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Tunesien - Djerba: Verwöhnte Mittelmeerinsel

Vom 25.06.08: | Simone Spohr

Mit mehr als 300 Sonnentagen und feinsandigen Stränden punktet Djerba bisher vor allem bei Familien. Doch das Wellness- und Golfangebot zieht neue Zielgruppen an.


Blau, weiß, gelb, grün – so einfach lassen sich die Eindrücke beschreiben, die Djerba in der Erinnerung hinterlässt. In kräftigem Blau leuchten Meer und Himmel, schneeweiß reflektieren die Kuppeln der Häuser das Sonnenlicht, das zugleich die kilometerlangen Sandstrände ockerfarben strahlen lässt. Einen kräftigen sattgrünen Akzent setzen unzählige Dattelpalmen, die sich in der Meeresbrise wiegen, und viele Olivenbäume.

An diesem Morgen geht es in der Inselhauptstadt Houmt Souk wie gewöhnlich gemächlich zu. An den Marktständen präsentieren Händler ihre Waren. Während der Gewürzverkäufer noch einmal die kleinen Hügel aus Paprika- und Currypulver glättet, stapelt sein Nachbar Berge rotglänzender Tomaten neben Gurken, der Teppichhändler drapiert derweil die bunten Rechtecke möglichst dekorativ. In den Cafés sitzen Einheimische und Touristen bei Kaffee oder Pfefferminztee.

An der Stelle von Houmt Souk gründeten schon die Römer eine Siedlung, mehrere alte Karawansereien zeugen zudem von der langen Handelstradition, die auf der tunesischen Insel herrscht. Die Fremden- und die Türkenmoschee sowie die Zaouia Sidi Brahim, den Stammsitz einer religiösen Bruderschaft in Houmt Souk, können Nicht-Muslime nur von außen besichtigen. Die Zaouia Sidi Zitouni im Norden der Stadt hingegen beherbergt das Volkskundemuseum und gibt einen guten Einblick in Bräuche und Kunsthandwerk. Tradition und Kunstfertigkeit findet man auch bei einem Ausflug in den Süden in das Töpferdorf Guellala, wo vor allem unglasierte Tonware angeboten wird. Die Synagoge La Ghibra in Erriadh, dem jüdischen Viertel Djerbas, ist für die Juden Nord­afrikas ein wichtiger Wallfahrtsort.

Doch es sind vor allem die feinsandigen Strände, die bisher Djerba-Urlauber anlocken. Allein zwischen Sidi Mahrez und La Séguia erstrecken sich an der Ostküste mehr als 15 Kilometer Sandstrand. Ab und zu durch idyllische Felsbuchten unterbrochen, bieten sich hier viele Möglichkeiten für Wassersport und Funsportarten. Durch die beständigen, meist moderaten Winde und zwei Lagunen ist Djerba auch für Kitesurfer ideal. Und die flachen hellen Strände laden nicht nur zu stundenlangen Strandspaziergängen ein, sondern auch dazu, sie schaukelnd auf einem Dromedar oder Pferderücken zu erkunden. Einsamere Strandabschnitte finden Besucher eher an der Westküste der Insel, wo eine Pistenstraße am Meer entlang führt.

Nur einige Kilometer von Sidi Mahrez beziehungsweise La Séguia entfernt liegt das quirlige Midoun, die zweitgrößte Stadt Djerbas. Westlich von Midoun trifft man im Sommer in Ajim die Schwammtaucher. Auch eine Bootstour zu den Flamingo-Inseln ist ein Erlebnis. Im Winter nisten hier unzählige der scheuen langbeinigen Vögel und überziehen das kleine Eiland mit rosafarbenen Tupfen. In den warmen Monaten eignet sich die Gegend zum Picknicken, mit etwas Glück lassen sich sogar Delfine beobachten.

Die meisten Ferienhotels befinden sich am breiten Nordküstenstrand zwischen Houmt Souk und Midoun. Künftig soll auch der Osten und Süden touristisch stärker entwickelt werden. Auf rund 370 Hektar Fläche soll mit Lella Hadria eine neue Ferienregion entstehen. Entlang der Strände und Lagunen, wo in den 1960er Jahren der internationale Tourismus auf Djerba begann, sind in den nächsten Jahren 6.500 neue Betten geplant, und neben Apartments auch zwei Vier- und Fünf-Sterne Hotels mit 400 bis 650 Betten. Außerdem sollen in Lella Hadria ein Hafen und ein 18-Loch-Golfplatz angelegt werden. Bislang fehlen allerdings noch einige Investoren; bevor die gefunden sind, kann nicht mit dem Bau begonnen werden.

Wegen der flach abfallenden Strände und der ausgeprägten Kinderfreundlichkeit kommen bislang vor allem Familien nach Djerba. Doch ähnlich wie das tunesische Festland setzt auch die Insel verstärkt auf ein Angebot für andere Besuchergruppen. Besonders alles rund um Wellness wächst stark. Das Spektrum reicht von Thalasso-Anwendungen, über Massagen und Packungen mit Meerwasser, Algen und Schlamm bis zu Dampfbädern in orientalischen Hamams.

Auf der südlichsten Mittelmeerinsel erreichen die Temperaturen – außer in einigen Wochen im Dezember und Januar – fast immer 20 Grad. »Durch das sehr milde Klima eignet sich Djerba gut als Ganzjahresziel«, sagt Claudia Wagner, Geschäftsführerin von Fit Reisen. Wellness- und Gesundheitsreisende fänden auch im Winter gute Bedingungen zur Erholung, viele der Hotels mit ihren Thalasso- und Spazentren überzeugen die Fit-Reisen-Chefin. Ein Manko sei bislang aber die Infrastruktur. »Im Winter sind zu wenige der Geschäfte geöffnet«, so Wagner, »für Langzeiturlauber gibt es noch nicht genügend Abwechslung.«

Im Hochsommer, wenn die Temperaturen tagsüber auch über  40 Grad Celsius klettern, ist auf Djerba vor allem die Zeit der Franzosen, Italiener und Tunesier. Im Spätherbst sind die Temperaturen noch sehr angenehm und einige Runden Golf lassen sich gut mit einem Strandurlaub kombinieren. Der Golfplatz der Insel besteht aus dreimal neun Löchern. Durch die ebene Landschaft – der höchste Punkt der Insel erreicht gerade mal 55 Meter – gibt es keine spektakulären Schläge über Klippen. Doch als Baustein eines Wohlfühlurlaubs eignet sich Golf auf Djerba schon wegen des guten Preis-Leistungsverhältnisses.

Qualitätsverbesserung – so die Zielvorgabe von Tourismusminister Khelil Lajimi für alle touristischen Bereiche. Das gilt auch für Djerba. Bereits im Jahr 2005 startete die tunesische Regierung mit der Qualitätsoffensive Mise à Niveau. Ihr Ziel ist es, Unterkünfte, aber auch Dienstleistungs- und Serviceeinsatz des Personals zu verbessern.

Ein mehrere Kilometer langer Damm aus der Römerzeit führt von der Insel aufs Festland nach Zarzis. Da in der Struktur sehr ähnlich, bieten Hoteliers und Reiseveranstalter Zarzis und Djerba meist als eine Zielregion an. In Zarzis eröffnete gerade das Vier-Sterne Iberostar Safira Palms. »Die tollen Strände sind ideal zum Erholen, und die Region ist ein guter Ausgangspunkt, um Südtunesien kennen zu lernen«, begründet Heike Genschow von Iberostar die Wahl. Das All-inclusive-Hotel, direkt am Strand von Zarzis, bietet Familienzimmer, ein Freizeitangebot von Aerobic bis Wassersport, Babysitter-Service, Kinderbecken und Miniclub. Auch Bettina Heinz, Chef­einkäuferin für Tunesien bei Neckermann, ist vom Potenzial Djerbas überzeugt. »Das umfangreiche Wellness- und Thalasso-Angebot und die hervorragenden Golfmöglichkeiten sprechen vor allem Paare an«, urteilt sie. Für die kommende Saison will Neckermann daher das Angebot ausbauen und das neue Safira Palms auch für den Winter im Programm lassen.

 

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