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Chinas langer Fluss – der Jangtse

Vom 08.02.08: | Petra Hirschel

Eine China-Rundreise ohne Kreuzfahrt auf dem Jangtse – fast undenkbar. Die Tour auf dem "langen Fluss" hat sich einen festen Platz in den Programmen erobert.


Eine China-Rundreise ohne Kreuzfahrt auf dem Jangtse – fast undenkbar. Die Tour auf dem "langen Fluss" hat sich einen festen Platz in den Programmen erobert.

 Nebel hat sich wie ein Schleier über die Berge gelegt. Wie so oft im Jahr hüllt er die steilen Felswände und saftig grünen Hänge ein. Er nimmt der Landschaft das Spektakuläre, verleiht ihr dafür aber etwas Mystisches. Einen ungetrübten Blick auf den Jangtse und seine Schluchten – den wenigsten Reisenden ist das vergönnt. Dennoch zählt der Fluss zu den wichtigsten touristischen Zielen Chinas. Kaum ein Besucher im Reich der Mitte lässt sich eine mehrtägige Kreuzfahrt entgehen.
"Der Jangtse ist ein Magnet", weiß Rolf-Dieter Scheerer, bei Gebeco für Asien zuständig. Weder der häufige Nebel noch die umstrittene Stauung des längsten Stroms des Landes können die Nachfrage dämpfen. Allein der Klang des Flussnamens, so Scheerer, wecke schwärmerische Erwartungen.
So ist es kein Wunder, dass jeder Veranstalter mit China-Programm auch den Jangtse anbietet und die Reedereien kontinuierlich die Zahl ihrer Schiffe aufstocken. Die Kreuzfahrt kann bei einigen Anbietern als Baustein gebucht werden. In der Regel aber ist sie Bestandteil einer Rundreise, bei der mindestens noch Peking, Shanghai und die Terrakotta-Armee in Xian besucht werden. Denn trotz aller Jangtse-Begeisterung: Ausschließlich für den "langen Fluss" unternimmt niemand die lange Reise nach Fernost.

Staudamm als Attraktion. Der Jangtse ist rund 6.300 Kilometer lang. Die meisten Touristen lernen allerdings nur die 648 Kilometer zwischen Yichang und Chongqing kennen – und damit den landschaftlich attraktivsten Abschnitt des Flusses: Sie fahren durch die berühmten "Drei Schluchten" des Wu-Gebirges, die Xiling-, die Wu- und die Quatang-Schlucht. In welcher Reihenfolge die Passagiere diese erleben, hängt jedoch davon ab, wo sie an Bord gehen. Die Schiffe verkehren nämlich in beide Richtungen.
Wer die dreitägige Kreuzfahrt in Yichang beginnt, reist nach Westen und somit flussaufwärts. Er sieht zuerst die Xiling-Schlucht und das derzeit wohl bekannteste Bauwerk am Jangtse: den Drei-Schluchten-Staudamm. Chinesen sowie Besucher aus aller Welt stehen staunend vor der gewaltigen Staumauer und der riesigen Schleuse und lassen sich mit technischen Daten des Mammutprojektes versorgen.
Die Fahrt durch die Schleuse dauert einige Stunden. Denn die Schiffe überwinden die 75 Meter Höhenunterschied über mehrere Staustufen. Seit rund viereinhalb Jahren, seit der ersten Stauung, gehört dieses Prozedere zu jeder Jangtse-Kreuzfahrt. Doch nicht nur das hat sich verändert. Die Schluchten verloren etwas von ihrer spektakulären Höhe. Den Unterschied aber bemerken nur diejenigen, die vor der Stauung, etwa im Jangtse-Boom-Jahr 2002, hier waren.
Zu steil aufstrebenden Felswänden blicken die Passagiere nun vor allem in den Seitenarmen hinauf. Zum Beispiel bei einem Ausflug auf dem Shennong: Männer des Volksstammes der Tu Jia rudern die Reisenden in kleinen Booten über den wilden, urspünglichen Fluss. An flachen Stellen springen sie ins Wasser und ziehen die Boote samt ihren Insassen an Seilen weiter.
Ein Stück weiter flussaufwärts gehen viele Kreuzfahrer von Bord, um die Pagode Shi Bao Zhai zu besichtigen. Die einst zu ihren Füßen liegenden Häuser sind bereits größtenteils unter der Wasseroberfläche verschwunden – wie auch mehr als tausend Dörfer und hunderte von Kulturdenkmälern. Im nächsten Jahr, nach der zweiten Stauung, würde auch Shi Bao Zhai dieses Schicksal teilen, würde sie dann nicht, durch eine Betonmauer geschützt, auf einer Insel stehen.
Wie die nächste Stauung 2009 den Tourismus verändert? "Wir wissen alle nicht, wie die Region dann aussieht", meint Gebeco-Manager Scheerer. Anbieter wie Nicko Tours sind optimistisch, dass das Produkt Jangtse eine Zukunft hat. Geschäftsführer Ekkehard Beller erwartet durch die diesjährigen Olympischen Spiele in Peking und die Weltausstellung 2010 in Shanghai einen weiteren Anschub für das China-Geschäft – und damit auch für den "langen Fluss".   

Kompaktinfos
 Der Jangtse ist mit einer Länge von rund 6.300 Kilometern der längste Strom Chinas und nach dem Amazonas und dem Nil  der drittlängste Fluss der Welt. Er entspringt im tibetischen Hochland und mündet bei Shanghai ins Ostchinesische Meer.

 Die meisten Passagierschiffe verkehren zwischen der Industriestadt Chongqing (im Stadtgebiet plus Vororten leben rund 7,7 Millionen Menschen) und dem rund 650 Kilometer entfernten Yichang (rund vier Millionen Einwohner). Die Reise dauert drei Tage (drei bis vier Nächte an Bord). Einige Kreuzfahrtschiffe befahren außerdem die Strecke Yichang – Shanghai.

 Der Drei-Schluchten-Staudamm befindet sich westlich von Yichang. Er zählt zu den größten Staudamm-Projekten der Welt. Er besteht aus einer Staumauer, die nach ihrer Fertigstellung 2.309 Meter lang und 120 Meter hoch sein wird, und einer Schleuse mit fünf Staustufen. Die erste Stauung des Jangtses erfolgte im Juni 2003, das Wasser stieg von 60 Meter über dem Meeresspiegel auf 135 Meter über dem Meeresspiegel. Die zweite Stauung ist für 2009 geplant, das Wasser steigt dann auf 175 Meter über dem Meeresspiegel und es entsteht ein 660 Kilometer langer Stausee.
(TO 2/08)

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