LH-Vorzugspreise: Verbände hoffen auf Kartellbehörden
Vom 16.04.08:Die Einführung des Vorzugspreismodells der Lufthansa am 1. Juli gilt als sicher. Nun sollen die Wettbewerbshüter die Abwälzung der CRS-Kosten auf den Vertrieb verhindern.
Rund 200 IATA-Agenten trafen sich am heutigen Mittwoch, 16. April, in Frankfurt, um über den Einfluss des Lufthansa-Vorzugspreismodells auf den Vertrieb zu diskutieren. Obwohl nach Lufthansa-Angaben Reisebüros, die für 80 Prozent der LH-Umsätze stehen, den entsprechenden Vertrag unterschrieben haben, sind sich DRV, VDR, VIR, der schweizerische SRV und der österreichische Reisebüroverband Abta weiterhin in der Ablehnung des Modells einig. Das Modell sei eine "Kriegserklärung an den Fremdvertrieb", sagt Claudia Brözel (Foto), Vorstand des Verbandes Internet-Reisevertrieb (VIR). Online-Reisebüros hätten in besonderem Maße darunter zu leiden, dass die Tickets bei ihnen teurer sein müssten als im Eigenvertrieb der Airline. Das neue Modell wälzt CRS-Kosten in Höhe von 4,90 Euro plus Mehrwertsteuer für die günstigsten Ticket-Tarife an den Vertrieb ab. Darüber hinaus mache es den Buchungs- und Abrechnungsprozess für die Reisebüros aufwändiger, sagt Otto Schweisgut, der im DRV-Vorstand für Flugthemen zuständig ist. In Zeiten, in denen die Optimierung von Prozessen einen entscheidenden Erfolgsfaktor darstelle, sei dieses Vorgehen "absurd". Die Preiserhöhung im Fremdvertrieb zwinge die Reisebüros, wo es möglich sei, verstärkt andere Fluggesellschaften anzubieten.
Unterschrieben hätten den Vertrag für die Vorzugspreise in erster Linie Agenturen mit einem hohen Anteil an Geschäftsreisen. "Die Leisure-Büros haben nicht unterzeichnet", stellt DRV-Präsident Klaus Laepple fest. Gemessen an der Gesamtzahl der Reisebüros hätten sich nur rund 20 Prozent auf das Modell eingelassen.
Dennoch: Bis zu seiner geplanten Einführung am 1. Juli ist das Vorzugspreismodell von Lufthansa nicht mehr zu verhindern. Darin sind sich die fünf Touristikverbände, die dagegen Front machen, einig. Sie wollen trotzdem weiter gegen das Modell vorgehen und hoffen dabei auf die Kartellbehörden. Lufthansa habe das Bundeskartellamt vor der Einführung des Modells "unzureichend informiert", sagt Schweisgut. Allein die Höhe des Entgelt pro Segment sei mit 4,90 Euro plus Mehrwertsteuer überhöht: "Lufthansa erhebt dafür einen Listenpreis, den sie selbst nie zu zahlen hatte", so Schweisgut.
Doch auf eine Senkung dieses Betrages haben es die Verbände nicht abgesehen - sondern auf seine Abschaffung. Aus Sicht des DRV und seiner Juristen sei das Vorgehen der Airline eindeutig als Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung zu werten. Das nächste Treffen des DRV mit Vertretern des Bundeskartellamts ist am 9. Mai geplant. VIR-Vorstand Claudia Brözel rechnet damit, dass die Behörde sich zur Prüfung der Argumentationen der Verbände rund drei Monate Zeit nehmen werde.



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