof des Riad Damia auf Sofas bequem gemacht und trinken mit ihren Gastgebern stark gesüßten Pfefferminztee.

Der Riad Damia zählt zu den besonderen Adressen von Fes. Das Hotel liegt in der Medina, also im historischen Viertel der nordmarokkanischen Stadt, und bietet seinen Gästen ein ganz besonderes Flair: Wer in dem alten Stadthaus wohnt, genießt nicht nur die Ruhe jenseits der Gassen, sondern fühlt sich wie in einem Märchen aus »Tausendundeiner Nacht«. Kunstvoll gekachelte Wände, verzierte Türen und antike Möbel – die Einrichtung scheint aus einem orientalischen Palast zu stammen. Wie die meisten Riad-Besitzer versuchten auch die Lahlous, das alte Gemäuer wieder in den Originalzustand zu bringen.
In ganz Marokko sind in den vergangenen Jahren Riads zu Hotels umfunktioniert worden. Vor allem Europäer – allen voran Franzosen, aber auch Deutsche – verliebten sich in die traditionellen Bauten in den verwinkelten Gassen und krempelten die Ärmel hoch, um die einst herrschaftlichen Schmuckstücke in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Sie hatten im Gegensatz zu den meisten Einheimischen das nötige Geld für die aufwändige Renovierung der heruntergekommenen Häuser – und erkannten lange vor den Marokkanern deren touristischen Wert. Die Lahlous etwa entschieden sich erst vor wenigen Jahren, in die Residenz ihrer Vorfahren zu investieren. Anfang 2007 eröffneten sie ihr Hotel.

Die Gäste der Riads sind Urlauber, die das Landestypische suchen. Meist handelt es sich um Individualreisende, aber auch Veranstalter schicken Kunden immer häufiger in die ausgefallenen Unterkünfte. Gebeco und Marco Polo bringen Rundreisende bei sogenannten Privatreisen in der Medina unter. Und TUI, Dertour und Sarafea quartieren ihre Städtereisenden in Riads ein. Für Gruppen allerdings buchen sie diese nie. Dafür sind die Häuser schlichtweg zu klein.

Viele Riads verfügen nur über eine Handvoll Zimmer. Warten sie mit neun Wohneinheiten wie der Riad Damia auf, zählen sie schon zu den größeren Vertretern. Schließlich waren die Häuser nie als Hotels konzipiert, Großfamilien lebten einst in ihnen. Und nur die Betuchteren konnten groß bauen.

Die Architektur der Riads gleicht sich: Fremde können, wie in arabischen Ländern üblich, die Pracht im Inneren nicht erahnen. Schmucklose, teils fensterlose Mauern bilden die Außenwände. Herzstück des Gebäudes ist ein Innenhof (heute oft mit einem aufschiebbaren, lichtdurchlässigen Dach versehen). Um ihn reihen sich auf zwei, drei oder vier Geschossen die Zimmer, deren Türen und Fenster meist auf den Hof blicken.

Nicht nach draußen sehen zu können, schreckt einige Urlauber ab. Auch freundet sich nicht jeder mit den nachträglich eingebauten Bädern an. So hübsch sie sind: Manche sind eng, in einigen Fällen ersetzt ein Vorhang die Tür. Wen das nicht stört und wer auf Klimaanlage und Fernseher verzichten kann: Das Ambiente macht viel wett. Und auch der persönliche Service. Wafae Lahlou etwa kocht für ihre Gäste – und zwar das, was sie sich wünschen.

Riads zum Buchen
■ Veranstalter: TUI (»Riads in Marrakesch«, einwöchige Flugpauschalreise), Gebeco (»Marokko ganz privat – Oase der Sinne«, 13-tägige Rundreise), Marco Polo Reisen (als Übernachtungsvariante bei individuellen Reisen ohne Gruppe: »Zauberhafte Königsstädte«, siebentägige Rundreise; »Orientalische Impressionen«, zehntägige Rundreise), Dertour (einzeln buchbare Riads in Essaouira und Marrakesch), Sarafea (einzeln buchbare Riads in Fes und Marrakesch).

■ Viele Betreiber von Riads kooperieren mit Reisebüros und zahlen Provision. Agenturen, die zum Beispiel Kunden in den Riad Damia in Fes schicken, erhalten 15 bis 20 Prozent Provision (www.riaddamiafes.com). Eine Liste sämtlicher Riads in Marokko verschickt das Marokkanische Fremdenverkehrsamt in Düsseldorf an Interessenten (E-Mail: marokkofva@aol.com).

â–  Riads gibt es in vielen Kategorien. Der Preis pro Person variiert zwischen 40 und 200 Euro die Nacht.

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