Erlebnisurlaub in der Karibik
Vom 16.09.2008: Von: Tanja RongeDie Dominikanische Republik versucht schon länger, Reisende für Erkundungen und Rundreisen auf der Insel zu motivieren. Doch in den Veranstalterprogrammen spiegelt sich das bislang kaum wider.
Weiße, lange Sandstrände, Palmen, Sonne und Alles-inklusive-Anlagen. Das ist wahrscheinlich das Bild, das die meisten Urlauber im Kopf haben, wenn sie an Ferien in der Dominikanischen Republik denken. Dabei müht sich das Fremdenverkehrsamt in Deutschland unter der Leitung von Petra Cruz schon seit Jahren, die Reize der Karibikinsel einem differenzierteren Publikum schmackhaft zu machen – und führt dabei etwa den von der Unesco geschützten Altstadtkern von Santo Domingo, die Naturidylle in den Nationalparks und das alpine Flair des gebirgigen Landesinneren an. Doch im Gegensatz zu Kuba und Jamaika erkunden in der Dominikanischen Republik nur wenige Besucher das Land.
Das Engagement der Landeswerber schlägt sich auch in den Katalogen deutscher Veranstalter bislang kaum nieder. Lediglich TUI wartet mit vier Rundreisen auf. »Wir wollen zeigen, dass Urlauber dort mehr unternehmen können als am Strand liegen«, sagt der bei TUI zuständige Produktmanager Steffen Boehnke. Doch auch bei den Hannoveranern sind diese Touren nicht Buchungsrenner, sondern eine Ergänzung zum Strandprodukt.
Neckermann Reisen bietet zwei Rundreisen an und auch Dertour offeriert lediglich einen Rundtrip, »als Versuchsballon«, so der zuständige Produktmanager Jörn Krausser. Wer als deutscher Urlauber in die Dominikanische Republik fliegt, sucht eben Sonne, Sand und Meer. Das zeigt sich auch bei den vor Ort gebuchten Ausflügen. So entscheiden sich Urlauber, die dann doch mal einen Tagesausflug wählen, am liebsten für einen Bootstrip zur Insel Saona, berichtet FTI-Produktmanager Bernd Hoy.
Schuld am mangelnden Erkundungswillen ist nach wie vor das Image, unter dem die Dominikanische Republik leidet: Sonne ja – aber mehr? Viele Urlauber wissen schlicht nicht, was ihnen entgeht. Einem breiteren Publikum bekannt wurde der Inselstaat ohnehin erst in den 90er Jahren, und da eben ausschließlich mit Badeferien. Damals wurden im großen Stil günstige Reisen all-inclusive auf den Markt geworfen.
Die Kehrtwende hin zu ausgabefreudigerer Kundschaft ist nun zwar offenbar gelungen: »Die neuen Premium-Häuser finden Zuspruch«, sagt jedenfalls Krausser und nennt das Sivory Punta Cana und das Paradisus Palma Real Hotel Punta Cana als Beispiele. FTI-Manager Hoy verweist auf die Häuser in der vom amerikanischen Immobilienmogul Donald Trump mitfinanzierten Anlage Cap Cana. Golfer sieht er ebenso wie Krausser als geeignete Zielgruppe.
Aber Erlebnisurlauber? »Jahrelang haben sich alle auf das Strandthema gestürzt, das ist noch in den Köpfen – ein Wandel dauert eben seine Zeit«, sagt TUI-Manager Boehnke und ergänzt: »Wir glauben daran und halten durch; es gibt viel Potenzial«. Allerdings gibt er zu bedenken, dass Mietwagentouren trotz infrastruktureller Anstrengungen des Landes bislang noch nicht zu empfehlen seien. »Wir haben das deshalb nicht im Programm.«
Neben den mancherorts schwierigen Straßenverhältnissen sei es vor allem die Fahrweise der Einheimischen, die Urlaubern Probleme bereiten könne. »Verkehrsregeln sind dazu da, nicht beachtet zu werden«, warnt auch Klaus Kurenbach, der sieben Jahre in der Dominikanischen Republik lebte und nun im Nebenerwerb unter dem Namen Taino Travel (www.tainotravel.de) Urlaub und Unterkünfte vermittelt. Es sei ihm ein Herzensanliegen, zu zeigen, dass es auf der Insel mehr gibt als »Urlaubswohnbunker am Strand«. Wer sich für einen Mietwagen entscheidet, sollte auf jeden Fall nicht am Fahrzeug sparen, so sein Tipp. Idealerweise mieten Selbstfahrer ein Allradfahrzeug mit entsprechender Bodenfreiheit, mit denen sich auch »topes«, so heißen die hohen Straßenschwellen, problemlos überqueren lassen.
Ein weiterer Grund für die spärlichen Rundreiseangebote: Abgesehen von Touristenzentren wie Punta Cana, Puerto Plata und seit einiger Zeit die Halbinsel Samaná gibt es bislang nur wenige Unterkünfte, die den Anforderungen der großen Veranstalter entsprechen. »Die touristische Infrastruktur ist noch nicht überall ausreichend vorhanden«, sagt FTI-Manager Hoy. Wer aufgeschlossene Kunden am Counter sitzen hat, sollte diesen aber dennoch Mut zu Erkundungen machen.
Für individualistisch orientierte Urlauber, die sich für karibisches, südamerikanisches Flair begeistern und nicht überall den Komfort einer großen Anlage suchen, ist die Dominikanische Republik sicher ein ideales Ziel – ein wenig Eigeninitiative vorausgesetzt.
Zu den Höhepunkten eines Besuchs zählt auf jeden Fall die Besteigung des Pico Duarte. Mit festen Schuhen im Gepäck und Spaß an Bewegung ist der höchste Berg der Karibik keineswegs nur für Bergprofis zu besteigen. »Das kann jeder schaffen; ich selbst bin nicht topfit trainiert und fand das Erlebnis toll«, schwärmt Mariana McGill von Latin America World, Veranstalter und Beratungsunternehmen in Berlin. Wem der Weg zum Gipfel, der als Tour in der Regel mit zwei Übernachtungen angeboten wird, zu mühsam wird, der kann sich bei der Besteigung auch auf dem Rücken der Maultiere ausruhen, die jeden Tross begleiten. Meist starten die Besteigungen von Jarabacoa aus – einem beliebten Ausgangspunkt für Raftingtouren und Wanderungen in den »dominikanischen Alpen«.
Naturliebhaber sind auf der Insel ohnehin richtig, gibt es doch rund 30 Nationalparks in unterschiedlichen Vegetationszonen. Der bekannteste ist Los Haitises im Nordosten. Dort können Besucher unter anderem Grotten voller Höhlenzeichnungen bewundern. Empfehlenswert ist auch ein Besuch des Lago Enriquillo im Südwesten des Landes, nahe der Grenze zu Haiti. Mit rund 300 Quadratkilometern ist er der größte Binnensee der Antillen und berühmt für seine Tierwelt: Krokodile, Leguane, Flamingos und 150 Vogelarten leben dort.
Auch sportliche Urlauber finden auf der Insel ein breites Angebot. Unter Wind- und Kitesurfern ist der Windspot Cabarete mit seinem entspannten Flair schon lange bekannt. Aber auch kletterfreudige Wasserratten werden fündig: der Río Damajagua ergießt sich in schäumenden Strudeln in 27 miteinander verbundene Becken, die Urlauber auf natürlichen Kalksteinrutschen erkunden. Agenturen bieten zudem Canyoning, Abseiling, Rafting, Mountainbiking und weitere Abenteuer an.
Naturverbundenen Kunden, denen das zu ausgefallen ist, sollten Reisebüros zu einem Aufenthalt auf Samaná raten. Auf der Halbinsel gibt es schöne Strände und mittlerweile viele gute und über deutsche Veranstalter buchbare Hotels – und trotzdem geht es noch sehr beschaulich zu. Von Dezember bis März können Besucher zudem ein einzigartiges Schauspiel genießen. Dann kommen Buckelwale zur Paarung in die Bucht von Samaná.
Unterwegs in der Dominikanischen Republik:
Pico-Duarte-Besteigung: Die Landschaft ist in weiten Teilen gebirgig. Die Cordillera Central im Zentrum wartet mit den fünf höchsten Gipfeln der Karibik auf; der höchste und bekannteste ist der Pico Duarte (3.098 Meter). Dieser liegt im Naturpark Parque Nacional José Armando Bermúdez. Als idealer Ausgangsort für eine Gipfelbesteigung gilt der Ort Jarabacoa in der Provinz La Vega; eine Besteigung vermittelt u.a. das von einer Deutschen geleitete Unternehmen Dom Rep Tours (www.domreptours.eu), Informationen auch bei Latin America World (www.latin-america-world.com).
Aktivangebote: Ausgangspunkt ist meist das 600 Meter hoch gelegene Jarabacoa (mitteleuropäisches Klima), es gibt River-Rafting und Canyoning beispielsweise auf dem Río Yaque del Norte oder Río Jimenoa, Kajak-Ausflüge, Trekking, Abseiling, Reiten; Wind- und Kitesurfing in Cabarete; Mountainbiking (viel an der Nordküste).
Anbieter (Ausflüge und Aktivangebote): www.iguanamama.com, www.ranchobaiguate.com, http://rhtours.de; www.extratours-sosua.de,für Offroad-Fans: www.offroad-pirates.com
Infobroschüre des Fremdenverkehrsamts,Anforderung per E-Mail unter mailto:mailto:Europedomrep [at] aol.com oder info [at] latin-america-world.com


