Wo Sand unter den Füßen quietscht
Vom 01.09.08: | Tanja RongeJeder zweite deutsche Australien-Reisende plant einen Aufenthalt in Queensland ein. Wer Sand, Sonne und Entspannung sucht, sollte dabei unbedingt auch die Whitsunday Islands besuchen.
In der lang gezogenen Bucht schaukelt sachte ein Katamaran vor sich hin. Weiter draußen tanzt ein Ausflugsboot in den Wellen, das gerade seine Gäste abgesetzt hat. Menschen dösen nun am nur von Büschen, Bäumen und Gräsern begrenzten Strand. Andere spazieren am Wasser entlang und setzen dabei mit ihren um den Körper geschlungenen bunten Tüchern farbige Akzente im blendenden Weiß des Sandes.
Dieser quietscht bei jedem Schritt unter den Füßen. Denn die strahlend weißen Körnchen sind so fein, dass die polierten Oberflächen unter Druck gegeneinander reiben und eben jenes Geräusch produzieren.
Mit einem Quarzgehalt von 99,7 Prozent macht der Whitehaven Beach vor der Ostküste Australiens im Bundesstaat Queensland seinem Namen alle Ehre, gilt er doch als der weißeste Strand der Welt.
Der Traumstrand ist ein beliebtes Ausflugsziel und wird am besten von Hamilton Island oder Airlie Beach aus angesteuert. Hamilton ist eine der 74 Inseln der Whitsunday Islands, von denen nur acht bewohnt sind. Die meisten besitzen Nationalparkstatus und alle sind Teil der Great Barrier Reef World Heritage Area. Ihren Namen, Pfingstsonntagsinseln, verdanken sie übrigens Entdecker James Cook, der 1770 zu Pfingsten die idyllischen Eilande entdeckte. Die größte Insel des Archipels ist Whitsunday Island – und beherbergt eben jenen weißen Traumstrand, Whitehaven Beach.
Bei einer Durchschnittstemperatur von rund 27 Grad an Land und etwa 20 bis 24 Grad im Wasser das ganze Jahr über gelten die Whitsundays als Dorado für Badenixen und Wassersportler. »Ein Segeltörn in den Whitsundays mit ihren tollen Schnorchelgebieten und Stränden ist ein Traum«, schwärmt etwa Dietmar P. Schulz, FTI-Produktmanager für Ozeanien (Foto), eingefleischter Australien-Liebhaber und -Kenner.
Australia-Tours-Chef German Diethei ist ebenfalls Fan der Inselwelt, die er bereits zehnmal bereiste. »Ich bin begeisterter Segler und fahre alle zwei Jahre dorthin«. Mit dabei sind Familie und Freunde, nächstes Jahr will der Australien-Fan mit zwanzig Urlaubern und maximal fünf Booten erneut die Schönheit des Archipels erkunden. Auch mit der Familie sei das ein idealer Urlaub, weil es so abwechslungsreich sei, sagt Diethei, Vater von zwei 16 und 14 Jahre alten Teenagern.
So finden Unterwassersportler ideale Bedingungen. »Es gibt ganz tolle Tauch- und Schnorchelplätze, besser noch als bei Cairns«, findet der in Kempten ansässige Veranstalterchef, dessen komplettes Produktportfolio an Reisebüros über Partner Tourconsult vertrieben wird. Selbst unerfahrene Bootsführer können nicht verloren gehen, da die Inseln immer in Sichtweite seien. Daher empfiehlt Diethei eine Tour mit Motorjacht oder Segelboot auch Einsteigern. »Es wird kein Segelschein verlangt, die Urlauber müssen nur nachweisen, dass sie mit dem gecharterten Boot umgehen können.« Buchbar sind die Schiffe mit unterschiedlichen Verpflegungsvarianten, von Teilverpflegung bis hin zur Gourmetversion.
Ebenso wie für Ausflugsfahrten zum Whitehaven Beach ist Hamilton Island auch Ausgangspunkt für mehrtägige Törns. Wer nicht segeln mag, ist mit einem Aufenthalt auf der größten bewohnten Insel der Whitsunday Islands ebenfalls gut beraten. Aufgrund der guten touristischen Infrastruktur ist das Eiland, auf dem Urlauber nur zu Fuß oder mit Golfcarts umhersausen dürfen, bestens auch auf Familien eingestellt.
Ein weiteres Argument ist die gute Erreichbarkeit. Als eine von wenigen Inseln verfügt Hamilton Island über einen Flughafen, der von Städten wie Sydney, Melbourne, Cairns und Brisbane direkt angeflogen wird.
Auch die Unterkunftssituation ist vielfältig. Von außen keine Augenweide, entschädigt das gern gebuchte Reef View Hotel (bei FTI, Thomas Cook Reisen, TUI und Dertour) mit einem grandiosen Ausblick, vor allem bei Sonnenuntergang.
Die in der Region beheimateten Kakadus, die Hotelgäste gerne auf ihren Balkons besuchen, wenn sie sich dort etwas Essbares gönnen, soll nun ein auf dem Hausdach angesiedelter und regelmäßig seine Runden ziehender Adler fernhalten. Vorsichtshalber sollten Urlauber trotzdem ihre Fenster bei Verlassen des Hotelzimmers lieber schließen. Diesen Rat sollten Queensland-Reisende übrigens auf allen Inseln beherzigen, denn die kreischenden Papageien können ein Hotelzimmer übel verwüsten – vor allem, wenn dort ein Obstkorb auf sie wartet.
Wer gerne mal luxuriöser wohnen möchte, dem sei das erst kürzlich eröffnete Qualia Resort (Foto) ans Herz gelegt, das mit schlichtem, elegantem Design besticht – aber nichts für Schnäppchenjäger ist (bei Airtours und Dertour im Programm).
Neben Hamilton ist Hayman Island, die nördlichste Insel des Archipels, das meist gebuchte Ziel auf den Whitsunday Islands. Der Reiz dort liegt vor allem darin, dass das einzige Hotel der Insel, das Hayman Island Resort (unten: Foto vom Balkon), inmitten einer üppigen tropischen Vegetation mit entsprechender Fauna liegt. Überall raschelt, zirpt und pfeift es. Wer auf den Hotelwegen von einem Gebäude zum anderen geht, trifft nicht nur Hotelgäste, sondern auch schon mal Vögel beim Abendspaziergang.
Das auch bei Promis beliebte Haus wird nur von Wasserflugzeugen oder hoteleigenen Transferbooten angesteuert, auf denen Gäste mit einem Glas Champagner auf das Wohnen in einem der Leading Hotels of the World eingestimmt werden (Foto oben: Drei Expedienten testen den Service im Rahmen des Dertour-Länderspecials im Mai dieses Jahres).
Wenn es Urlauber nach der Ruhe auf den Inseln mal wieder lebhaft und weniger feudal, dafür bodenständig mögen, empfiehlt sich ein Besuch in Airlie Beach (Foto: Blick aus der Luft auf die Küstenlinie), dem Eingangstor zu den Whitsunday Islands. Der sympathische Touristenort liegt an der Ostküste zwischen Cairns und Brisbane, bietet Unterkünfte aller Art und wird gerne von Rucksackreisenden angesteuert – auch, um von dort die Inselwelt zu erkunden.
Das lockere Ambiente spiegelt sich in den Kneipen und Cafés wider, die mit Live-Musik um Gäste werben und bis spät in die Nacht gut besucht sind. Eine ganze Reihe kleiner Läden wartet mit allem auf, was Weltreisende und Souvenirjäger so brauchen: von knallbunten Crocs, den trendigen Plastiklatschen, bis hin zu Bändchen, Perlen Boomerangs und allerlei Schnickschnack.
Überhaupt sollten Australien-Reisende neben den Whitsundays auch die Schönheiten der Ostküste erkunden – und sich dafür Zeit nehmen. Drei Wochen dürfen es schon sein, um die Strecke zwischen Sydney und Cairns zu entdecken, findet FTI-Manager Schulz. Zur Langsamkeit rät auch TUI-Reisebürofrau Dagmar Gasteiger (auf dem Foto unten im Cairns Tropical Zoo mit Wallaby, wie die kleinen Kängurus heißen). »Ich empfehle meinen Kunden nach einer stressigen Rundreise immer ein paar Entspannungstage, am besten am Strand«, sagt die Expedientin aus Gilching bei München. Ihr Tipp: Ferien in Palm Cove. Der beschauliche Küstenort liegt zwischen Cairns und Port Douglas und bringt das richtige Ambiente mit.
Von dort lässt sich zudem prima ein Ausflug in den Cairns Tropical Zoo unternehmen, damit Urlauber das tun können, was alle Deutsche in Australien wollen: Koalas und Kängurus knuddeln (unten Tierpflegerin Peita mit Koala-Mädchen Kaia, die nach Queensland-Werber Kai Ostermann benannt ist).
Der tropische Norden ist ein Touristenmagnet, sagt Queensland-Werber Kai Ostermann. Die in jüngster Zeit von manchen Veranstaltern beklagten stagnierenden oder gar rückläufigen Besucherzahlen nach Australien machen ihm keine Angst: Gerade erst habe eine Umfrage ergeben, dass die Mehrzahl der Anbieter dies als vorübergehende Erscheinung betrachte. Auf lange Sicht hätten die meisten sogar ein Plus bei Queensland-Besuchern prognostiziert.
»Unter dem Strich ist die Entwicklung nicht rosig, aber zu verschmerzen; der Rückgang ist gering und wir sind optimistisch, was kommendes Jahr angeht«, fasst Dertour-Australien-Manager Peter Just (Foto) die Stimmung zusammen.
Denn ganz sicher wird es immer Reisende geben, die den quietschenden, weißen Sandstrand Whitehaven sehen wollen.


