Besuch im Einkaufsparadies
Vom 14.10.08: | Tanja RongeEinen Stopover in Hongkong sollten Reisende idealerweise auf dem Rückflug einplanen. Denn in Geschäften und auf Märkten locken die Waren – und sorgen für prall gefüllte Koffer.
Es ist früher Abend in Hongkong. Überall blinken bunte Reklamelichter. Schaufenster strahlen hell erleuchtet um die Wette, bunte Werbefahnen wehen im Wind und allerorts locken Plakate mit Rabattversprechen. In der ganzen Stadt drängeln sich Menschen auf den Bürgersteigen, auch hier in der Nathan Road. Die meisten sind mit Tüten beladen, denn es ist Shopping Festival in Hongkong. Dann ist Beutezeit für Schnäppchenjäger. Ermäßigungen von bis zu 80 Prozent sind keine Seltenheit. Das »Winterfest«, so der Name des Einkaufsfestivals, beginnt dieses Jahr am 28. November und dauert bis zum 4. Januar 2009 – genau richtig also für den vorweihnachtlichen Konsumrausch.
Doch auch außerhalb solcher Rabattaktionen (Juli bis Mitte September dieses Jahres gab es bei den alljährlich ausgerichteten »Summer Temptations« ähnliche Vergünstigungen) gehört Einkaufen in Hongkong zu den Attraktionen. »Ich kann nie widerstehen«, seufzt Anette Wendel-Menke, Marketing Manager beim Hong Kong Tourism Board (HKTB) in Frankfurt. So wie der 37-Jährigen geht es den meisten Besuchern. »In der Regel komme ich mit einem Koffer an und kehre mit zwei vollen Koffern nach Hause zurück«, sagt Yi-Lan Li, in Deutschland geborene Hongkong-Chinesin. »Am liebsten kleide ich mich von Kopf bis Fuß neu ein«, sagt die 24-Jährige, die bei China Tours arbeitet.
Vor allem in den zahlreichen Outlet-Centern gibt es das ganze Jahr über Markenware für wenig Geld. Eine der derzeit wohl beliebtesten Einkaufsmeilen für Rabattjäger ist die Citygate Outlet Mall in Tung Chung auf Lantau unweit des Flughafens, direkt an der Ngong Ping 360-Seilbahn-Station. Triumph, Adidas, Puma, Nike, Timberland, Esprit, Calvin Klein, Laura Ashley und jede Menge mehr: »Dort gibt es alles, was das Herz begehrt«, schwärmt Wendel-Menke, »Outlet-Shops bis zum Abwinken – wirklich ganz toll.«
In den zahlreichen edlen Shopping-Malls, wie beispielsweise Pacific Place oder Harbour City, wird ebenfalls eine schier unglaubliche Auswahl an Markenartikeln angeboten – »eben die Guccis dieser Welt«, sagt Einkaufsprofi Wendel-Menke. »Preislich lässt sich da allerdings eher selten ein Schnäppchen machen«, gibt Dertour-Produktmanager Klaus-Peter Betz zu bedenken. Ein Erlebnis ist die Fülle an Läden jedoch allemal. Lotus-Travel-Mitarbeiter David Nützel mag deshalb die Malls am Times Square: »Das ist zwar nicht unbedingt der billigste Einkaufsort der Stadt, dafür sind weniger Touristen unterwegs und es wuselt nur so vor Asiaten.« Sein Resümee: »Es macht einfach Spaß, sich von der Menge mitziehen zu lassen«. Ein Bummel empfiehlt sich zudem in der Nathan Road, der Prachtstraße in Kowloon. Dort finden Besucher auch Läden einheimischer Marken wie Giordano, Bossini und G2000. Hier gibt es junge, trendige, pfiffige Mode – sportiv, aber auch bürotauglich. »Qualitativ gut und im Vergleich zu Deutschland supergünstig – wenn auch nicht so günstig wie die Artikel auf den Märkten«, so Wendel-Menke.
Denn auf den Märkten finden auch Besucher mit schmalem Geldbeutel das Passende. Ein Besuch dort ist ein Muss, auch für Einkaufsmuffel. Wer nicht um gefälschte Uhren, Designer-Klamotten oder Handtaschen, winkende Goldkatzen, Strass-Spangen, Kühlschrankmagneten und allerlei Krimskrams mehr feilschen will, sollte sich treiben lassen. »Ein tolles Lokalkolorit«, sagt TUI-Manager Melf Türkis. Für Kaschmirpullover, Paschminaschals, T- und Sweatshirts, Kinderkleider und mehr fahren Besucher gerne nach Stanley auf den gleichnamigen Markt (Foto oben). Dort haben sich die Händler auf die fülligeren Körpermaße der Nicht-Asiaten eingestellt. Zudem wird Kunsthandwerk feilgeboten. Auf allen Märkten gilt: Wer handeln kann, ist klar im Vorteil.
Schnäppchen machen können übrigens auch Technikfreaks. Aber: Unbedingt in der Heimat vorher Preise notieren und generell nur in Läden mit QTS-Qualitätssiegel kaufen. Auch der Import von Brillen und Kontaktlinsen lohnt sich: Es gibt eine riesige Auswahl zu günstigen Preisen.
Was allerdings definitiv nicht in den Koffer gehört sind Präsente wie »Snake-Wines«, also in Alkohol eingelegte Schlangen oder andere »typisch asiatische« Mitbringsel, deren Einfuhr aufgrund des Washingtoner Artenschutzübereinkommens verboten ist – und entsprechend bestraft wird. Wer sich nicht sicher ist, ob er seine Ware verzollen muss oder die Einfuhr sogar illegal ist, sollte im Zweifelsfall am Flughafen nicht gleich die grüne Zone ansteuern. Wer sich nämlich in der roten Zone beim Zöllner erst mal erkundigt, kann seine Ware straffrei abgeben und muss auch keinen Zoll nachzahlen, so der Tipp von Zollamtfrau Christine Kolodzeiski aus Frankfurt. »Wir sind um jeden froh, den wir positiv beraten können.« Ziel sei es, das Bewusstsein der Reisenden zu schärfen.
Bis zu einem Wert von 175 Euro dürfen Urlauber übrigens sogar gefälschte Markenartikel mitführen: »Allerdings nicht für gewerbliche Zwecke; bei 30 gleichartigen Rolex-Fälschungen werden wir natürlich stutzig«, so Kolodzeiski.
Einkaufstipps:
Hilfe im Internet:
www.beta.discoverhongkong.com/german/shopping/shopping-guide.html
http://yp.ypdomain.com/mv_templates/SHP/mv_ypshopping_e.html
Märkte:
Ladies‘ Market in der Tung Choi Street, Nachtmarkt in der Temple Street (Taschen, Fake-Artikel und Schnickschnack aller Art), Stanley Market (Kleider, Kunsthandwerk), Toy Street in der Tai Yuen Street an der Metro-Station Wan Chai, Ausgang Johnston Street (kleiner lokaler Markt, kaum Touristen).
Malls/Läden:
Pacific Place in Admiralty, Times Square in Causeway Bay, Harbour City in Kowloon, Langham Place in Mongkok, IFC-Mall im Finance District; lokale Kaufhäuser: Wing On, Sincere und Lane Crawford; viele Läden auch in der Nathan Road (etwa lokale Marken Bossini und Giordano), ausgefallene Mode mit chinesischem Touch verkauft Shanghai Tang, Adressen unter www.shanghaitang.com, aufstrebende junge Designer in den kleinen Straßen rund um SoHo.
Outlets:
Liste http://hk.geocities.com/comicxer/doc/personal/living/factory_outlet.htm; Tipp: Outlet-Paradies (viele Shops) in der Citygate Outlet Mall in Tung Chung (an der Ngong Ping 360-Station in Flughafennähe), www.citygateoutlets.com
Zoll: Einfuhrbestimmungen für Waren aus Hongkong (ein Auszug):
Abgabenfrei sind Reisemitbringsel unter folgenden Bedingungen:
-Reisende müssen die Waren dabei haben (nicht schicken); sie dürfen nur für persönlichen Ge- oder Verbrauch bestimmt sein, keine gewerblichen Zwecke (Beispiel: nicht 30 ähnliche Seidenschals im Gepäck)
-200 Zigaretten, 100 Zigarillos, 50 Zigarren
- ein Liter Spirituosen (mehr als 22% Alkohol), zwei Liter Spirituosen (22% Alkohol oder weniger)
- sonstige Waren (etwa Kleider) bis zu einem Wert von 175 Euro
Verboten ist die Einfuhr von durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen geschützten Tieren, also keine »Snake-Wines«, keine von Urlaubern gerne gekaufte traditionelle Medizin mit tierischen Bestandteilen, etwa Tigerknochenpflaster (gegen Rheuma/Impotenz); detaillierte Liste pro Reiseland im Internet unter www.artenschutz-online.de


