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Spanien - Mallorca: Insel der tausend Facetten

Vom 26.05.08:

Touristiker erzählen, was für sie persönlich Mallorca so liebenswert macht – und verraten ihre Geheimtipps. Einige haben sich deshalb für ein Leben auf der Urlaubsinsel entschieden.


Frank Mittelbach erinnert sich noch genau, wie er das erste Mal vor 18 Jahren für einen Einsatz als Wikinger-Reiseleiter nach Mallorca kam. »Ich wollte gar nicht so recht, denn ich hatte ein völlig verkorkstes Bild im Kopf«. Angesichts der Schönheit der Insel änderte sich das schlagartig. »Ich konnte es nicht glauben«, sagt der 49-Jährige, »mit offenem Mund bin ich durch die Landschaft gelaufen«. Von Anfang an habe ihn Mallorca in seinen Bann geschlagen: »Das war Liebe auf den ersten Blick.«

Leben, wo andere Urlaub machen. Weil ihn Natur und Landschaften  so faszinierten, verließ er schließlich sogar seine Wahlheimat im französischen Aix-en-Provence und zog nach Mallorca, wo er bis heute lebt – mittlerweile seit zwölf Jahren. »Eine Entscheidung, die ich nie bereut habe.« Damit reiht sich Mittelbach in die große Zahl deutscher Residenten auf Mallorca ein. 29.540 sind offiziell gemeldet, doch die Zahl liegt weitaus höher. 50.000 bis 60.000 sind es derzeit, schätzt Wolfgang Wiesner, deutscher Konsul auf Mallorca. Damit stellen Deutsche die größte Gruppe unter den Wahlmallorquinern.

Die einen suchen das warme Wetter, andere schätzen die Natur- und Kulturschönheiten, wieder andere vor allem die gute Infrastruktur mit Restaurants, Geschäften, Ärzten – und die Tatsache, dass Mallorca durch die vielen Flugverbindungen so gut an die Heimat angebunden ist. Und es sind nicht nur Rentner, die sich für das Leben unter der Sonne entschieden haben, sondern auch Menschen wie Mittelbach, die dort arbeiten. Der studierte Kunsthistoriker und Philosoph vertritt Wikinger-Reisen auf Mallorca als Ein-Mann-Agentur, führt aber auch nach wie vor selbst Touren.

Klar, dass unter den Wahlmallorquinern noch mehr Touristiker sind. So beispielsweise Heike Genschow, Marketingdirektorin bei Iberostar. Seit 1973 lebt sie auf der Baleareninsel – in Binissalem, der Hauptstadt des Weins. Wer Genschow nach ihren Lieblingsecken fragt, den verweist sie auf die Schönheit eben dieser Region. So lohne unbedingt ein Besuch des Bauernmarkts in Santa María del Camí, der sonntags auf der Plaça Nova nördlich der Kirche aufgebaut wird. Beschaulich und ländlich gehe es dort zu. »Die Mallorquiner gehen selbst gerne dorthin«, sagt sie und empfiehlt einen Besuch am Morgen, »am besten nicht später als zehn Uhr, bevor es richtig voll wird«.

Und wer im Herbst in der letzten Septemberwoche auf Mallorca unterwegs sei, der solle unbedingt das Weinfest in Binissalem besuchen, am besten am letzten Wochenende im Monat. Freitags stellen die Bewohner Tische und Stühle auf die Straße und essen  zu Abend – eine besondere Stimmung. Urlauber, die sich das Treiben anschauen und dann im Restaurant essen wollen, müssten unbedingt einen Tisch reservieren, so Genschows Tipp. Und dann natürlich Fideus del Mar probieren, den typischen Winzernudeleintopf mit Lamm.

Auch Michael Blum kennt die vielen Facetten von Mallorca. Der 42-Jährige lebte rund zehn Jahre dort und lernte nicht zuletzt durch seinen Job seine Wahlheimat so genau kennen wie wenige andere. Bis zum Jahr 2005 war Blum nämlich stellvertretender Chefredakteur der »Mallorca Zeitung«, einer deutschsprachigen Insel-Gazette. Außerdem arbeitete er als Geschäftsführer des Radreiseveranstalters Philipp’s Bike Team. Erst Ende vergangenen Jahres verließ er Mallorca, um in Hannover bei TUI Deutschland als Leiter der Presseabteilung anzuheuern. Über das Wetter wolle er nun zwei Jahre nicht reden, sagt der Neu-Hannoveraner und lacht.

Der begeisterte Radsportler legt Gleichgesinnten die Küstenstraße M10 durch das Tramuntanagebirge ans Herz, »eine der schönsten Strecken der Welt«. Überhaupt ist die Insel vor allem im Frühjahr und Herbst für Aktivurlauber eine erste Adresse. Wer mit Mallorca hauptsächlich Ballermann und Partyvolk assoziiert, wird sich wundern, wie beschaulich es vielerorts zugeht. So begeistert sich Wikinger-Guide Mittelbach immer wieder aufs Neue für die Wanderung um den Puig Roig, »meine Lieblingsbergtour«. Diese vom Kloster Lluc ausgehende rund sechs Stunden dauernde Tour ist nur sonntags möglich (dann erlaubt der Grundeigentümer, die mallorquinische Bankier-Familie March, den Durchgang) und für geübte Wanderer ein Genuss. Wer nicht so gut zu Fuß ist, kann im Norden den leichten Aufstieg von nur 40 Minuten auf den Hausberg von Pollença ausprobieren, den Puig Maria mit seinem verschlafenen Kloster. Oben würden Ausflügler mit einem umwerfenden Blick auf die Bucht von Pollença belohnt, schwärmt Mittelbach. Im Südwesten sollten Urlauber in Estellencs (Foto Seite 30) zudem nicht den Spaziergang von rund 50 Minuten hinunter in den Hafen versäumen. Wer weniger gehen, dafür mehr sonnenbaden will und einen ruhigen Strand sucht, den schickt TUI-Mann Blum mit dem Auto bis zum Leuchtturm Ses Salines. Von dort dauert es rund eine halbe Stunde zu Fuß Richtung Westen am Meer entlang bis zum Platja d’ es Caragol.

Um den anschließenden Hunger zu stillen, kann man  auf dem Rückweg in der Tapasbar Manolo in Ses Salines einkehren, ein Tipp von Sabine Bartsch, Leiterin Balearen bei TUI. Dort ist einmal im Jahr sogar der spanische König Juan Carlos zu Gast. Generell sind Genießer auf der Insel gut aufgehoben. Denn gute Restaurants aller Stilrichtungen gibt es dort überall – von ursprünglich bäuerlich-derb geprägten mallorquinischen Gerichten bis hin zu Fusions- und Edelküche. Riu-Managerin Claudia Schunk, die seit acht Jahren auf Mallorca lebt, empfiehlt Fisch- und Meeresfrüchteliebhabern das Casa Fernando in Coll d’ en Rabassa. Hervorragenden frisch gefangenen Fisch gebe es zudem bei Ca’n Andreu, Es Sibarita in der Nähe des Ballermanns. Iberostar-Direktorin Genschow nennt als Geheimtipp das Santi Taura im Dorf Lloseta, 25 Kilometer von Palma entfernt. Dort koche ein junger Küchenchef jeden Abend ein erstklassiges Menü moderner, pfiffiger Inselküche. Eine Speisekarte gibt es nicht; wer kommt, isst das ange­botene Fünf-Gänge-Menü. »Mallorquiner reservieren Monate im Voraus«, weiß Genschow, die übrigens mit einem Mallorquiner verheiratet ist. »Ein Tipp für Gourmets, aber bezahlbar«, findet auch Wikinger-Mann Mittelbach.

Als »super Tapa-Lokal« empfiehlt Ibero-Tours-Produktmanagerin Feli Schulte das Sa Plaça in S’Alqueiría Blanca – einem kleinen Ort zwischen Santanyi und Cala d’Or. Und wer typisch mallor­quinisch und lecker zubereitetes Fleisch essen will, sollte einen Abstecher zum Ca’n Pau Jaques bei Son Carrió (immer den Schildern vom Friedhof rechts ab über den Feldweg folgen) in der Nähe von Portocristo einplanen – solange es das Restaurant noch gibt, denn die Betreiber wollen verkaufen. »Haute cuisine« serviert das Es Refectori im Hotel Convent de la Missio in Palma – ein Tipp von TUI-Mann Blum.

Das Inseflair lässt sich nicht nur bei einem guten Essen, sondern auch in den vielen Clubs, Cafés und Bars genießen. Ines Urach aus Klagenfurt, Gästebetreuerin im Robinson Club Cala Serena und seit zwei Monaten auf Mallorca, liebt es, im bekannten Grand Café Cappuccino in Palma einzukehren und auf der Rückfahrt  im Fischerdorf Cala Figuera zu stoppen, um den Künstlern beim Malen zuzuschauen. Clubdirektor Klaus Augustin, der seit rund vier Jahren auf der Insel lebt, mag die vielen kleinen Bars und Restaurants in Porto Colom. Riu-Frau Schunk empfiehlt Clubgängern als Alternative zum edlen Puro Beach Club bei Palma das Peñon in Coll d’ en Rabassa, und Nils Lübbe, Produktdirektor Balearen bei der Rewe Pauschaltouristik, sitzt bei Sonnenuntergang am liebsten im Moodbeach, eine erst im vergangenen Jahr eröffnete Beachbar nebst Restaurant ganz in der Nähe des Freizeitparks Marineland in Puerto Portals, dem Luxushafen rund eine Autoviertelstunde von Palma entfernt: »Schöner kann für mich ein Tag auf Mallorca nicht zu Ende gehen.« 

Tanja Ronge

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