Gespannte Ruhe
Vom 01.10.08: | Petra HirschelEinst Lieblingskind der Deutschen, heute mit Skepsis betrachtet: Sri Lanka leidet auf Grund der politischen Situation unter zurückgehenden Besucherzahlen. Wiederholer aber bleiben dem Land treu.
Zwei Schwimmer ziehen im Pool gemächlich ihre Bahnen. Sie haben das große Becken für sich allein, und auch die Liegestühle am Strand davor sind fast alle unbelegt. »Es ist derzeit keine Saison«, erklärt Hyacinth Gunawardena. Der Managerin des Jetwing Beach, einem Fünf-Sterne-Hotel in Sri Lankas Badeort Negombo, bereitet die geringe Gästezahl dennoch Kopfzerbrechen. Denn das momentane Bild ist symptomatisch: Sri Lankas Tourismus leidet unter den Auswirkungen der terroristischen Anschläge, die die Tamil Tigers seit Aufhebung des Waffenstillstands im Januar verüben. Es kommen immer weniger Touristen ins Land. Vor allem die Deutschen, in den 90er Jahren noch die größte Besuchergruppe, schrecken vor einem Urlaub auf der einst so beliebten Insel im Indischen Ozean zurück – und dies nicht nur im Spätsommer und Herbst.
Gunawardena weiß, warum das so ist. »Der Sicherheitshinweis«, sagt sie mit Bedauern. Weder die Managerin noch andere Touristiker des Landes verstehen die Haltung des Auswärtigen Amtes des Bundesrepublik. Die Behörde spricht zwar keine Reisewarnung für Sri Lanka aus, rät aber vor nicht unbedingt notwendigen Reisen ab. »Dabei haben sich die Anschläge noch nie gegen Touristen gerichtet«, so Channa Jayasinghe, der scheidende Chef des Fremdenverkehrsamts von Sri Lanka in Frankfurt.
So belegen momentan oft andere Nationen die Hotels. »Zu 80 Prozent sind es Briten«, sagt Nalaka Deepal vom Royal Palms im an der Südwestküste gelegenen Kalutara. Auch Großbritannien mahnt seine Bürger zur Vorsicht, empfiehlt jedoch nur, den Norden und Osten zu meiden (dort fanden die Kampfhandlungen statt). Doch ob Briten oder Deutsche: Vor allem Stammgäste halten Sri Lanka die Stange. »Bei 40 Prozent unserer Gäste handelt es sich um Wiederholer«, erzählt Alex Edirisinghe, Manager des Jetwing Blue Oceanic in Negombo.
Genau das ist der Knackpunkt: Wer einmal in Sri Lanka war, kommt trotz der Diskussionen um die Sicherheit oft wieder. Denn dort, wo sich die Touristen aufhalten, ist die politisch angespannte Situation nicht bemerkbar. »Ich habe mich nie unsicher gefühlt«, sagt Reiseberaterin Gabriele Oettel von Neckermann Urlaubswelt in Würzburg, die sich im Rahmen eines Famtrips auf der Insel aufhielt. Und auch für die meisten ihrer Mitreisenden ist die Auseinandersetzung zwischen Regierung und Tamil Tigers kein Thema. »Ich werde jedem Kunden das Land ohne Bedenken empfehlen«, zieht Jens Pregla von Borlach Reisen in Bad Dürrenberg als Resümee. Doch es gibt auch skeptische Stimmen: »Es wird schwierig sein, diejenigen zu überzeugen, die erstmals eine Fernreise machen«, glaubt Kristina Lenardic von Titanic Südstern, einem Berliner Lufthansa City Center.
Sri Lankas Touristiker aber hoffen, langfristig auch Asien-Neulinge zu überzeugen. »Unsere Geschichte ist vielleicht nicht so großartig wie die Indiens, unsere Strände sind möglicherweise nicht so phantastisch wie die Thailands. Aber nirgendwo liegt so viel so nah beieinander«, argumentiert Harith Perera, Geschäftsführer der Incoming-Agentur Diethelm Travel, mit Blick auf die zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Strände der Insel, die so groß wie Bayern ist.
Sri Lankas Badeorte liegen an der West- und Südküste. Zahlreiche Hotels reihen sich dort aneinander, meist mit einem weitläufigen Sandstrand vor der Haustür. Das Spektrum reicht von der einfachen Pension bis zum großzügig angelegten Fünf-Sterne-Resort. Fast alle erstrahlen in neuem Glanz – eine Folge des Tsunami und den sich anschließenden Renovierungsarbeiten. Die Spuren der Naturkatastrophe von Dezember 2004 sind weggewischt. Zumindest in der Hotellerie. Rechts und links der Küstenstraße nach Galle allerdings stehen auch heute noch Ruinen kleiner Wohnhäuser, die nicht wiederaufgebaut wurden, nachdem die gewaltige Welle sie damals zerstörte.
Die meisten Urlauber verbringen ein bis zwei Wochen an der Küste, Erstbesucher buchen häufig noch eine Rundreise hinzu. Ihre Ziele sind die kulturellen Stätten, Teeplantagen und Nationalparks im Inland. Sich dafür Zeit zu nehmen, rät Reiseleiter Nishantha Silva. Die Entfernungen sind zwar nicht allzu groß, die Straßen – wenn auch frisch asphaltiert – aber schmal, ein schnelles Vorankommen dadurch schwierig.
Apropos Vorankommen: Die Touristiker der Insel glauben fest an eine baldige Lösung ihres Gästeproblems. Ihrer Meinung nach ist eine Ende des Tamilen-Konflikts absehbar. »Spätestens nächstes Frühjähr kann auch die Ostküste wieder bereist werden«, glaubt Diethelm-Manager Perera.
Kompakt:
■Der Konflikt zwischen dem Staat und tamilischen Rebellen im Norden (sie kämpfen um eine Autonomie, 14% Bevölkerungsanteil) beherrscht seit 1983 die Politik. 2002 vereinbarten die mehrheitlich singhalesische Regierung und die Tamil Tigers einen Waffenstillstand. Seit Januar ist er außer Kraft. Seither kommt es zu Anschlägen der Rebellen und im Osten und Norden zu Kampfhandlungen zwischen Tamil Tigers und Armee.
â– Rund 288.000 Besucher registrierte Sri Lanka in den ersten acht Monaten des Jahres (-8,2%): 20.400 Deutsche (-3,9%), 54.846 Briten (-7,2%);
1995: 80.000 Deutsche; 2003: knapp 58.900.
Die bedeutendsten Reiseziele:
■Rund fünf Stunden dauert die Fahrt von Colombo ins weiter nordöstlich gelegene Kulturdreieck, dem Zentrum buddhistischer Kultur. Anuradhapura war die größte Klosterstadt der Antike, wovon heute Ruinen zeugen. Besucher kommen, um die riesigen Dagobas und den Bodhi-Baum (er soll der älteste Baum der Welt sein) zu sehen. Sigiriya ist bekannt wegen eines 200 Meter hohen Monolithen und Fresken junger Mädchen, Polonnaruwa wegen Palästen und Buddha-Statuen. Die drei Städte sind Unesco-Weltkulturerbe.
■Auch Kandy steht auf der Unesco-Liste. In der Stadt in den Bergen befindet sich die wichtigste Reliquie des Buddhismus in Sri Lanka: ein Zahn Buddhas. Er wird in einer Schatulle in einem Tempel aufbewahrt – nur ein kurzer Blick darauf ist erlaubt. Lohnenswert ist der Besuch einer Aufführung traditioneller Tänze sowie des Botanischen Gartens.
■Die Straße von Kandy gen Süden führt in Kurven ins Hochland, wo Tee angebaut wird. Urlauber sehen Teepflückerinnen (Foto) und lernen in Teefabriken, wie die Blätter verarbeitet werden. Ziel der meisten Besucher ist Nuwara Eliya auf 1.890 Metern Höhe, einst Erholungsort der Briten.
■Das tropische Sri Lanka hat eine äußerst artenreiche Tier- und Pflanzenwelt. Es gibt mehrere Nationalparks. Als etwas ganz Besonderes gilt der Sinharaja Wald im Südwesten. Bei dem Unesco-Weltnaturerbe handelt es sich um den letzten tropischen Primär-Regenwald der Insel. Er ist inbesondere eine Adresse für Vogelliebhaber.
■Zwischen Colombo und Kandy liegt Pinnawela, ein Waisenhaus für Elefanten. Verlassene Jungtiere und Verletzte (wie der Elefant, der auf eine Mine trat und dem seither ein Unterbein fehlt) finden hier ein Zuhause. Besucher können die Tiere beim Baden im Fluss erleben.
■Die Küste von Negombo mit ihren zahlreichen Hotels ist inzwischen das beliebteste Badeziel der Deutschen. Die Stadt liegt nördlich von Colombo, die Entfernung vom Flughafen beträgt rund 30 Fahrtminuten.
■Südlich von Colombo befinden sich die bekannten Badeorte Beruwala und Bentota. Lange Sandstände prägen die gesamte Westküste. Die beste Zeit zum Baden im Meer ist zwischen Oktober und April, die Wassertemperatur beträgt 25 bis 29 Grad Celsius. Bei Tauchern beliebt ist das weiter südlich gelegene Hikkaduwa.
■In der Hafenstadt Galle, ebenfalls Unesco-Weltkulturerbe, vermischen sich europäische und südasiatische Architektur. Ein Stück weiter südlich, zwischen Koggala und Weligama, angeln Fischer im Meer auf Stelzen sitzend.


