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Die Stadt, die niemals schläft

Vom 16.12.2009: Von: Tanja Ronge
Buenos Aires ist eine quirlige Millionenmetropole. Ein kleiner Streifzug durch die bekanntesten Viertel.


Wer Buenos Aires erkunden möchte, braucht Kondition. Die Millionenmetropole am Rio de la Plata bietet schier unerschöpfliche Möglichkeiten, sich zu zerstreuen – tagsüber und vor allem auch abends und nachts. Die Porteños, wie sich die Einwohner von Buenos Aires nennen, gehen gerne und ausgiebig und bis in die frühen Morgenstunden aus, auch während der Woche. Nachtschwärmer können sich freuen, Frühschläfer können angesichts der vielen Lokalitäten nur eine Ahnung davon bekommen.

Selbst zum Abendessen treffen sich die Porteños selten vor zehn Uhr abends. Dann essen sie ausgiebig und ziehen weiter in eine Bar. Und wer tanzen will, der macht sich erst danach auf den Weg in eine der Diskotheken oder zu einer der Milongas. So heißen die Tanzabende, auf denen sich die Tangotänzer treffen, um ihrer Passion nachzugehen.

Bevor Besucher ihre Reise in das Paris Lateinamerikas – so heißt die Stadt wegen ihrer herrschaftlichen Bauten und dem nostalgischen Flair – planen, sollten sie sich überlegen, in welchem Viertel sie ihr Quartier aufschlagen. Welches Viertel ist ein geeigneter Ausgangspunkt für geplante Aktivitäten und bietet die gewünschte Atmosphäre? Ein kleiner Streifzug.

San Telmo. »Ich wohne immer in San Telmo, weil mir das Flair dort gefällt«, sagt Anja Mai. Die Lehrerin verliebte sich auf einer Südamerika-Rundreise in Buenos Aires und verbringt seitdem jede mögliche Minute dort. »Ich mag den leicht morbiden Charme, das etwas Abgeschrabbelte«, erläutert die 38-Jährige, was die Gegend für sie so reizvoll macht. Bekannt ist San Telmo für seinen sonntäglichen Flohmarkt auf der Plaza Dorrego, das Herz des Viertels und die schönste Ecke.

Dort gibt es alte Möbel, Kleider aller Generationen, Kunsthandwerk und alles, was einen richtigen Trödelmarkt so ausmacht. »Ein Besuch dort ist Pflichtprogramm«, meint Robert Werner vom Südamerika-Reisebüro Rupert Brasil in München. »Dort lassen sich wirklich noch urige Sachen finden«.

Wer kein Flohmarkt-Fan ist, hat trotzdem seinen Spaß. Die Atmosphäre ist einfach wunderschön. Es gibt viele Straßenkünstler, und Tangotänzer präsentieren ihr Können zur Musik mitgebrachter Transistorradios. Und bei schönem Wetter schwingen die Porteños selbst das Tanzbein. Fußlahme pausieren im Café Plaza Dorrego, ein Tipp von Karen Stephan, Geschäftsführerin des Lateinamerika-Spezialisten Atambo Tours in Frankfurt.

San Telmo ist kein schickes Pflaster, sondern hat eher einen alternativen Touch. Dort leben Künstler und Bohemiens und überhaupt Menschen, die eine große Wohnung für einen nicht ganz so großen Geldbeutel suchen. Dementsprechend gibt es nette, gemütliche Cafés und Bars und kleine, individuelle Geschäfte mit allerlei Nippes sowie jede Menge Hostals, also preiswerte Unterkünfte. Rund um den Hauptplatz Plaza Dorrego haben sich – vor allem wegen der Touristen, die durch den Markt angelockt werden – einige schickere Bekleidungsgeschäfte niedergelassen, die auch mit Schuhen, Taschen und überhaupt Lederaccessoires um Kunden werben.

Palermo. Als Ausgangspunkt in Buenos Aires eignet sich auch eine Unterkunft in Palermo. Wohnen, Besichtigen, Einkaufen, Ausgehen: Hier ist alles geboten. Das Mittelschichtsviertel beherbergt einige wichtige Museen, beispielsweise das Museum für moderne Kunst. Dort befindet sich auch das Museo Evita, das zu Ehren der ehemaligen First Lady Argentiniens, María Eva Duarte de Perón, errichtet wurde. Ausgestellt sind dort neben zahlreichen Fotos und historischen Plakaten auch Kleider, Hüte und allerlei Persönliches der einstigen Präsidentengattin, die von der Arbeiterklasse verehrt wurde. »Schön gemacht, wirklich sehenswert«, urteilt Anja Mai.

Palermo viejo, also das alte Palermo, das sich noch einmal in Palermo Soho und Palermo Hollywood aufteilt, wartet zudem mit einer Fülle verschiedenster kleiner Geschäfte auf, darunter viele individuelle Läden mit besonderem Touch. Wer Spaß an flippiger, besonderer Mode und ungewöhnlichen Artikeln hat, findet in den engen Gassen ein weites Feld mit hippen und schicken Boutiquen aller Art. Nicht umsonst gilt Palermo viejo als Szeneviertel.

Auch wer nicht mehr ganz so jung und flippig ist, wird seinen Spaß haben, durch die Straßen zu bummeln. Abends ist dort ebenfalls jede Menge los. Es gibt moderne Restaurants mit Gerichten aus aller Herren Länder, und auch die Bars lohnen einen Besuch. Als Beispiel nennen Andreas M. Gross, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Lateinamerika, und der promovierte Südamerika-Spezialist Peter Teltscher, Reiseführer bei Studiosus, das Restaurant Standard mit seinem originellen Dekor irgendwo »zwischen DDR und modern cult« sowie das Restaurant Jangada mit seinen Flussfisch-Spezialitäten (Details im Kasten).

Las Cañitas / Puerto Madero. Als angesagtes Ausgehviertel gilt übrigens auch Las Cañitas mit seinen stylischen Restaurants, Bars und Clubs. Die Gegend liegt nördlich von Palermo. Hip und schick geht es auch im modernen Viertel Puerto Madero am Hafen zu. Mit Blick aufs Wasser laden hier Nobelrestaurants zu einer stilvollen Pause ein. Dort ist auch das beste Steakrestaurant der Stadt zu finden, so Karen Stephan von Atambo Tours, das Cabañas Las Lilas in der Avenida Alicia Moreau de Justo.

Recoleta. Wer in Buenos Aires Rang und Namen und  das nötige Kleingeld dazu hat, der lebt im Edelviertel Recoleta. Dementsprechend sind auch die Unterkunftspreise in dem exklusiven Viertel gehobener. In der schicken Gegend treffen Besucher auf Parks und alte Herrschaftshäuser, vor allem an der Avenida Alvear. Dass dort die Reichen und Schönen des Landes zu Hause sind, zeigt sich auch daran, dass es viele internationale, exklusive Boutiquen gibt. Auch wenn die Gegend Besuchern nicht wirklich einen Einblick in das Alltagsleben der Argentinier gewährt, so kann sie sich doch als Ausgangspunkt eignen.

Die französische Architektur der Häuser ist sehenswert, und das Viertel mit seinen Parks verfügt über ein besonderes Flair – und lädt zum Bummeln ein. Außerdem befindet sich dort auch der Cementerio de la Recoleta, der Friedhof, auf dem alle Mächtigen beerdigt sind – auch die einstige Präsidentengattin Evita. Stundenlang können Besucher zwischen den aufwändigen Begräbnisstätten umherschlendern. »Eine tolle Atmosphäre und ein absolutes Muss«, schwärmt Robert Werner von Rupert Brasil. Am Wochenende lädt vor dem Friedhof  ein Kunsthandwerkermarkt ein und im unweit gelegenen Kulturzentrum werden oft Ausstellungen und Konzerte geboten, weiß Anja Mai.

Gegenüber der Totenstadt finden Kunstliebhaber in Recoleta zudem eine erste Adresse: das Museo Nacional de Bellas Artes, das Museum der schönen Künste mit Werken beispielsweise von Monet, van Gogh und anderen Größen, außerdem auch Werke argentinischer Künstler.

La Boca. Egal, für welches Viertel sich Touristen als Ausgangspunkt entscheiden: Jede Ecke besticht durch ihren eigenen Reiz. Für Erstbesucher zählt beispielsweise ein Besuch im Arbeiterviertel La Boca zum Standardrepertoire. Die bekannteste Straße dort heißt Caminito, die mit ihren bunt angestrichenen Häusern Touristenbusse anzieht. Besucher bummeln dann durch die alten Gassen mit ihren Souvenirläden und Cafés und schauen den Tangotänzern zu, die ihre Künste auf der Straße präsentieren. Fußballfans können zudem mit einer geführten Tour – allerdings auf Spanisch – das Stadion La Bombonera besichtigen, wo die Mannschaft Boca Junior zuhause ist. Ein Blick in die Umkleidekabine offenbart, dass hier der Beistand der Madonna gesucht wird.

Zentrum. Wer in der Metropole einkaufen will, wird sich je nach Gusto sowieso in unterschiedlichen Ecken aufhalten. »Durch den starken Euro ist die Kaufkraft derzeit hoch«, sagt Dertour-Produktleiter Jörn Krausser. Und die Verlockungen sind groß. Die Haupteinkaufsmeile befindet sich im Zentrum, die Calle Florida. Sie wartet mit schier unzähligen Läden aller Art auf. Generell günstig sind übrigens Lederwaren. Unbedingt einplanen müssen Besucher einen Abstecher in die Galerías Pacificos. Das Einkaufszentrum ist eine wahre Augenweide. Die Gewölbedecken sind mit Gemälden argentinischer Muralisten verziert. Es werden auch Führungen angeboten.

Nach soviel Tagesprogramm, das sich beliebig erweitern lässt, zeigt sich, wer ausdauernd ist und noch das Nachtleben erkundet. Kommerz, Kultur, Kulinarisches und Tangotanzen bis in den Morgen: In Buenos Aires gibt es einfach alles. Da hilft nur Eines: vorschlafen.

 

 

Tango & Milongas

Einige Tangoshows sind recht kommerziell, finden aber trotzdem ihre Liebhaber. Wer es mag, dem wird beispielsweise die Show im traditionellen Café Tortoni mögen. Dort können Besucher im Anschluss dann noch einen Wein in dem stilvollen und gediegenen Café trinken.
www.cafetortoni.com.ar

Spannender ist es nach Ansicht der Autorin allerdings, eine Milonga, einen Tangotanzabend, zu besuchen – ob als Zuschauer oder Tänzer, bleibt jedem selbst überlassen.

Die Tangoszene ist schnelllebig und erschließt sich im Detail erst Eingeweihten. Wer keinen Insider kennt, kann einen Tanzscout bei Danza y Movimiento buchen (Details unter Veranstalter). Hilfreich sind außerdem zwei Informationsblätter für Tangoliebhaber mit Ankündigungen unterschiedlicher Events: El Tangauta www.eltangauta.com und
La Milonga argentina www.lamilongaargentina.com.ar

Auf jeden Fall ein guter Tipp für einen Besuch ist

Confitería ideal: eine »surreale Atmosphäre«, findet Arge-Vorsitzender Andreas M. Gross, skurriler Laden mit tollem Ambiente. www.confiteriaideal.com

Museum:
Museo Carlos Gardel im jüdischen Viertel Once, Erinnerungen an den berühmten Tangosänger, auch Veranstaltungen.
www.museocasacarlosgardel.buenosaires.gob.ar

Tangoausstatter:
Nähe der Mall Abasto Shopping in der Nähe das Teatro Carlos Gardel; kleine Läden, die alles haben, was man für den »traurigen Gedanken, den man tanzen kann« so braucht.

Veranstalter:
Danza y Movimiento Reisen bietet Reisebüros Nettopakete an (rund zehn Prozent günstiger als Preise für Endkunden), Geschäftsführer Matthias Möbius arbeitet mit Tanzscouts vor Ort, die für Kunden die aktu-elle Szene sondieren und Tanzkurse vermitteln, die dann zum lokalen Preis gebucht werden können; neben Tango seit einem Jahr alle möglichen Richtungen wie Modern Dance, Salsa, Hiphop und mehr, auch Möglichkeit Tango- und Spanischkurs zu kombinieren.
www.danzaymovimiento.de

 

Essen, Einkaufen, Radeln

Kulinarisches:
Restaurant Standard, Trendgegend Palermo, Fitz Roy 2023,
Ecke Guatemala; klassische, veredelte Porteño-Gerichte (typisch Buenos Aires).
www.standardbuenosaires.com

Restaurant Jangada, Palermo/Soho, Bonpland 1670; genial ungewöhnliches Lokal für Flussfisch-Spezialitäten aus den großen Strömen des Nordens, wie Paraná usw. Diese kommen meist vom Grill auf riesigen Platten.
http://restaurantejangada.com

Restaurant Cabañas Las Lilas.; 1995 eröffnetes Steakrestaurant in Puerto Madero, sehr beliebt, deshalb unbedingt reservieren.
www.laslilas.com/restaurant.php

Einkaufen:
Haupteinkaufsmeile Calle Florida, unbedingt das nach Pariser Vorbild erbaute Einkaufszentrum Galerías Pacifico anschauen (im Gewölbe mit Fresken von Künstlern). Es gibt zudem jede Menge Läden und Boutiquen im Viertel Palermo viejo, außerdem überall Einkaufsmalls. Edelboutiquen in Recoleta, Avenida Alvear.

Radtouren & Radverleih:
Diverse Anbieter, u.a. www.labicicletanaranja.com.ar 
mit Stationen in San Telmo und Palermo.

Reiseführer:
Für Individualisten, die Buenos Aires auf eigene Faust erkunden wollen sehr geeignet: Lonely Planet Reiseführer Argentinien von Danny Palmerlee, erschienen 2009 (auf Deutsch).
http://www.buecher.de/shop/amerika/argentinien/broschiertes-buch/products_products/detail/prod_id/26224621/

Lonely Planet Buenos Aires von Sandra Bao, erschienen 2008
(auf Englisch).

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