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Das Wettrennen der Flughäfen am Golf

Vom 11.03.08:

Das Zentrum der internationalen Luftfahrt könnte sich nach den Plänen der dortigen Airlines auf die Arabische Halbinsel verlagern.


Nirgendwo auf der Welt wird das Sprichwort »Stillstand ist Rückschritt« so intensiv gelebt wie in den Staaten am Persischen Golf. Es vergeht kaum eine Woche, in der aus der Region nicht eine neue Meldung über ein Riesenprojekt kommt, und meist ist es wieder ein globaler Superlativ, der aufgestellt wird und das Projekt aus dem Nachbarland in den Schatten stellt. So betitelte »Der Spiegel« Dubai vor wenigen Wochen als »Übermorgenland«.

Beim Wettrennen um das Größte, Höchste und Exklusivste spielen für die Macher natürlich auch ihre Fluggesellschaften und deren Flughäfen eine entscheidende Rolle. Die Airports sind bereits heute wichtige Hubs für Flüge nach Asien und Australien, doch ständig kommen neue Flugziele hinzu und die Passagierzahlen wachsen. »Im Jahr 2007 haben wir mit einem Passagieraufkommen von rund 34,4 Millionen am Dubai International Airport einen neuen Rekord aufgestellt«, berichtet Mara Kaselitz, Deutschland-Direktorin des Dubai Department of Tourism and Commerce Marketing. Damit wies er 2007 die höchste Wachstumsrate weltweit auf. 2008 sollen mehr als 40 Millionen Passagiere in dem Emirat ein- oder umsteigen und in zwei Jahren werden mehr als 60 Millionen Fluggäste erwartet. Dafür wird im Mai der neue Terminal 2 in Betrieb gehen, dem bis 2010 ein dritter folgt. Dieser wird dann auch für den A380 ausgelegt sein, von dem Emirates bislang 58 Maschinen bestellt hat.


Damit aber nicht genug: In Dubai soll noch in diesem Jahr mit dem Al Maktoum International Airport der größte Flughafen mit sechs Start- und Landebahnen eröffnen. »Er wird uns mit einer Kapazität von 120 Millionen Passagieren helfen, dem stetig wachsenden Ansturm auf unser Emirat in gewohnt guter Qualität gerecht zu werden«, so Mara Kaselitz. Mitte des Jahres sollen von der ersten Bahn bereits Maschinen starten.

Auch in Katar wird gebaut. Da stehen die Nachbarn in den umliegenden Emiraten nicht nach. Auch in Doha, der Hauptstadt von Katar und Heimat von Qatar Airways, gibt man sich nicht mit kleinen Zielen zufrieden. Der New Doha International Airport, der in Zusammenarbeit mit Qatar Airways errichtet wird, soll eine »führende Rolle in der Region und in der Welt des Luftverkehrs übernehmen«, heißt es seitens der Airline. Immerhin wuchsen die Passagierzahlen in Katar in den vergangenen zehn Jahren um das Fünffache auf zehn Millionen.  

Auch an diesem neuen Flughafen jagen sich die Superlative. Vorgesehen sind 80 Gates, große Einzelhandelsflächen und diverse Lounges. Für VIP-Flüge soll ein eigener Terminal-Komplex errichtet werden, im Terminal selbst wird es zusätzlich zum Flughafenhotel ein weiteres Hotel geben. Gebaut werden soll der Flughafen in drei Stufen, der Abschluss der Bauarbeiten ist für 2015 geplant. Die Eröffnung steht 2009 auf dem Zeitplan. Dann können ihn 24 Millionen Fluggäste nutzen. Die Beförderung innerhalb des Terminals erfolgt nach Abschluss der zweiten Phase (2009) mit einer Schwebebahn. In die Planung des Flughafens wurden von Beginn an Abfertigungsvorrichtungen für den A380 einbezogen. Insgesamt sind zwölf Abflugsteige speziell auf das Großflugzeug ausgerichtet, von dem Qatar Airways fünf bestellt hat.

Neuer Terminal für Etihad. Baukräne finden sich an der Golfküste überall. Auch in Abu Dhabi haben Bauunternehmen Hochkonjunktur. Nicht verwunderlich, denn auch in diesem Emirat ist der Flughafen mittlerweile an seiner Kapazitätsgrenze angelangt und ein Ausbau erforderlich. Die zweite Startbahn wird noch in diesem Jahr in Betrieb genommen. Sie ist mit 4.100 Metern auch für den A380 geeignet, von dem Etihad vier bestellt hat.  2008 steht auch für den neuen Terminal 3 mit acht Flugsteigen im Zeitplan. Dieser wird vorerst ausschließlich von Etihad Airways genutzt, bevor die Fluggesellschaft dann 2010 in Terminal 4 umziehen will.

Der Midfield Terminal Complex soll den Etihad-Passagieren kurze Umsteigezeiten garantieren. Die Einrichtung ist gespickt mit Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Lounges und einem Flughafenhotel. Mit einem Day Spa wollen die Flughafen-Verantwortlichen die Wartezeiten angenehmer machen, auch wird es einen größeren Duty-Free-Bereich geben. Nach Abschluss der Arbeiten will Abu Dhabi jährlich 20 Millionen Passagiere abfertigen.

Bis der neue Terminal fertig gestellt ist, können First- und Business-Gäste von Etihad in einer neuen Lounge, die Ende Februar eröffnet wurde, im Terminal 1 auf ihren Ab- oder Weiterflug warten. Für die First-Class-Passagiere wurde eine »Fine Dining Area« konzipiert, in der die Gerichte in einer offenen Küche zubereitet werden. Zudem ist ein abgetrennter Fernsehraum vorhanden.
Auf einen kräftigen Passagierzuwachs stellt man sich auch in Bahrain ein, der Heimat von Gulf Air. Dort sollen 2015 rund 15 Millionen Passagiere abfliegen oder ankommen können. Bei der ursprünglichen Planung war der Airport auf drei Millionen ausgelegt. Langfristig ist sogar die Zahl von 45 Millionen Fluggästen angedacht.

Mit rund 265 Millionen Passagieren pro Jahr an allen Flughäfen gibt es in der Region alles, aber keinen Stillstand. Zum Vergleich: In Frankfurt und Paris lauten die Planzahlen für 2015 zusammen rund 155 Millionen.

Wolfram Marx

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