Die Website für REISEPROFIS
Bookmark: FolkdLinkaARENAMister WongWebnewsYiggIt

Südafrika - Limpopo: Unbekannter Norden

Vom 28.05.08: | Petra Hirschel

Limpopo fristet zu Unrecht ein Schattendasein. Denn Südafrikas nördlichste Provinz bietet Besuchern sowohl afrikanische Kultur als auch eine aufregende Natur.


Kevin Johnston begreift nicht gleich, was da im Dunkeln auf der Straße liegt. Erst als er zum zweiten Mal den Handschweinwerfer über das Tier streifen lässt, sieht er, dass sich auf dem warmen Asphalt ein Leopard genüsslich rekelt. Fasziniert beobachtet er im Licht der Leuchte die Raubkatze. Und auch seine fünf Begleiter, die hinter ihm im offenen Geländewagen sitzen, greifen zum Fernglas. Als der Leopard dann im Gebüsch verschwindet und kurz darauf ein Honigdachs über die Straße läuft, kann die Gruppe ihr Glück kaum fassen. Zwei so seltene Tiere zu Gesicht bekommen, ist schließlich alles andere als selbstverständlich.

Bereits seit einigen Stunden steuert Johnston den Wagen auf abgelegenen Wegen durch den Norden des Krüger Nationalparks. Der Guide zeigt seinen Schützlingen, Urlaubern aus Deutschland, dabei Flecken, die nur wenige Touristen sehen – wie etwa die grüne Senke, in der eine riesige Büffelherde grast, oder den im dichten Wald versteckten Limpopo, der Fluss, der die Grenze zu Simbabwe bildet und auf dessen Sandbänken Krokodile ruhen. Der gesamte Norden des bekanntesten Nationalparks Südafrikas zählt zu den weniger besuchten Regionen des Naturschutzgebietes. Hier wälzen sich keine Kolonnen von Autos und Bussen durch den Busch – vor allem nicht nahe der Landesgrenze.

Bei den Makuleke. Lediglich eine asphaltierte Straße führt durch die Region, nur hin und wieder zweigen unbefestigte Wege rechts und links ab. Im äußersten Norden aber dürfen ausschließlich Leute wie Johnston die Pisten benutzen. Denn hier gelten andere Regeln. Das 24.000 Hektar große Gebiet zwischen den Flüssen Luvuvhu und Limpopo ist zwar Teil des Krüger Nationalparks, gehört inzwischen aber wieder den Makuleke und ist sozusagen in privater Hand. Der Stamm lebte rund 140 Jahre nahe Simbabwes – bis 1969, als das Apartheid-Regime den Grenzstreifen zum Militärgebiet erklärte und die Makuleke kurzerhand umsiedelte.

Erst vor zehn Jahren erhielten sie ihr Land zurück und fällten damals eine weise Entscheidung: Statt ihr altes Dorf wieder aufzubauen, beschlossen sie, ihren Besitz touristisch zu nutzen. So entstanden zwei Lodges. Betreiber ist jedoch nicht der Stamm selbst. Dafür fehlen sowohl die finanziellen Mittel als auch die Erfahrung. Vielmehr kooperieren die Makuleke mit Investoren aus der Hotellerie. Sie handelten mit ihnen Verträge aus, die das Volk zum Nutznießer der Unterkünfte macht. »Die Angestellten müssen Stammesmitglieder sein und von den Betreibern ausgebildet werden«, erzählt Thomas Ndobe. Der junge Makuleke arbeitet in The Outpost, einer der beiden Lodges, als rechte Hand von Guide und Hotelmanager Johnston, einem Buren. Acht Prozent der Einnahmen aus dem Tourismus fließen in die Kassen des Stamms. »So konnten wir in unseren Dörfern Strom verlegen und Schulen bauen«, sagt Ndobe. Und nach 30 Jahren treten die Lodge-Betreiber die Häuser an die Makuleke ab.

Thomas Ndobe begrüßt seine Gäste herzlich. Viele sind es nicht: In The Outpost kommen höchstens 24 Urlauber unter. Und in der zweiten Lodge, Pafuri Camp, wohnen nie mehr als 48 Besucher. Frühmorgens, nachmittags und abends gehen sie in kleinen Gruppen auf Safari. Manchmal begegnen sie sich dabei, ansonsten aber gehört ihnen der Busch hier allein, da Nicht-Lodge-Bewohner abseits der befestigten Straße nichts verloren haben.

Alle paar Wochen fahren Ndobe und seine Kollegen nach Hause. Mit höchstens 50 Stundenkilometern geht es dann durch den Park gen Süden, an Elefanten, Giraffen und Zebras vorbei. Nach rund 80 Kilometern verlassen sie das Naturschutzgebiet und befinden sich im ehemaligen Homeland des Volkes der Venda, seit 39 Jahren auch Heimat der Makuleke. Manchmal sehen sie dann vielleicht die wenigen Touristen, die dort unterwegs sind.

Besuch bei den Vendas. Weiße, türkis und orange gestrichene Rundhäuser liegen verstreut in der hügeligen Landschaft, am Straßenrand preisen Frauen in bunter Kleidung an Ständen Papayas, Mangos und Makadamia-Nüsse an. Es ist das andere Gesicht Afrikas – neben der aufregenden Natur im benachbarten Park. Abel Baloyi zeigt es Gästen, die nicht nur Tiere beobachten, sondern auch die Kultur Limpopos, der nördlichsten Provinz Südafrikas kennenlernen wollen. Der 29-Jährige führt Besucher durch das Umland des Städtchens Thohoyandou. Er ist selbst Venda und arbeitet für Kuvona Cultural Tours, eine kleine Incoming-Agentur, die für ihren sozialverträglichen Tourismus mit dem To-Do-Preis 2005 des Studienkreises für Tourismus und Entwicklung ausgezeichnet wurde.

Baloyi bringt seine Gäste an diesem Tag erst zu einer kleinen Frauenkooperative, die Teppiche webt, später auf einen Markt und schließlich zu Sarah Munyai. Die fast 90-jährige Frau sitzt mit Kolleginnen auf dem Boden vor einem Rundhaus und töpfert. Flugs haben ihre Hände aus Ton einen Topf geformt, sie erzählt und lacht dabei, wackelt mit ihrer Zunge hin und her und stößt gleichzeitig einen lang anhaltenden Ton aus – die typische Begrüßung der Venda. Man sieht es ihr nicht an, aber Sarah Munyai ist eine der bedeutendsten Töpferinnen Südafrikas.

Bei einer anderen Sarah, der Großmutter Baloyis, essen die Besucher zu Mittag. Die Familie bewirtet sie in einem Rundhaus mit typisch afrikanischen Speisen: Polenta, Spinat, Hühnchen. Abel Baloyi kaut genüsslich einen »Mopane-Wurm«. Er grinst, als nur zwei seiner Gäste es wagen, die gekochten Raupen eines Nachfalters auch zu probieren, die für die einen wie Pilze, für andere wie Grünkohl schmeckt.

Zwei Nachbarinnen in traditioneller Kleidung gesellen sich hinzu. Bald sind auch sämtliche Kinder aus der Straße im Hof versammelt. Drei Jungen rappen für die Besucher aus Deutschland zu fetziger Musik. Schließlich fordern Abel Baloyi und sein Bruder ihre Gäste zum Tanz auf. Und ein Junge im Affenkostüm wackelt zur Freude aller lustig mit dem Po.

Keine Einträge

Keine Einträge im Gästebuch gefunden.

Ins Gästebuch eintragen
CAPTCHA Bild zum Spamschutz 
* Ich bin mit einer Veröffentlichung einverstanden
NEWS | Umfrage

Trendmesser

Führende Reiseveranstalter rechnen für 2009 trotz der schlechten gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit guten Geschäften. Werden sie Recht behalten?
Ja, die Kunden werden an anderen Dingen sparen als am Urlaub
Ja, aber die Kunden werden kurzfristiger buchen
Ja, aber die Kunden werden auf billigere Reiseziele ausweichen, um zu sparen
Teils, teils - der Haupturlaub bleibt unberührt, aber am Zweit- und Dritturlaub wird gespart
Nein, die Finanzkrise wird voll auf die Touristik durchschlagen


Kommentar schreiben

ON TOUR | Blog

Japan-Scout

2008-09-08 10:26:57 Wieder zurück: Modellbau und Gänsehaut
Werte "Mitreisende"! :-( Nun sind wir wieder zurück und hinter mit türmt sich ein Modell des Fuji-san, gebaut aus schmutziger Wäsche, auf. Bevor ich mich daran mache, hier den Männerhaushalt
...mehr

Kommentar schreiben
WISSEN | Reiseziele

Farbenfrohes Naturziel

Mit mehr als 10.000 Pflanzenarten und alleine 205 verschiedenen Säugetieren gehört Costa Rica zu den artenreichsten Ländern der Welt. mehr


EU Fluggastrechte jetzt kostenlos downloaden

TRAVEL ONE Downloads: Nützliche Dokumente für den Verkaufsalltag herunterladen, aufheben, ausdrucken und beim Kunden punkten.

Alle TRAVEL ONE Downloads ansehen

KIOSK | TRAVEL ONE

Ausgabe 22/2008

Soziales Engagement. Über die Möglichkeiten im Urlaub an Volunteer Projekten mitzuwirken.

Luxusreisen. Nachhaltigkeit, Authentizität und Naturerlebnisse spielen im Fünf-Sterne-Segment eine zunehmend wichtige Rolle.

DRV-Jahrestagung. Veranstalter schauen optimistisch in die Zukunft.

Jetzt KOSTENLOS online lesen

PDF-Version zum Download und zum Drucken
Flash-Version zum Blättern mit Volltextsuche
TRAVEL ONE Archiv