Frankreich - Périgord: Kulturelle Schlemmerei
Vom 11.06.08: | Petra HirschelDas Périgord verführt vor allem Feinschmecker. Doch die Region im Südwesten Frankreichs verzaubert auch Liebhaber mittelalterlicher Städtchen und malerischer Flusslandschaften
Vegetarier haben hier keine Chance. Gänseleber, die berühmte Foie gras, und eingelegte Ente, also Confit de Canard, gehören in Sarlat zu jedem Menü dazu. Fast alle Besucher des Städtchens im Périgord probieren in einem der zahlreichen Restaurants die beiden Spezialitäten. Und meist nehmen sie die Delikatessen danach in Dosen und Gläsern mit nach Hause. Denn wer in den Südwesten Frankreichs fährt, wird spätestens dort zum Feinschmecker. Die Region im Norden Aquitaniens genießt weltweit den Ruf als Mekka für Gourmets. Neben dem Elsass ist sie Frankreichs Hauptproduzent der Fettleber. Und in den Steineichenwäldern suchen Schweine nach dem schwarzen Gold, dem Périgord-Trüffel.
Gut erhaltene Altstädte. Doch bei all der Schlemmerei: Das Périgord bietet weit mehr als nur gutes Essen und ist somit auch ein attraktives Urlaubsziel für diejenigen, die wenig Wert auf gehobene Küche legen oder aus Gründen des Tierschutzes keine Foie gras mögen (das Stopfen der Gänse ist umstritten, wird in Deutschland als Tierquälerei angesehen und ist verboten). Die Region weist eine hohe Dichte an mittelalterlichen Städtchen, malerischen Dörfern, Schlössern und Burgen auf. Sarlat beispielsweise, die Perle des Périgord, zählt zu den schönsten Orten Frankreichs. Die historische Altstadt bildet mit ihren Gebäuden aus verschiedenen Epochen ein in sich geschlossenes Ensemble. Jährlich zieht sie fast eine Million Touristen an. In Scharen bummeln sie durch die verwinkelten Gassen. Den natürlichen Charme hat Sarlat trotzdem nicht verloren. Besonders an warmen Sommerabenden, wenn die untergehende Sonne die prachtvollen Fassaden in ein warmes Licht taucht und vor den Restaurants etliche Gäste sitzen, strahlt die Stadt ein ganz besonderes Flair aus.
Anders ist das im nahen Domme: Der kleine Ort thront auf einem Felsen hoch über der Dordogne, so dass man von der einstigen Befestigungsanlage aus auf das Flusstal und die hügelige Landschaft blickt. Das Panorama begeistert und lässt Touristen wie Heuschrecken einfallen – verbunden mit allen negativen Begleiterscheinungen.
An der Dordogne, vor allem zwischen Domme und dem weiter westlich gelegenen Trémolat, reiht sich eine Burg an die andere. Dörfer schmiegen sich oberhalb des Flusses an den Hang, manche, wie La Roque-Gageac, kleben gar an Felswänden. Nicht weniger reizvoll ist eine andere Flusslandschaft: Südlich der Dordogne schlängelt sich der Lot von Ost nach West. Er hat sich wie alle Flüsse dieser Gegend tief in den Kalkstein gefressen und für teils steile Felsabbrüche gesorgt. An den Ufern des Lot befinden sich kleine, hübsche Orte. Zu den reizvollsten zählt St-Cirque-Lapopie. Das Dorf liegt hoch über dem Lot. Die Häuser drängen sich aneinander, die Dächer sind krumm und schief – so stellt man sich ein verwunschenes Märchendorf vor. Unten im flachen Fluss baden im Sommer Urlauber, Hausboote legen an.
Prähistorische Höhlenmalerei. Von St-Cirque-Lapopie ist es nicht weit nach Pech-Merle, zu einer der vielen Höhlen im Périgord. Vor rund 20.000 Jahren verewigten sich Menschen unter der Erde: Sie zeichneten Mammuts, Bisons und Bären auf den Fels. Die Besucher staunen vor allem über das kunstvolles Pferdefries, das zwei Tiere in Lebensgröße und mehrere Handabdrücke zeigt. In Gruppen eingeteilt gehen die Touristen 1.200 Meter durch das Höhlensystem. Höchstens 700 Neugierige dürfen täglich unter die Erde, denn der Atem beschädigt die prähistorischen Kunstwerke.
Die Höhle von Lascaux bei Montignac, nördlich von Sarlat, wurde aus diesem Grund bereits 1963 geschlossen. Besucher der berühmtesten Grotte des Périgord besichtigen eine Nachbildung der Höhle und der zahlreichen farbigen Tierdarstellungen.
Wer sich dann noch eingehender mit der Frühgeschichte beschäftigen will, fährt von Lascaux Richtung Südwesten an der Vezère entlang. An dem Nebenfluss der Dordogne gibt es etliche Höhlen. Und in Les Eyzies treffen Besucher auf ein Museum der Urgeschichte; es soll die weltweit umfangreichste Sammlung prähistorischer Funde beherbergen.Erlesene Weine. Eine komplett andere Sehenswürdigkeit erwartet Besucher weiter westlich an der Dordogne: Oberhalb von Bergerac liegt inmitten von Weinbergen das Château Monbazillac. Das Schloss mit seinen wuchtigen Rundtürmen aus dem 16. Jahrhundert gehört einer Winzerei-Genossenschaft. Ihr Produkt, der Montbazillac-Wein, bringt Urlauber in erster Linie hierher. Sie probieren den süßen Wein – und nehmen auch die eine oder andere Flasche mit. Der Monbazillac gehört schließlich zu Foie gras. Sie zu essen und den Süßwein wegzulassen – für Feinschmecker undenkbar.


