Thailand: Zu Besuch im Elefantenhimmel
Vom 02.05.2007: Von: Yannick FiedlerErst kommt das Bad mit dem Elefanten, dann steht jede Menge Kultur auf dem Programm, dazu ein Potpourri an Aktivitäten: Nord-Thailand ist ein abwechslungsreiches Urlaubsziel.
Schrubben ist angesagt. Rudi hält ein blaues Eimerchen und eine kleine Wurzelbürste in den Händen. »Sie mögen das«, versichert Helen. Die Australierin spricht davon, in einen Fluss zu steigen, sich zwischen den riesigen Elefanten einen Platz zu suchen, ein vergleichsweise winziges Fleckchen ihres Körpers zu massieren und dabei immer auf die eigenen Füße zu schauen.
Unschlüssig steht Rudi am Ufer des Mae Taeng. Nur wenige Meter von dem deutschen Urlauber entfernt führen Mahouts, die Elefantentreiber, ihre Schützlinge in den Fluss. Sichtbar erfreut lassen sich Elefantenbabys geräuschvoll ins Wasser plumpsen. Die älteren Tiere dagegen setzen sich einfach auf ihren Hintern. Ihre Bezugspersonen sind immer dabei. Die Männer weichen den Elefanten nicht von der Seite. »Ihr müsst vorsichtig sein, wenn ihr zu ihnen ins Wasser steigt«, sagt Helen. Die blonde Frau zeigt auf zwei junge Bullen: »Wenn sie anfangen zu toben, müsst ihr sofort herauskommen«, warnt sie ihre Gäste.
Der Elephant Nature Park liegt rund 60 Kilometer von der nordthailändischen Stadt Chiang Mai entfernt im Mae-Taeng-Distrikt. Die Thailänderin Sanguen Lek Chailert schuf die Auffangstation für kranke und misshandelte Elefanten Ende der neunziger Jahre. 30 Dickhäuter aus ganz Thailand sind heute hier zu Hause. Sie leben abwechselnd auf dem Gelände am Fluss oder tief im Dschungel in den Bergen, im »Elephants Heaven«. Im Gegensatz zu vielen anderen Camps – Elefantentrekking ist eine der Hauptattraktionen in Nordthailand – reiten Touristen die Tiere hier nicht. Sie bekommen von ihnen auch keine Zirkusvorstellung geboten. Wer im Stadtbüro in Chiang Mai eine Tagestour in den Park bucht, kommt vormittags an, pünktlich zur Fütterung der mächtigen Tiere. Dann schlängeln sich ihre langen Rüssel bereits ungeduldig durch die Balustrade der Veranda und entwinden entzückten Touristen Ananas und Bananen aus ihren Händen. Bevor gegen Mittag die Badesause auf dem Programm steht, verflüchtigt sich die gute Laune der Gäste für ein Weilchen, wenn Führerin Helen vom traurigen Schicksal der Bewohner erzählt und davon wie Eigentümerin Lek versucht, den Tieren zu helfen und die Einheimischen für Elefanten in Not zu sensibilisieren. Lek greift, um ihr Anliegen zu finanzieren, auf die Hilfe ausländischer Gäste zurück. Denn neben Tagesausflügen bietet die Thailänderin auch mehrtägige Touren inklusive Übernachtung auf dem Gelände sowie längere Aufenthalte an. Urlauber, die bis zu zwei Wochen oder länger bleiben, werden sogar in das Tagesgeschehen eingespannt.
Auf ins Goldene Dreieck. Viele Touristen nutzen Chiang Mai als Sprungbrett, um den äußersten Nordwesten Thailands kennenzulernen. Ihre Reise führt sie dann über Chiang Rai hoch in den Norden. Sie wollen ins »Goldene Dreieck«, in die saftig grüne Region zwischen Laos, Myanmar und Thailand. Im Mittelpunkt ihres Interesses stehen dabei meist auch die Bergstämme der Region. Tausende von Touristen strömen Jahr für Jahr in die Dörfer dieser Gemeinschaften. Die bekanntesten heißen Lisu, Akha, Lahu und Meo. Berühmt sind auch die Langhals-Frauen des Padaung-Stammes. Die örtliche Tourismusindustrie hat sich bestens auf die Klientel eingestellt. An jeder Ecke preisen die Anbieter ihre Pakete an. Sie werben mit Trekkingtouren jeglicher Länge. Je nach Gusto und Fitnessgrad wählen Urlauber als Beförderungsmittel das Fahrrad, einen Jeep, ein Bambusfloß, einen Elefanten oder ganz einfach die Füße. Um das Programm abzurunden, entscheiden sich viele, im Anschluss an eine Tour an einem Kochkurs teilzunehmen.
Die meisten Veranstalter haben diese Region im Programm, entweder als Teil einer großen Rundreise oder als alleiniges Ziel. Sie offerieren ein- und mehrtägige Ausflüge, die die Höhepunkte der Region abdecken, viele davon ab Chiang Mai. Dazu gibt es ein umfassendes Hotelportfolio. Vom Guesthouse bis zum Boutiquehotel und Luxusresort ist alles zu finden. Wer sich ein wenig abseits der Hauptstrecken bewegen möchte, blättert am besten in den Katalogen der Spezialisten. So lässt etwa Geoplan seine Gäste in einer Lodge übernachten, die von dem Lisu-Stamm betrieben wird, Lotus Travel quartiert Besucher in Joy‘s House ein. Die Eigentümerin kümmert sich dort unter anderem um Aidswaisen und andere hilfsbedürftige Kinder.
Chiang Mai als Basis. Auch für Touristen, die einen Badeurlaub im Süden des Landes planen, lohnt ein Abstecher in diese nördliche Provinz. Wer Chiang Mai, die »Rose des Nordens«, als Basis wählt, kann sich von dort aus einen Eindruck über die Region verschaffen. Im alten Stadtkern gibt es eine Vielzahl von Hotels. Empfehlenswert ist beispielsweise das Tamarind Village. Die ehemalige Tamarinden-Plantage, die im einheimischen Lanna-Stil erbaut wurde, ist in diesem Jahr frisch renoviert worden. Die kleine Anlage ist eine Oase der Ruhe und ein idealer Ort, um nach einem Ausflug zu entspannen oder dem Gewusel der quirligen Millionenstadt zu entfliehen. Auch im Hotel sind Trips in die Umgebung buchbar. Das Personal besorgt Individualisten, die die Umgebung auf eigene Faust kennen lernen möchten, aber auch ein Taxi.


