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Wieder zurück: Modellbau und Gänsehaut

Werte “Mitreisende”!

:-( Nun sind wir wieder zurück und hinter mit türmt sich ein Modell des Fuji-san, gebaut aus schmutziger Wäsche, auf.

Bevor ich mich daran mache, hier den Männerhaushalt wieder auf Vordermann zu bringen (mein Sohn schickt sich nicht an sein Zimmer aufzuräumen, weil er gerade damit beschäftigt ist, das mitgebrachte Origami-Buch “durchzufalten”) und den letzten Wäsche- und Prospekteberg aus dem Koffer zu schaufeln, möchte ich noch ein wenig über das berichten, was ich bisher nicht geschafft hatte.

Zunächst zum Koyasan. Das was für christliche Pilger Santiago de Compostela in Spanien ist, ist der Berg Koyasan für die Buddhisten in Japan. Ein Pilgerweg der sich über 1.100 Kilometer durchs Land zieht, endet für die Gläubigen am Koyasan. Wir hatten die Ehre, dass Kurt Genso uns persönlich eine Führung durch den Ort und dessen Heiligtümer anbot. Kurt Genso ist gebürtiger Schweizer und lebt mit seiner Frau (wieder eine neue Erkenntnis: Mönche des Shingon-Buddhismus haben durchaus auch Ehefrauen!) seit mehr als einem Jahrzehnt als buddhistischer Mönch im Tempel Muryokoin. Der Muryokoin ist nicht nur Tempel sondern auch “Shukubo”, wie man die Tempelherbergen hier nennt. In Koyasan gibt es insgesamt 117 Tempel, wobei 53 davon, Übernachtungen für Pilger und ausländische Gäste anbieten.

Wie schon kurz beschrieben, hatten Ute und ich diesmal Einzelunterbringungen in nebeneinander liegenden Tatami-Zimmern, die durch dünne Wände getrennt waren. Unsere Zimmer waren jeweils noch in den Wohn-/Schlafbereich und einen kleinen Vorraum geteilt, in dem Frühstück und Abendessen von den Mönchen serviert wurden. Übrigens wird in Tempelunterbringungen nicht nach Zimmern bezahlt, sondern der Preis richtet sich nach Futon. Man kann ein Zimmer mit bis zu fünf Futons ausstatten oder eben auch nur mit einem, so wie das nun bei uns der Fall war - der Preis pro Person bleibt gleich und lag im Falle unserer Unterbringung bei 10.500 Yen inklusive Abendessen und Frühstück. Die Einnahmen aus den Übernachtungen werden von den Tempeln auch dringend benötigt, nachdem der Erhalt der aufwändigen Bauten sehr viel Geld verschlingt. Allein die Dächer sind mit unzähligen kleinen Schindeln gedeckt und nur noch wenige Handwerker beherrschen deren Anfertigung. Ganz Koyasan ist übrigens Weltkulturerbe und der Zauber des Ortes erschloss sich schon bei unserer ersten kleinen Führung am Ankunftstag.

Kurt hüllte uns zunächst in einen Sprühnebel aus Insektenschutzmittel und eilte dann im Laufschritt mit uns zu den Haupttempeln des Ortes, um uns dort einen Überblick über den Shingon-Buddhismus, die Architektur, Geschichte, Philosophie und das Leben im Allgemeinen zu geben. Während wir eilten (die Tempelanlagen schließen am Abend ihre Tore) entriss Kurt immer wieder Ute die Kamera und ging seinem Hobby, dem Fotografieren nach :-). Kurt ist so gar nicht, wie man sich einen Mönch vorstellt: Es überraschte nicht nur, dass er seit 30 Jahren verheiratet ist, eine erwachsene Tochter hat und im früheren Leben ein erfolgreicher Geschäftsmann war, sondern auch seine Einstellung zum Leben und sein Bekenntnis, dass er weder ein gläubiger noch ein religiöser Mensch ist, waren etwas, das wir von einem Mönch nicht erwartet hatten zu hören.

Wie Ihr seht liebe “Mitreisende”, war unsere Reise in vielerlei Hinsicht ein “Adventskalender” :-). Zwar hatte ich noch keine Gelegenheit Utes Bericht zu lesen, aber wir waren uns einig, dass bei unserem Besuch in Koyasan die Person Kurt Genso ebenso interessant und spannend war wie der Ort an sich. Wir besichtigten mit ihm einige der wichtigsten Tempelanlagen und die große Konpondaito Pagode und saßen dann noch länger auf den Stufen eines Tempels, während Kurt erzählte und die Dämmerung langsam einsetzte. Im Dämmerlicht wurden die vielen hundert Laternen eingeschaltet, die die Dächer der  Tempel zierten und der Ort begann noch mehr seine Magie zu entfalten. Auf unserem Weg mit Kurt stellten wir übrigens fest, dass dieser Gott und die Welt - ähm, Buddha und die Welt?- dort kennt. Mit jedem, dem wir begegneten, wechselte Kurt ein paar Worte und wenn es nur ein “o-genki desu ka?” (ein “Wie geht’s”) war :-)).

Nachdem uns schließlich die Mägen schon bis zu den Knien  hingen, wurde es gegen 19 Uhr langsam Zeit zum Muryokoin zurückzukehren. Vom Abendessen wussten wir bereits, dass es dort vegan zubereitet würde und shojin-ryori hieße. Tatsächlich standen unsere Tabletts auch schon bereit, und Kurt erklärte uns, wie sich das Essen zusammensetzte und in welcher Reihenfolge es üblicherweise gegessen wurde. Nachdem was er erzählte, schien das Essen eine sehr ausgeklügelte Sache zu sein, die sich gezielt an den Bedürfnissen des Körpers orientierte. Beispielsweise war auf dem Schälchen mit den “japanese Pickles” (übrigens ein echtes Horrorgericht für mich - man möge mir verzeihen :-( ) eine kleine eingelegte und sehr säuerliche Pflaume zu finden, von der Kurt meinte, bei täglichem Genuss würde sich der Säurehaushalt des Körpers normalisieren. Als großer Fan von “MitKäseüberbackenem”, hatte ich Schwierigkeiten damit, mich auf gesunde und harmonische Ernährung umzustellen :-). Die Gerichte sahen alle phantastisch aus und waren unendlich liebevoll arrangiert! Ein absoluter  Hingucker und die Japaner sind bekannt dafür, dass sie die weltweit höchste Lebenserwartung haben, der Geschmack war allerdings oft für uns sehr ungewohnt. Manchmal extem säuerlich oder auch in der Konsistenz irgendwie “matschig”. Während Ute mit Begeisterung alles durchprobierte, gestehe ich: ich aß heute als Willkommensmahlzeit wieder Pizza ;-).

Na jedenfalls hatten wir eine ruhige und diesmal etwas längere Nacht als sonst, nachdem wir ausnahmsweise früh zu Futon gingen. Der Wecker wurde allerdings auch schon wieder auf 5.30 Uhr gestellt, nachdem wir zur morgendlichen Feuerzeremonie in den Tempel geladen waren. Mit den roten Pantoffeln schlurfte ich morgens zum Klo, um dann in die grünen zu wechseln und dann wieder in die roten und dann… Egal, ich war rechtzeitig mit Ute im Tempel, wenngleich meine Augen im Halbdunkel zunächst auch nur halb aufgingen ;-). Der Tempel teilte sich in zwei Bereiche und den Platz für die Besucher. Der Raum war düster und relativ niedrig. Im linken Bereich war ein Mönch bereits dabei Holzstäbchen vorzubereiten, während die Mönche inklusive Kurt langsam den rechten Bereich des Tempels füllten und sich um einen Tisch gruppierten. Übrigens war auch eine Novizin mit dabei. Die beiden Teile des Tempels waren durch eine Zwischenwand voneinander getrennt, die hinten jedoch einen Durchgang freiließ. Die Besucher hatten eine Reihe von Hockern an der Längsseite mit Blick auf beide “Kammern” zur Verfügung. Vor Beginn der Morgenmeditation erklärte Kurt uns kurz, dass diese von 6.00 Uhr  bis etwa 7.15 Uhr dauern würde und wir eingeladen wären, dem Gründer der Glaubensrichtung “Kobodaishi” ein Opfer in Form von Tee darzubringen.

Mit einleitenden Glockenschlägen ging es los. Der einzelne Mönch zu unserer Linken fing an, ein Feuer auf einer kleinen dafür vorgesehenen Feuerstelle zu entfachen. Die Mönche zu unserer Rechten hoben mit ihren Rezitationen an und es entstand eine ganz eigene Stimmung im Raum. Der monotone Singsang, den Kurt mit den gregorianischen Chorälen verglich, ließ alles irgendwie schwingen und die tiefen Töne erzeugten gelegentlich Gänsehaut bei mir. Gepaart mit dem Feuerritual, bei dem der Mönch mit Holzstäbchen und diversem Räucherwerk eine recht beachtliche Flamme zum lodern brachte, hatte man das Gefühl, an einer Art Zauber Teil zu haben. Gegen Ende der Zeremonie lud ein Mönch uns ein, ein Opfer darzubringen. Auf seine Anweisung hin stellten wir ein Schälchen mit Tee als Gabe vor eine Statue des Gründers der Shingon-Schule “Kobodaishi”. Diese befand sich im “Feuerraum”. Wir gingen danach durch den Durchgang in den “Rezitationsraum”, um dort noch zusätzlich Teeblätter in ein Kästchen zu streuen und danach wieder auf unsere Plätze zurückzukehren.

Während des gesamten Rituals wechselten gelegentlich Tonhöhe oder auch das Tempo der Rezitationen, bis schließlich das Feuer ausging und kurz danach auch die Klänge der Mönche verebbten.

Was für eine Art den Tag anzufangen und was für ein einzigartiges Reiseerlebnis!!!!

Kurt erklärte uns und den anderen Gästen (darunter zwei Frauen aus Deutschland) kurz, was genau bei der Meditation passierte und lud uns dann in einen der größeren Tatamiräume zum Tee, gemeinsam mit den restlichen Gästen des “Shukubo”, die nicht alle an dem morgendlichen Ritual teilnahmen.

Wie es den Anschein hatte, kommen immer wieder interessante (ein Filmemacher zum Beispiel der für “Discovery Cannel” an einer Doku über Koyasan arbeitet) und interessierte (eine alleinreisende junge Frau aus Deutschland, die nach einer Geschäftsreise noch eine Woche auf eigene Faust durchs Land reist) Menschen nach Koyasan. Beim Tee mit Kurt ergaben sich Gespräche unter den Gästen und ein kleiner Gedankenaustauch untereinander. Nachdem unser Zug allerdings schon gegen 13 Uhr Koyasan wieder verlassen würde und unser Frühstück bereits bereit stand, mussten wir erneut in den üblichen Laufschritt verfallen. Etwas, das man sonst an diesem zauberhaften Ort der Ruhe vermeiden sollte, weshalb es auch sehr ratsam ist, Koyasan mindestens zwei Nächte zu besuchen!

Wir jedenfalls machten uns nach dem Frühstück auf, um mit Kurt den berühmten alten Friedhof des Ortes zu besuchen. Der Friedhof beherbergt Grabstätten, die bis zu 800 Jahre alt sind und gehört mit seinem alten Baumbestand ebenfalls zum Weltkulturerbe. Eine der deutschen Damen berichtete mir beim morgendlichen Tee, dass ein Japaner sich auf dem Weg an den Grabstätten vorbei, zu ihr gesellte, weil dieser Angst davor hatte, diesen Ort alleine zu besuchen. Tatsächlich haben wir in Japan Orte entdeckt, die eine gewisse Mysthik ausstrahlen. Die Vielzahl von Steinornamenten, die die Elemente symbolisieren und zwischendrin immer wieder Statuen verschiedener Buddhas, sowie die hohen Bäume und auch gelegentlich der Nebel dort, können einem sicher Angst einflößen. Geht man den Hauptweg bis zum Ende, dann mündet dieser irgendwann in eine kleine Brücke. Wenn man die Brücke überquert kommt man in den heiligen Bezirk des Okunoin-Tempels und ab diesem Bezirk ist Fotografieren nicht mehr gestattet.

Das Mausoleum des Kobodaishi, der in Japan unendlich verehrt wird und der den Shingon-Buddhismus aus China eingeführt hatte, befindet sich unmittelbar hinter dem “Okunoin”. Die Gläubigen opfern Räucherstäbchen und richten Ihren Blick auf das Mausoleum, während sie ihr Mantra sprechen und einen Wunsch äußern. Kurt bringt uns das Mantra bei und lässt uns frei, ob wir es gemeinsam mit ihm siebenmal sprechen wollen. Wir wollen und zum ersten Mal sind wir nicht außenstehende Beobachter einer fremden Kultur, sondern ergriffene Teilnehmer. Wir sprechen das Mantra und auch ich merke, wie das Aufsagen der Laute den Körper in Schwingung versetzt. Als wir uns wieder vom Mausoleum entfernen, sind wir sehr still…

Koyasan ist ein besonderer Ort, erklärt Kurt uns. Von Kobo-daishi heißt es, er würde im Mausoleum in Meditationsstellung verharren und auf die Ankunft des Maitreya, des zukünftigen Buddha warten. Es heißt auch, dass Kobu-daishi zweimal täglich das Mausoleum verlässt und durch den Ort geht. Kurt meint, Koyasan wäre ein Ort, an dem nicht alles, was dort passiert, wissenschaftlich erklärbar wäre. Ein Beispiel nennte er uns nicht, aber auf einem meiner Fotos ist ein komischer Lichtreflex ;-).

Unsere Reise endete gestern nach einer zunächst langen Anreise zum ANA Crowne Plaza am Flughafen Narita. Um uns auf ewig für’s Fliegen in der  Economy Klasse zu verderben, reservierte All Nippon Airways uns einen Platz in der Business Klasse. So schön kann fliegen also auch sein :-). Wir wissen jetzt, dass Business Klasse bedeutet, dass man seine Füße ausstrecken kann und immer noch nicht an die Wand stößt, während man mit echtem Besteck von echtem Geschirr echt gutes Essen kriegt. Einfach Klasse!!!! Wir klappten unsere Sessel in Liegeposition und sahen alle (naja zumindest 3) Filme die das Entertainmentprogramm hergab.

Wir hatten eine wunderbare Zeit in Japan und haben viel erlebt und viele nette Menschen getroffen (thanks a lot again for the picture Lisa Takahashi! ;-)). Nie hätten wir geahnt, dass es eine derartige Dichte von Weltkulturerbe-Stätte irgendwo geben könnte und obwohl Ute in Kyoto den ehrgeizigen Plan hatte ALLE (16!) zu besuchen, schafften wir das bei weitem nicht :-). Wir sahen wunderbare Dinge, darunter pulsierende Großstädte, einen imposanten Vulkan, stinkende Schwefelquellen, traumhafte Gärten, herrliche Tempel, gastfreundliche Menschen, ulkige Modetrends (Gummistiefel bei 40 Grad ?!), hilfsbereite Hotelangestellte, ehrliche Finder, freundliches Flughafenpersonal (!!), schnelle Züge mit funktionierenden (!) Toiletten, Toiletten!!!!!!….

Ach, es gäbe noch sooooooooooo viel zu schreiben!

VIELEN DANK AN DIE EDLEN SPENDER DER TOUR! VIELEN DANK AN TRAVEL ONE UND VIELEN DANK AN JNTO auch für das Vertrauen, dass Sie alle uns und unseren Schreibkünsten entgegengebracht haben!

GANZ BESONDEREN DANK AN UNSERE “VIRTUELL MITREISENDEN”, DIE HOFFENTLICH EIN BISSCHEN SPASS MIT UNS HATTEN (und mir miese Kommasetzung und Rechtschreibung verzeihen?) UND SICH JETZT SELBST AUF DEN WEG NACH JAPAN MACHEN!

Und Danke an Ute, die mir nächstes mal auf Okinawa das Surfen beibringt ;-))))!

Itte mairimasu

Regina

Zurück in Deutschland

Liebe Mitreisenden,

Es ist mal wieder 1 Uhr morgens und hier nur ein kurzes Update zu unserem heutigen Rückflug mit ANA.

Es hat alles genauso super geklappt wie auf dem Hinflug. Regina und ich freuten uns sehr, als wir sahen, dass wir in die Business Class upgegradet wurden, da wir beide noch nie Business geflogen sind. Es war wirklich super komfortabel. Ich habe 3,5 Filme gesehen und mir noch die ganze Zeit japanisches Essen bestellt.
Die Reise war super, ich lernte viel und habe jetzt ein besseres und konkreteres Bild von Japan, dass ich hoffentlich auch weitergeben kann. Ich hoffe ebenfalls, dass wir mit diesem Blog schon etwas dazu beitragen konnten.

Ich würde mich weiterhin über Kommentare freuen, wenn es die/der eine oder andere später noch lesen sollte. Ich gucke hier in Abständen immer mal wieder rein. Eventuell (sofern es die Zeit zulässt) wollten Regina und ich unsere Einträge noch etwas vervollständigen, da dafür nicht immer Zeit in Japan war. Wir hätten auf jeden Fall noch mehr schreiben können ;-).
Gute Nacht,

Ute-san

7. und 8. Tag: In einem buddhistischen Kloster

Liebe Mitreisende,

wir haben uns jetzt länger nicht gemeldet. Leider gab es in Koyasan insgesamt nur zwei Computer und die liefen nur bis 19 Uhr. Am nächsten Morgen haben wir uns dann für die Besichtigungen entschieden, damit wir Euch viel schreiben können, weil wir Koyasan gegen Mittag schon wieder verlassen mussten. Daher seid Ihr hoffentlich nicht ganz so böse drum. Dieser Bericht wird auch erstmal ohne Bilder sein, da wir sie hier im ANA Crowne Plaza Narita leider nicht hochladen können. Das machen wir dann zurück in Deutschland!

Aber from the beginning: Mein letzter Bericht endete am Abend in Kyoto. Wir gingen noch in die hoteleigene Moon Light Bar, da es schon spät war. Die angekündigte super Aussicht auf die Stadt hielt sich in Grenzen, da wir nur im dritten Stock waren. Da hatte uns das Tokyo Park Hotel einfach schon mit zu guten Aussichten verwöhnt. Außerdem war die Bar auch noch unverschämt teuer. Wir zahlten für zwei Cocktails, ein paar Nüsse und die Musik (die musste man mit angegebenen Betrag bezahlen. Hätten wir das gewusst, hätten wir im voraus unsere Wünsche angegeben ;-)) 5.420 Yen. Der Abend endete gegen Mitternacht. Dafür begann der Morgen schon wieder früh: um viertel vor sechs!

Ich genoss nochmal den Swimmingpool und Jacuzzi (war auch das letzte mal auf der Reise) und das tolle Frühstück im Westin. Einen Schreck verpasste mir am Morgen das Entdecken des Fehlens meines Japan Rail Passes. Wir hatten zwischenzeitlich schon überlegt, ob wir morgens noch ein paar nicht geschaffte Sehenswürdigkeiten in Kyoto vor der Abreise nach Koyasan ansteuern. Diese Pläne waren auf einmal wie weggeblasen. Ich wusste, ich konnte ihn eigentlich nur an zwei Stellen verloren haben: entweder an der Kintetsu Linie am Toji Tempel oder der Kyoto Station, was meine letzten Punkte am Abend vorher waren und kurz zuvor hatte ich den Pass noch. So kontaktierte ich die Rezeption im Westin, die sofort hilfsbereit alle Nummern der Kintetsu Line, Kyoto Station und Police Station ausfindig machte und kontaktierte. Ich hatte Glück im Unglück. Mein Pass wurde wirklich an der Kintetsu Line hinterlegt. Japaner sind total ehrlich. Das bestätigt mir wieder, dass Japan wirklich ein sicheres Reiseland ist. Ich musste abermals an die Geschichte vor der Abreise denken: Ein Rucksack, legte, glaube ich 2.000 Kilometer zum Besitzer zurück.

Wir nahmen den Hotelshuttle um 9.45 Uhr zum Bahnhof. Ich musste mit der Kintetsu Line noch eine Station zum Toji Tempel fahren (nicht im Japan Rail Pass enthalten, Kosten pro Strecke 150 Yen) und hatte nach einer halben Stunde auch den Pass wieder und war glücklich. Ohne den Pass wäre der restliche Teil der Reise teuer geworden. Mit dem Shinkansen fuhren wir dann von Kyoto nach Shin-Osaka, wo wir gegen 11 Uhr ankamen. Die Fahrt dauerte nur 15 bis 20 Minuten. Von Shin-Osaka nahmen wir eine Bahn (innerhalb vom JR Railpass) für eine Station nach Osaka. Hier konnten wir in die Loopline einsteigen, die innerhalb Osakas im Kreis fährt. Da wir relativ schnell in die Bahn einstiegen, übersahen wir leider, dass wir in eine Bahn eingestiegen sind, die von der Loopline noch abzweigt. Das fiel uns an der Endstation auf und wir mussten wieder vier Stationen zurückfahren, um auf die Loopline zu kommen und waren dann nach abermals drei Stationen in Shinimamya.

Der kleine Exkurs brachte uns die Erkenntnis, dass es in Osaka Universal Studios geben muss und dass dorthin mal wieder sehr viele japanische Plastikbarbys fuhren mit rosa Spiegelchen, viel Puder und Schminke. Bei einem Halt sprangen einige aus der Bahn und besprühten sich mit Haarspray unter dem Gelächter der anderen. Sehr amüsant. Für die folgende Strecke mussten wir uns in Shinimamya ein Ticket kaufen, da die Nankai Koya Line nicht im JR Railpass enthalten ist. Das Ticket kostete 2.780 Yen und beinhaltete die Hin- und Rückfahrt nach Koyasan, die Benutzung des Busses in Koyasan sowie Vergünstigungen auf Tempeleintritte (letzteres hätten wir gar nicht gebraucht, wie sich später herausstellte).

Die Fahrt von Shinimamya nach Gokarubashi mit dem Zug dauerte rund 1,5 Stunden. Während der Zugfahrt lernten wir ein österreichisches Pärchen kennen. Sie (studierte Japanologie) war für sieben Wochen in Japan wegen eines Sprachkurses und eines Praktikums und machte mit ihrem Freund jetzt Urlaub. Sie hatten für die Nacht noch keine Reservierung für ein Hotel/Tempel in Koyasan und wollten sich vor Ort noch etwas suchen. Wie sich herausstellte kann man an das Hotel, in dem wir übernachteten (Muryokoin) immer eine E-Mail schicken und bekommt schnell eine Antwort. Diese Erfahrungen hatten die beiden wohl nicht gemacht bei den Unterkünften, die sie angefragt hatten.

Von Gokarubashi geht es mit der Seilbahn nochmal rund fünf Minuten sehr steil hinauf nach Koyasan. Laut Reiseführer nichts für Angsthasen, aber ich kannte so eine Bahn auch schon aus Wiesbaden. Belohnt wird man auf jeden Fall schon vor Gokarubashi mit fantastischen Ausblicken auf wunderbare Naturwälder und Hügel. Oben angekommen in Koyasan (dicht bewaldetes Hochland) nahmen wir den Bus Richtung Okunoin-mae und stiegen an der fünften Haltestelle namens Koyakeisatsu-mae aus. Von hier nur etwa drei Minuten zu Fuss entfernt (Straße hinunter und an der T-Kreuzung nach rechts, auf linker Seite liegend) lag unsere vorreservierte Tempelunterkunft. Wir hatten Glück, denn der Schweizer Mönch Kurt Kübli Genso, der sich etwas um uns kümmern sollte, wollte gerade mit Fahrrad wegfahren. So wurden wir herzlich in Empfang genommen.

Unsere Zimmer waren einfach und ähnlich wie im Fuji Hakone Nationalpark mit Tatamimatten ausgelegt. Nur erinnerten sie an einen der hunderten von Tempel, die wir bisher schon besichtigt hatten. Erst abends wurde das Futonbett aufgestellt. Zur Begrüßung gab es grünen Tee sowie einen Keks in Entenform. Im Muryokoin Tempel gibt es hauptsächlich vegetarische Kost für Gäste, so auch für uns. Die Entenform war das letzte, was an Tiere im Essensbereich erinnerte für die Zeit im Muryokoin.

In dem Tempel leben ebenfalls die Mönche, die sich um alles kümmern, es gibt einen Gebetsraum, Gemeinschaftsbad mit Onsen sowie Gemeinschaftstoiletten sowie einen Garten mit Teich. Zu den Bewohnern gehören auch eine 20-jährige Katze (sie hat einen nach viel Streicheleinheiten gerne in den Zeh gebissen ;-)) sowie ein kleiner Terrier. Im ganzen Haus läuft man mit roten Pantoffeln, für die Toilette gibt es GRÜNE Pantoffeln! Gegessen wird immer privat auf seinem Zimmer, die Preise für den Tempel richten sich offiziell nach Futons beziehungsweise pro Person.

In Koyasan ist es rund fünf Grad kälter als etwa in Kyoto. Dies ist sehr angenehm und erinnert sehr an unser Klima. Trotzdem gibt es hier sehr viele Mücken (mit ihnen hatten wir auch schon am Tempel bei Isari Bekanntschaft gemacht). Wir wurden vor jedem Ausgang aus dem Tempel fleißig mit einem Abwehrspray eingesprüht. Dies hat allerdings nur bedingt geholfen. Lange Kleidung ist sehr zu empfehlen, die netten Tierchen stechen jedoch auch hier durch.

Koyasan wurde im Jahre 816 als religiöse Gemeinschaft unter der Führung von Kukai (Kobo Daishi) gegründet. Vom ersten Moment an war eigentlich für mich neben der Atmosphäre in Koyasan und dem Tempel (bei beiden ist der Tourismus deutlich zu spüren) die Persönlichkeit des Schweizer Mönchs Kurto (wie ich ihn hier weiter nennen werde) am faszinierendsten. Sein Alter konnten wir leider nicht schätzen, er ist einer dieser zeitlosen Personen. Er hat uns schon anfangs überrascht mit der Tatsache, dass er seit 30 Jahren verheiratet ist und eine erwachsene Tochter hat. Wir sind bis dahin davon ausgegangen, dass ein Mönch nicht verheiratet sein darf. Wir wurden eines besseren belehrt. Kurto ist ein Sprachengenie (er kann mindestens sieben Sprachen, darunter Japanisch fließend) und für mich auch ein Lebensphilosoph. Er hat unter anderem Wirtschaftsingenieurwesen studiert, in Italien gelebt, hatte seine eigene Firma mit seinem Bruder. Er studiert seit 30 Jahren die Lehren des Buddhismus und lebt seit etwa elf Jahren mit seiner japanischen Frau in einem kleinen Zimmer im Tempel und kümmert sich um verschiedene Dinge.

Leider hat es kurz nach unserer Ankunft mal wieder angefangen zu regnen. Trotzdem machten wir uns gegen 15 Uhr mit Regenschirmen bewaffnet auf, um nah gelegene Tempel zu besichtigen. Dank der Begleitung von Kurto kamen wir in alle Tempel kostenfrei hinein. Kurto kennt in Koyasan wirklich jeden. Als erstes sahen wir den Kongobuji Tempel. Er ist der Hauptsitz der Shingon-Schule und Sitz des Abts von Koyasan. Schön sind vor allem die Malereien auf den Schiebetüren, die auf das 16. Jahrhundert zurückgehen. Der Steingarten soll der größte Japans sein.

Im Anschluss besichtigten wir noch den Garan-Bezirk mit einigen Hallen und Pagoden, unter anderem den Daito und Kondo. Das Daito soll das Zentrum des Lotusblumenmandalas darstellen. Zu sehen sind hier die Figur des Dainichi-nyorai (kosmischer Buddha) sowie vier weitere Buddha Statuen. Kurto ist sogar Photograph und hat teilweise sich unsere Kameras geschnappt, um für uns gute Aufnahmen zu machen. Irgendwie waren seine auch immer bessere als unsere Schnappschüsse.

Nach 18 Uhr waren wir zurück am Tempel und kurz danach wurde unser Abendessen auf dem Zimmer serviert. Es war die erste Unterkunft, in der ich ein Bier getrunken habe (und das ausgerechnet in einem Tempel). Außerdem gab es Wasser, grünen Tee, Sesamsalat, fritiertes Gemüse mit Soja und Rettich, Tofu mit Erbsen und Shitake, Reis, Misosuppe mit Algen, Rettich, Pilze, Kartoffelallerlei in weiß, rot und grün, Tofu mit Wasabi und Soja. Die meisten Sachen davon konnten wir mittlerweile essen und schmeckten uns. Rettich zählt leider nicht zu unseren Favoriten.

Nach dem Essen machten wir uns auf in das japanische Bad, getrennt nach Männern und Frauen. Man legt seine Kleidung in einen Holzkorb und geht sich zuerst duschen. Für das Duschen setzt man sich auf einen kleinen Hocker und duscht sich so ab. Ich muss zugeben, ich stellte mich auch mal hin, aber nur wenn keine Japanerin da war. Anschließend legt man sich in das heiße Bad. Danach war ich so alle und fertig, wahrscheinlich die Kombi warmes Bad und Bier, dass wir als neuen Rekord schon um 9 Uhr im Bett waren! Ach ja, ich vergaß zu erwähnen, dass Regina und ich zum ersten Mal auf der Reise getrennte Zimmer hatten. Obwohl ich es hier vorgezogen hätte, zusammen zu wohnen, da der Ort bei Nacht schon sehr mystisch ist. Aber da die Wände so dünn sind, konnte man sich auch durch die Wände unterhalten. Im Kissen, welches ziemlich hart war, müssen Kerne oder so dringewesen sein. Ich hab leider vergessen zu fragen.

Am nächsten Morgen sind wir um kurz vor 6 Uhr aufgestanden, um den Mönchen bei der morgendlichen Rezitierung zuzusehen, die eine gute Stunde dauert. An diesem Morgen gab es eine Feuerprozession. Es war wirklich sehr interessant und ich könnte mich jetzt noch ärgern, denn ich wollte kein Blitzfoto machen, jedoch filmen, um die Gesänge aufzunehmen. Leider vergaß ich, hierfür einen Knopf zu drücken und dachte zuerst, dass Buddha meinen Film gelöscht hatte, aber ich hatte eben nie gefilmt. Die Gesänge waren neu für mich, aber sehr schön. Wir konnten ebenfalls den Kobo Daishi mit Tee und Gewürzen ehren.

Im Anschluss lud uns Kurto zu Tee und Kaffee mit Gebäck ein. Wir lernten ein japanisches Filmteam, das unter anderem für den Discovery Channel arbeitet, sowie zwei Deutsche, die auch in dem Tempel übernachtet hatten, kennen. Im Anschluss gab es das japanische Frühstück in unserem Zimmer - wir waren eigentlich noch von dem Gebäck voll.

Irgendwie war die Zeit wie im Flug vergangen, so brachen wir erst gegen 10 Uhr auf, um zum Okunoin zu laufen. Die sterblichen Überreste zahlreicher Buddhisten wurden auf diesem Friedhof beigesetzt. Das Gelände ist von hohen Zedern und Tausenden von Grabsteinen gesäumt. Am Mirokuishi steckten wir unsere Hände in die Löcher eines Holzkastens und versuchten, einen Stein auf die nächste Ebene zu stellen. Bei mir klappte es erst, als ich sah, welche Technik Regina anwendete. Kurto hatte sogar eine noch clevere Technik. Es heißt, dass der Stein immer so schwer ist, wie die Sünden desjenigen, der ihn hochheben will ;-) Am Kukai Mausuleum rezitierten wir. Kurto, Regina und ich sagten siebenmal den Satz “Namo Daishi Hencho Kongo” auf und sollten uns etwas wünschen.

Wir besuchten nirgendwo sonst so wenige Tempel wie in Koyasan. Dafür war die Qualität hier am höchsten. Die Erklärungen und teilweise philosophischen Exkursionen von Kurto waren super und sehr hilfreich. Sie zeigten auf, was für ein umfangreiches Wissen er auf diesem Gebiet hat (und wir leider noch nicht haben)! Koyasan ist wirklich ein friedlicher und geheimnisvoller Ort zugleich. Wer Tempelbesichtigungen inmitten von Natur machen will, ist hier gut aufgehoben. Wirklich ein Kontrast zu Tokio oder Kyoto, wo immer noch eine Großstadt im Umfeld ist. Und wo gibt es schon so viele Tempel, in denen man auch noch übernachten und das Leben der Moenche hautnah miterleben kann? Auch hier gilt wieder (wie für unsere vorherigen Stationen), dass die Zeit viel zu knapp bemessen war und dass man für Koyasan mindestens Nächte einplanen sollte. Wir wurden von Kurto und einem Mönch noch zum Bahnhof Koyasan gefahren, hatten Zeit eine Nudelsuppe zu essen und traten mit der Seilbahn um 12.40 Uhr wieder unseren Rücktritt an, diesmal jedoch mit dem Express Zug von Gokarubashi nach Namba (13.01 bis 14.22 Uhr).

So, es ist jetzt 2.17 Uhr morgens und ich sollte auch mal das Hotelbett hier testen. Ich fürchte, wir werden um 6 Uhr wieder aufstehen, ich hoffe, ich kann morgen früh noch weiterschreiben, Ute-san

Nächster Morgen: So, nach rund 4,5 Stunden erholsamen Stunden Schlaf und einem Frühstück im Bauch kann ich Euch hoffentlich noch den Rest der Reise bis zur Abfahrt des Hotelbusses zum Flughafen erzählen.

Namba gehört noch zu Osaka. Es war ein Tipp von Kurto, dass wir hier auf dem Weg zum Flughafen noch kurz halten sollten, da Regina und ich noch unsere letzten Yen irgendwie ausgeben mussten. So konnten wir uns eine gute Stunde in den Geschäften vergnügen (das Gepäck haben wir währenddessen ins Schließfach getan). Regina stürmte eine Buchhandlung und kaufte noch viele Mitbringsel, ich war in einem Kaufhaus und gönnte mir eine Maniküre (nein nicht eine der japanischen, sondern simple French). Die Mädels bei der Manikuere waren jedoch sehr daran interessiert, ob man in Deutschland auch auf so bunte Nägel wie in Japan steht ;-)

Um 16.30 Uhr ging es von Namba dann nach Shinosaka zurück, um von hier den Shinkansen nach Tokio zu nehmen. Wir reservierten schnell noch Sitzplätze. Das geht wirklich völlig unkompliziert, auch noch kurz vor der Abreise an einem von den JR Schaltern. Regina versorgte sich für die Fahrt mit einem Sandwich, und ich deckte mich natürlich mit einer Sushibox ein. Die Fahrt dauerte schließlich drei Stunden.

Tokio erreichten wir gegen 20.10 Uhr. Und ihr werdet es kaum glauben. Wir waren 3,5 Stunden später im ANA Crowne Plaza Narita. Der Hotelshuttle, den wir auf der Hinfahrt vom Flughafen in die Stadt genommen hatten, war teuer und unser JR Pass noch gültig. Daher entschieden wir uns für die Bahnvariante. Leider verpassten wir knapp den letzten Direktzug vom Tokioer Bahnhof zum Flughafen und mussten mit insgesamt viermal umsteigen. Angekommen am Flughafen Terminal zwei bekamen wir wirklich sehr knapp den letzten kostenlosen Hotelshuttel, der zum Hotel fuhr. Das Zimmer (Corner Twin) ist wirklich schön. Das Frühstücksrestaurant und -buffet ebenfalls super. Aber man merkt dem Hotel sonst an, dass es aus einem älteren Baujahr stammt. Der Swimmingpool macht leider erst um 9 Uhr morgens auf und war bei der Ankunft schon geschlossen. Zeit hätte ich jedoch eh nicht gehabt und auch zu einer Shiatsu Massage bin ich während der Reise leider nicht gekommen. So, das war jetzt erstmal alles vor der Abreise mit ANA um 11.35 von hier. Ankommen werden wir um 16:35 am Flughafen Frankfurt. In Garmisch bin ich dann um Mitternacht und muss auch morgen schon wieder arbeiten. Über den Flug werde ich dann morgen noch berichten.

Heute mal ohne eine Japanischlektion, liebe Grüße

Ute-san

7. und 8. Tag: Frohe Weihnachten!

Liebe Mitreisende!

Ein herzliches Hallo aus Narita! Tatsächlich haben wir`s heute geschafft, uns die umständlichste verfügbare Verbindung zu suchen, die es gab, um von Tokyo Station nach Narita zu kommen. Insgesamt brauchten wir für die rund 60 Kilometer ziemlich genau drei Stunden, wobei wir viermal umstiegen, bis wir im Hotel waren.

Es ist jetzt übrigens fast Mitternacht, und das ist reichlich spät, wenn man bedenkt, dass wir uns um 13.00 Uhr in Koya-san auf den Weg machten. Die Reise entpuppt sich als eine Art Ralley und gestern erlaubten uns die Umstände nicht, einen Bericht zu tippen, nachdem wir erst am späten Nachmittag in Koya-san angekommen waren. Die Reise ist aber noch eins, nämlich ein Adventskalender! Jeden Tag öffnen wir ein neues Türchen und jeden Tag werden wir überrascht und staunen.

Unser gestriger Weg führte von Kyoto über Osaka nach Koya-san und wieder war alles anders als erwartet. Zum Beispiel stellte sich wider Erwarten heraus, dass die Fahrzeit zwischen Kyoto und Osaka noch nicht mal reichte, um die Route auf der Karte zu checken. Zwar hatte ich durch den Blick auf die Karte nicht darauf geachtet, aber es schien mir so, als waeren die Städte zusammengewachsen und würden nahtlos ineinander übergehen. Am meisten jedoch verwunderte mich die Tatsache, dass wir in Shin -Imamya in ein Fahrzeug stiegen, dass mehr einer U-Bahn als einem Zug glich (man saß mit dem Rücken zum Fenster). Es stellte sich dann aber へらうs、だss 酢ck 不ck ふck uuups, sorry…

Stunden später: Während Ute sich gestern die Nacht im Internet um die Ohren schlug, zog ich das Bett vor, zumal ich etwas Probleme mit der Tastatur und der Spracheinstellung hatte. Das Ganze dann noch gepaart mit totaler Müdigkeit ließ mich erst den Computer anfluchen und dann  zu Bett gehen.

Jetzt aber nochmal zum gestrigen “Türchen”:

Die Bahn, die uns von Shin-Imamiya zum Koya-san bringen sollte, sah aus wie eine normale U-Bahn und obwohl ich Bilder von der Fahrt nach Koya-san im Internet gesehen hatte, war es dann doch sehr erstaunlich als dieser Nahverkehrszug, in den auch immer wieder Leute ein- und ausstiegen, plötzlich durch eine unglaublich malerische Bergwelt steuerte. Die Strecke wurde immer steiler und wir fuhren durch dichtes Grün das immer wieder Ausblicke auf tiefe Schluchten und Wasserläufe freigab. Die Fahrt endete inmitten der Bergwelt an der Talstation der “Cable Car”, mit der man das letzte Stück Weg nach Koya-san zurücklegt. Die “Cable Car” zog uns dann die letzten paar Meter an einem Steilhang mit 100 Prozent (naja, fast ;o)) Steigung hoch. Oben angekommen fand sich gleich die Busstation und ein  Plan der Verbindungen. Wir setzten uns in den bereitstehenden Bus und fuhren eine weitere Serpentinenstrecke bis zum Ort.

Spätnachmittags kamen wir dort an und fanden nach ein paar Metern Fußweg auch gleich das Kloster in dem unsere Übernachtung bereits arrangiert wurde. Zunächst zeigten die Mönche sich etwas ratlos, dann erklärten wir, dass Kurt Guenso über unser Kommen informiert sein müsste. Über ihn wussten wir bis dato auch nur, dass er Schweizer ist und seit mehr als einem Jahrzehnt als Mönch auf dem Koya-san lebt. Zufällig s短dKurt gerade mit dem Fあっらd亜bふぁhrtべれえいt 亜mk祖rrz*grrrrrrr*

Also: Zufällig stand Kurt gerade mit dem Fahrrad am Eingang des Haupttores, gestand, dass er uns vergessen hatte und nahm uns trotzdem fröhlich in Empfang. Das Kloster war eine verwinkelte Anlage und wir mussten einige Treppen und Kurven nehmen, ehe wir in unsere Zimmer gelangten. Wir hatten wunderschöne Tatami-Räume, wobei jede ein Zimmer für sich bekam mit einem kleinen Vorraum, der nochmals durch Schiebetüren vom Hauptraum getrennt wurde. Im Vorraum wurde das Essen gereicht, während im Hauptraum abends der Futon ausgerollt wurde. Ich kann jedem nur empfehlen eine (aber besser noch mehrere!) Übernachtungen in einem Kloster in die Reise zu integrieren. Klar können wir hier schreiben, dass es schön war und auch wie es war. Aber das Gefühl, in einem Tatami-Raum zu sitzen und die Papier-Schiebetüren zu öffnen, ist eher ein Erlebnis für die Sinne. Generell entpuppte sich Koya-san noch mehr als die anderen Stationen der Reise, als Erlebnis der Sinne. Das erste “Sinneserlebnis”, das Kurt uns bescherte, war das, dass er uns von Kopf bis Fuß in einen Nebel von Insektenschutzmittel hüllte, wobei er auch sein blankes Haupt nicht aussparte. So gewappnet marschierten wir noch des Abends durch die Tempelanlagen und lauschten Kurt, der als eine Art Sprecher für Koya-san fungiert und immer mal wieder auch Vertreter von Medien …..

Sorry, meine Zeit im Internet läuft ab, ich habe kein Kleingeld mehr und wir müssen gleich zum Flughafenbus.

To be continued…..

Regina

5. und 6. Tag: Frau Tomoko-san zeigt Kyoto

Liebe “Mitreisende”!

Keine Bange, wir leben! Der Unterschied vom “Fuji Hakone Guesthouse” mit Etagenbad und Familienanschluss, zum “Westin Miyako” mit Bildern von früheren Gästen (Lady Diana) ist der, dass Herr Takahasi um 23 Uhr das Licht ausschaltet, während das “Westin” zu unserer Überrraschung um 21 Uhr den Computer ausschaltet :0). Naja, war ja Sonntag und wir haben uns einen Tag schreibfrei genommen.

Hier aber wieder in alter Frische unser Bericht mit (Kurz-?)Zusammenfassung des gestrigen Tages.

Aaaalso: Gestern da waren wir ja noch in Hakone. Nachdem morgens das Wetter gerade günstig war, fuhr Herr Takahashi uns noch kurz durch den Tunnel, der durch den “Kraterrand” führte, zu einem Aussichtspunkt von dem aus man den “Fujisan” sehen konnte. Tatsächlich hatte es für einen Moment auch um den Gipfel herum aufgeklart und wir hatten einen herrlichen Blick auf den Berg! Der Fuji sieht unglaublich beeindruckend aus. Zur Zeit ist übrigens kein Schnee auf dem Gipfel. Er kann auch momentan noch bestiegen werden, die Saison ist aber für gewöhnlich Ende August vorbei. Nachdem wir das Guesthouse verlassen hatten, fuhren wir zunächst mit dem Bus wieder nach Odawara und von dort aus mit dem Shinkansen nach Kyoto. Zugfahrten sind angenehm in Japan. Die Sitze lassen sich wie im Flugzeug zurückstellen, der Beinabstand ist groß und die Toiletten funktionieren. Für uns Deutsche wirkt das natürlich sehr exotisch :o).

Der Bahnhof in Kyoto ist sehr groß. Wir mussten uns bei Ankunft erst orientieren, hatten aber gleich erfahren, dass das “Westin Miyako” einen kostenfreien Shuttlebus vom Bahnhof zum Hotel einsetzt und außerdem kauften wir uns schon am Bahnhof ein Zwei-Tages-Ticket, mit dem wir U-Bahn (es gibt zwei Linien) und Busse unbegrenzt benutzen koennen. Nachdem wir Hakone mit dem Bus um 8.48 Uhr verlassen hatten, kamen wir um gegen 13.40 Uhr im Hotel an und hatten damit das perfekte Timing. Für 14 Uhr hatten wir nämlich einen “Volunteer Guide” gebucht, der uns in Kyoto ein wenig herumführen sollte. “Volunteer Guides” sind entweder Rentner, Hausfrauen oder Studenten, die in ihrer Freizeit unentgeltlich (Fahrtkosten muss man natürlich erstatten, Eintrittsgebühren müssen von ehrenamtlichen Guides nicht bezahlt werden) Führungen für Touristen machen. Wir hatten den Termin schon im Voraus über Internet in Deutschland reserviert.

Sehr pünktlich kam dann Frau Tomoko-san ins Hotel. Wir gestehen, dass wir ursprünglich auf einen Studenten spekuliert hatten, aber wahrscheinlich hätten wir uns dann jünger machen müssen (im Internet hatten wir unser Alter angegeben) ;o). Frau Tomoko-san ist Hausfrau und arbeitet noch mehrfach ehrenamtlich, zusätzlich zu der Halbtagstätigkeit in der Firma ihres Mannes. Das nette an “Volunteer Guides” ist, dass man ein wenig über den Alltag und das Leben in Japan plaudern kann. Dass uns hier kein Kunsthistoriker führen würde war uns klar und man muss auch eine Unterschrift leisten, in der man erklärt, dass einem das bewusst ist, wenn man die Dienste eines ehrenamtlichen Guides in Anspruch nimmt.

Wir hatten uns ein paar Sehenswürdigkeiten ausgesucht, die wir sehen wollten und mit Tomoko-san dann eine sinnvolle Tour geplant. Den “Goldenen Pavillion” und den “Ryoanji Tempel” hatten sowohl ich als auch Ute auf dem Wunschzettel. Tomoko-san lotste uns mit U-Bahn und Bussen durch die Stadt, und ich habe gleich mein Gehirn abgegeben. Das Verkehrssystem in Kyoto schien mir undurchschaubar, obwohl man mit Karten und Plänen ausgerüstet wird, wenn man die Fahrkarte kauft. Außerdem war ich froh, mal nicht mitdenken zu müssen und einfach hinterherzutrotten. (Oder mache ich das ohnehin immer? Ich muss mal Ute fragen…)

Jedenfalls gingen wir zunächst in den “Goldenen Pavillon” und waren beeindruckt! Ganz ehrlich, die Japaner verstehen was von Perfektion! Das Bauwerk ist ein echter optischer Leckerbissen und die Umgebung, in die es eingebettet ist, ist einfach traumhaft. Wie Tomoko-san erklärte, haben die Japaner eine Vorliebe für Zurückhaltung. Man beschränkt sich auf wenige Farben, setzt die dezent ein und erreicht damit ein Maximum an Wirkung. Die Umgebung des Pavillions ist zum Beispiel nur in Grüntönen gehalten, keine bunt blühenden Pflanzen, sondern nur als Akzent ein einziger Stauch mit roten Beeren. Eine Wohltat für’s Auge, liebe “Mitreisende”, aber man kann es kaum beschreiben und auch ein Bild kann es nicht zeigen.

Im Anschluss an den “Goldenen Pavillon” oder “Rokuon-ji”, wie er auf japanisch heißt, besuchten wir den Royanji Tempel mit dem berühmten Zen Garten. Der “Ryoanji” ist zwar wieder ganz anders, strahlt aber auch die schlichte Eleganz Japans aus. Zwar wirken die japanischen Gärten unglaublich natürlich, wenn man jedoch näher hinsieht (oder vielleicht auch zu Hause für Rasenmähen und Heckeschneiden zuständig ist), sieht man wie viel Arbeit darin steckt, dass der Garten bleibt, wie er ist und nicht wild wuchert. Frau Tomoko-san bestätigte, dass das Gras zum Teil mit der Schere geschnitten wird (und ich habe das heute auch mit eigenen Augen gesehen!).

Was unsere Führung anbelangt, so sprach Frau Tamoko-san sehr gutes Englisch fast ohne hörbaren Akzent, gelegentlich stießen jedoch ihre und manchmal auch unsere Sprachkenntnisse an ihre Grenzen. So ist das gelegentlich, wenn man kompliziertere Sachverhalte erklären möchte. Die Leute an der Rezeption hier zum Beispiel sprechen in ihrem Bereich auch sehr gut, wenn man jedoch erklären möchte, warum man nach 21 Uhr den Computer braucht, dann ist das nicht vermittelbar :o) Ich möchte damit nicht sagen, dass man uns nicht verstehen will, sondern dass man uns tatsächlich nicht versteht.

Bevor Frau Tomoko-san uns gestern verlassen musste, erfüllte sie Ute noch einen großen Wunsch und lieferte uns in einem “running Sushi” ab. Man musste dort eine Nummer ziehen und bekam dann einen Platz zugewiesen, Frau Tomoko hielt uns jedoch die Händchen, bis wir saßen und wir haben uns auch dort zurecht gefunden. Ute hat geweint vor Freude. Ach neeee,….es war doch das Wasabi. Na, jedenfalls pflückte Ute mit Tränen in den Augen Schüsselchen um Schälchen vom Band, während mir vom Zuschauen schon ganz schwummrig wurde. Es gab nämlich zwei Bänder und auf dem oberen fuhr ein Shinkansen, der die Expressbestellung brachte, die man per Touchscreen bestellen konnte. Naja, so ist das hier, alles automatisch und ich habe noch nicht mal von den Klos erzählt.

Ehrlich gesagt habe ich mich bisher auch immer gescheut alle Funktionen der Toiletten durchzuprobieren, in unserem Zimmer steht jedoch die Warnung, dass man nicht zu lange sitzen bleiben soll, um sich nicht zu verbrennen. Ehrlich, ich möchte hier nicht näher drauf eingehen, aber die Toiletten sind ein echtes *genervtseufz*-Thema… Apropos: gestern waren wir abends noch im “Gion Corner”. Der Beweis dafür, dass die 60er Jahre auch in Japan stattgefunden haben. Ute erzählt gerade, dass sie schon berichtet hat, worum es dort ging? Dann kann ich mich darauf beschränken zu sagen: Wer eine Vorliebe für japanische Künste hat, sollte dort auf keinen Fall hingehen. Muffiges Theater, muffige Vorstellung, schade um das viele Geld.

So, jetzt aber weiter im Text, in 30 Minuten wird die nette Dame, die mir gerade 500 Yen für einen Kaffee abgeknüpft hat (und ich dachte, der wäre frei, weil die Kaffeemaschine im Business Center des Hotels so schön zur Selbstbedienung verleitet), mir das Kabel aus dem Rechner ziehen und außerdem kostet die Internetbenutzung. Ich muss also schnell sein :o).

Heute verbrachten wir den Vormittag (nach Testung des hoteleigenen Swimmingpools) mit dem “Lonley Planet” in der Hand auf der “Southern Higashiyama Walking Tour”. Falls jemand vom Verlag das lesen sollte: Ich erwähne sie weiterhin gerne und sie dürfen mir gerne Geld dafür bezahlen, bitte kontaktieren sie mich! Wir waren übrigens nicht die einzigen, die dies taten, und die Schlauesten, die wir sahen sind dazu übergegangen, sich nur noch Kopien der Buchseiten mitzunehmen, damit sie nicht soviel schleppen müssen. Der empfohlene Weg jedenfalls führte an vielen Sehenswuerdigkeiten Kyotos vorbei. Wir haben es sehr genossen. Man muss auch dazu sagen, dass die Angaben im Buch so detailliert waren, dass wirklich alles leicht zu finden war. Nachdem meine Computerzeit hier ausläuft, möchte ich nur den Kiyomizu-Dera erwähnen. Wie viele der Sehenswürdigkeiten ist er von Unesco zum Weltkulturerbe ernannt worden. Ein imponierender Bau mit einer ganz eigenen Atmosphäre.

Von der Straße aus waren die Tempel, die wir heute besuchten, immer unscheinbar. Meist mussten wir steile Stufen erklimmen und erst dann eröffnete sich der Blick auf den eigentlichen Tempelbezirk. Der Kiyomizu-Dera ist, wie es schien, total in den Hang gebaut und wird von einer phantastischen Holzkonstruktion getragen. Generell kommt man nicht aus dem Staunen heraus, wenn man sieht was für wunderbare Handwerker die Japaner schon immer waren. Auch hier gilt: schlicht aber raffiniert! Der Weg durch den Haupttempel am Hang des Berges entlang eröffnet immer wieder neue Ausblicke auf die einzelnen Teile der Tempelanlage und auch die Stadt kann man von der Anhöhe aus wunderschön sehen. Wir waren beeindruckt.

So, noch zwölf Minuten um die restlichen elf Stunden des heutigen Tages zu beschreiben:

- posierende Models in Geisha-Kostümen

- wunderschöne Shoppingstraßen mit Kunsthandwerk und kein Bankautomat :o(

- glühende Hitze, jetzt glühende Schultern, glühender Kopf

- Test sämtlicher Getränkeautomaten am Weg mit diversen Getränkesorten, heute keine Niete dabei!

- Torii am Fushimi-Inari Taisha STOP!!!!

Dazu muss ich noch mehr schreiben ….. Mist, Time out……..

Regina

5. und 6. Tag: Unterwegs in Kyoto

Es ist nicht nur dem Wochenende zu verdanken, dass wir mit unserem gestrigen Kyoto Bericht etwas hinterherhängen, aber das Business Center des Westin Miyako Hotels, in dem wir zur Zeit nächtigen schließt leider um 21 Uhr. Da wir gestern relativ spät (also eigentlich wie immer) im Hotel ankamen, entschlossen wir uns heute einfach eine Zwei-Tages-Version zu schreiben.

Gestern morgen - wir waren noch im Fuji Hakone Guesthouse- stand ich um halbsieben auf (Regina war übrigens schon wach) und gönnte mir noch ein zweites Onsen Erlebnis. Ohne Frühstück sollte man die Hitze seinem Kreislauf jedoch auch nicht allzulange zumuten, also war der Spaß nach 15 Minuten vorbei. Kurzes Update zu meinem Fuss: Das Pflaster von Frau Takahashi wirkte Wunder, die meisten Schmerzen waren wie weggeblasen am nächsten Morgen! Direkt im Anschluss (das Wetter war übrigens im Gegensatz zum vorigen Tag super - blauer Himmel!) brachte uns Herr Takahashi mit seinem Auto nochmal zu einem anderen Aussichtspunkt, um den Fuji zu bestaunen und der Vulkan war sogar näher als am Tag davor - nur leider nicht mit der traumhaften Kulisse des Ashi-Sees. Beim Frühstück zurück im Guesthouse machten wir noch kurze Bekanntschaft mit einem deutschen Ehepaar aus Berlin, die schon seit vier Wochen individuell durch Japan reisen. Auch Ihnen gefällt es super und sie mussten ebenfalls feststellen, dass Japan gar nicht soo exotisch ist, wie man immer denkt. Auch sie kamen überall wunderbar mit Englisch zurecht und schienen in noch abgelegeneren Regionen gewesen zu sein als wir.

Um 8.48 Uhr nahmen wir dann den Bus nach Odawara, vorher wurden natürlich noch viele Abschiedsfotos mit Familie Takahashi gemacht. Um 10:09 nahmen wir dann den Shinkansen von Odawara nach Kyoto, der hier um 12:14 Uhr ankam. Auf dieser Strecke merkten wir zum ersten Mal die höhere Geschwindigkeit des Zuges. Nur schade, dass diese nicht wie beim ICE angezeigt wird. Angekommen in Kyoto kauften wir uns am Tourist Information Centre am Bahnhof einen 2 Days Bus (2000 Yen), mit dem wir uneingeschränkt U-Bahn und Busse benutzen können.

Am Bahnhof stellten wir erst fest, dass es einen kostenlosen Hotelshuttle zum Westin Miyako gibt, den wir natürlich auch nutzten (Fahrzeit ab Bahnhof rund 20 Minuten). Das Westin Miyako hat eine super Lage, um die Sehenswürdigkeiten im Osten Kyotos zu erkunden. Das Hotel ist sehr groß und auch hier mussten wir uns erst zurechtfinden. Unser Zimmer der Kategorie Deluxe ist komfortabel und für japanische Verhältnisse sehr groß. In Kyoto scheinen alle Prominenten hier abzusteigen, es hängen Fotos von vielen berühmten Persönlichkeiten an der Wand.

Da wir erst um 13:30 Uhr am Hotel ankamen, hatten wir nur kurz Zeit, bevor Frau Tomoko Okanishi (unser Volunteer Guide) uns um 14:00 Uhr abholte. Es war wirklich sehr herrlich, dass wir uns zunächst in ihre Hände begeben konnten, denn das Bus- und U-Bahnsystem Kyotos schien auf den ersten Blick etwas von dem in Tokio abzuweichen. Außerdem sind in Kyoto Sehenswürdigkeiten nur sehr spärlich in Englisch ausgeschrieben, daher muss man sich hier mehr durchfragen als in Kyoto, aber auch das klappte dann heute schon prima.

Frau Tomoko Okanishi ist Hausfrau und hat drei Kinder, die alle schon über 20 Jahre at sind. Wir hatten den Volunteer Guide auf Empfehlung von JNTO schon in Deutschland gebucht. Das Treffen mit Frau Tomoko klappte hervorragend, wir zahlten ihr 1000 Yen am Anfang für ihre Anreise und dann nochmal 1020 Yen für die U-Bahn zu unserem ersten Besichtigungspunkt in Kyoto. Insgesamt nahmen wir sie vier Stunden in Anspruch. Leider hatte sie keine Zeit zum Abendessen sonst hätten wir sie gerne noch eingeladen.

Wir besichtigten als erstes den Kinkakuji (Goldener Pavillon), der einer meiner persönlichen Höhepunkte dieser Reise war. Ich hätte ihn mir wirklich noch stundenlang anschauen und bewundern können, da er einfach so majestätisch und perfekt ist. Ich fand ihn auch noch viel schöner als auf allen Fotografien, die ich bisher gesehen hatte. Etwas gestört haben hier leider nur die Menschenmassen, die ihn ebenfalls besichtigen wollten. Im Anschluss besichtigten wir den Ryoanji, der auf Reginas Hitliste stand. Dieser Tempel gehört zu einer Zen-Schule und ist dementsprechend einfacher gestaltet. Attraktion sind hier vor allem der Garten sowie Steine im perfekt arrangierten weißen Sandbeet, das Wasser symbolisieren soll. Zwischendurch zeigte uns Frau Tomoko noch kleine Shops und erzählte uns kleine japanische Anekdoten. Sie brachte uns im Anschluss mit dem Bus nach Gion in ein Running-Sushi-Restaurant (ENDLICH!!!!) und verabschiedete sich von uns.

In den Restaurant musste man eine Nummer ziehen und bekam einen Platz zugewiesen. Es war auf jeden Fall nicht das edelste Sushi-Restaurant, man kam sich etwas vor wie auf einem Kindergeburtstag (an Farben und Musik wurde nicht gespart), aber das war mir egal und ich freute mich auf richtiges Sushi-Essen - es war köstlich! Und auch erstaunlich billig (ein Stück 105 Yen). Um nach dem Sushi-Essen zum Gion Corner zu kommen, wo wir uns eine Veranstaltung anschauen wollten, mussten wir lange Einkaufs- und Restaurantpassagen durchqueren. Regina erinnerte dies an Las Vegas und für mich war es eine edlere Version von Yogyakarta.

Die Vorstellungen am Gion Corner (täglich um 19 und 20 Uhr) sollen Touristen japanische Tradition näherbringen. Die Vorstellung geht jeweils eine Dreiviertelstunde und kostet 3150 Yen. Es werden hierbei Kado (Blumenarrangement), Koto (japanische Harfe), Chado (Tee-Zeremonie), Kyomai (traditioneller Tanz), Kyogen (traditionelle Komoedie), Gagaku (Musik am Hofe) sowie Bunraku (Puppenspiel) dargestellt. Regina gefiel es, so glaube ich, nicht so gut. Auch ich fand es teilweise sehr touristisch. Dennoch gab es mir als Japan-Einsteiger einen kleinen Überblick. Preis-Leistung stehen jedoch in keinem guten Verhältnis.

Auf dem Rückweg zur U-Bahn schlenderten wir noch etwas an der Shoppingmeile entlang, jedoch macht schon alles um 21 Uhr spätestens zu. Generell ist noch zu sagen, dass das Klima in Kyoto schon wieder anders ist als in Tokio und Hakone. Hier ist es gerade sehr heiß, jedoch ist die Luftfeuchtigkeit nicht so hoch wie in Tokio. Regina und ich verbrannten uns heute beim Besichtigungsmarathon gut!

Heute morgen standen wir mal wieder um gegen halbsieben auf und testeten den Swimmingpool des Hotels. Das Außenbecken ist leider etwas niedrig, daher schwamm ich innen (Badehauben sind Pflicht) und probierte danach noch den Jacuzzi aus. Das anschließende Frühstücksbuffet im Hotel war ein Traum! Gestärkt machten wir uns dann auf zu unserem Spaziergang durch das südliche Higashiyama. Hierfür nahmen wir erstmal die U-Bahn von Keage (liegt übrigens direkt neben dem Hotel) nach Higashiyama Sanjo, stiegen um für den Bus nach Gojozaka, wo wir unseren Spaziergang (rund fünf Kilometer) starteten.

Diese Gegend ist besonders bekannt für historische Gebäude, Geschäfte und Teehäuser. Einige berühmte Tempelanlagen liegen hier. Die Strecke wird von einem bekannten Reiseführer empfohlen. Als erstes besichtigten wir die Tempelanlage des Kiyomizudera, der der buddhistischen Hosso-Schule gehört. Wir hatten Glück und es fand gerade irgendetwas statt. Daher hörten wir neben Grillenzirpen noch Mönchgesänge und konnten Security-Männer (weiß eingehüllt mit schwarzer Maske, weißen hohen Klocks und zwei Schwertern) bestaunen. Von dem Tempel hat man eine super Aussicht auf Kyoto Stadt.

Entlang der Sannenzaka (mit alten Holzhäusern, traditionellen Geschäften und Restaurants, Teehäusern und Cafés) gingen wir bis zur Ninenzaka Straße und bogen hier ein. Wir entdeckten Geishas (oder einfach japanische Mädels, die sich als solche verkleidet hatten, da sie von professionellen Fotographen abgelichtet wurden). Vorher bettelte ein Mönch (oder sowas ähnliches, hatte ich noch nie gesehen) um Geld, dafür machte ich auch ein Foto von ihm.

Wir besichtigten die Ishibei-koji, eine vielleicht der schönsten Straßen Kyotos, eine kopfsteingepflastete Allée mit japanischen Wirts- und Wohnhäusern. Im Anschluss war der Kodai-ji Tempel dran. Das weitläufige Gelände zeichnet sich vor allem durch die schönen Gärten und Teehäuser aus. Kurz haben wir den Maruyama-Koen Park durchstreift, den Chion-In Tempel und Shoren-In Tempel angesehen. Hier hatten wir schon gutes Laufgeld gelassen und es war gerade erstmal zwei Uhr nachmittags, als wir noch beschlossen den Inari Tempel mit den vielen Toris zu besichtigen. Hierfür mussten wir erstmal wieder zur Kyoto Station, um im Anschluss noch zwei Stationen bis Inari mit dem Zug zu fahren.

Auch hier hatten wir bald das Bild, wofür dieser Tempel so berühmt ist. Leider war mir nicht so bewusst, dass hinter dem Anfang ein vier Kilometer langer Pfad den Berg hinauf führte mit 100en von Toris. Regina und ich waren bei der Hitze und dem vorherigen Fussmarsch in den Knochen schon schweißgebadet, als wir oben auf dem Hügel ankamen. Man mag es kaum glauben, aber eine Gruppe japanischer Jungs nutzte diese historische Stätte als Jogging-Strecke. Leider war der Weg hiermit nicht zu Ende, und wir hatten immer noch Pläne auf dem Programm. Die Jungs sagten uns, wir hätten noch nicht einmal die Hälfte geschafft. Eigentlich sind ja vier Kilometer nicht die Welt, aber wir gingen auf Nummer sicher, bekommen nicht den Fleißpreis, dass wir die ganze Runde geschafft haben, und sind auf dem selben Weg wieder zurückgegangen.

Zurück an der Kyoto Station trennten Regina und ich uns kurz. Ich besichtigte noch den Toji-Tempel und aß etwas Running-Sushi (das könnte ich wirklich jeden Tag machen), bevor ich mit dem letzten Hotelshuttle-Bus wieder ins Hotel zurückkehrte. Mal schaun, was der Abend noch bringt…

Man könnte locker noch ein bis zwei Tage länger in Kyoto verbringen, hier gibt es so viel zu sehen und persönlich gefällt mir Kyoto sogar etwas besser als Tokio.

Morgen geht es auf jeden Fall nach Koyasan. Der Weg dorthin soll etwas kompliziert sein, aber ich bin mir sicher, dass wir das auch meistern werden.

Sumimasen ga, sorosoro ikanakereba narimasen (”Es tut mir leid, aber ich muss jetzt gehen” auf Japanisch)

Ute-san

4. Tag: Tanz auf dem Vulkan

Liebe “Mitreisende”!

Wieder neigt sich ein Tag dem Ende zu und wieder war keine Chance für die Füße, sich zu erholen. Tokio verließen wir mit einem weinenden Auge (wir waren noch nicht einmal shoppen!!!!), wir freuten uns aber auch schon auf Hakone im Fuji-Nationalpark. Die Fahrt gestaltete sich als einfach wie immer. Und wenn wir schwarze Kniestrümpfe mit Pumps tragen würden oder zumindest Hängekleidchen mit Gummistiefeln, dann könnte man uns kaum noch von den Einheimischen unterscheiden. Tatsächlich finden wir uns fast blind mit dem Verkehrssystem zurecht und wenn wir mal nicht wissen, wo die Bushaltestelle ist, dann fragen wir nach und bekommen auch immer irgendwie heraus, was gemeint ist, selbst wenn nicht jeder hier Englisch spricht.

Auf der Fahrt hierher hatten wir keine rechte Vorstellung, was uns heute erwartete. Wir hatten morgens um 9.26 Uhr Tokyo Station verlassen und fuhren zunächst mit dem Shinkansen nach Odawara. Die Angabe im “Lonely Planet” entpuppte sich als richtig und vom Vierer-Bus (Zusatzinfo für Nachahmer: “East Exit” am Bahnhof nehmen) wussten wir, dass er nach Senkyoro-mae fährt. Dies ist die Station die im “Lonley Planet” als Haltestelle für das “Fuji Hakone Guest House” aufgeführt ist, in dem unsere heutige Übernachtung vorgebucht wurde. Die Fahrt nach Odawara dauerte eine gute halbe Stunde und zu meiner Verwunderung war die Weiterfahrt (18 Kilometer bis Senkyoro-mae) mit 50 Minuten angegeben, was mir reichlich lang erschien.

Nachdem wir Odawara verlassen hatten, stellte sich schnell heraus, warum dem so war. Die Straße fing langsam an anzusteigen und schlängelte sich schließlich über mehrere Kilometer durch dichtbewaldete Berghänge. Das “Fuji Hakone Guest House” befand sich in unmittelbarer Nähe der Haltesstelle und der Besitzer Herr Takahashi begrüßte uns persönlich und KANNTE UNS BEREITS AUS DEM INTERNET! Das Guesthouse, das von Herrn Takahashi-san, seiner Frau und der Tochter Lisa-san betrieben wird, ist kein Luxushotel, aber ein sehr persönlich geführtes Haus mit insgesamt sieben Tatami-Zimmern (das dazugehörige Hakone Sengokuhara Youth Hostel befindet sich nebenan und verfügt ebenfalls über sieben Zimmer). Eine Besonderheit des Hauses, die wir bereits getestet haben, ist das hauseigene Rotenburo. Das Wasser dafür kommt direkt aus einer der heißen Quellen, die es hier zahlreich gibt. Obwohl es noch heruntergekühlt wird, ist es immer noch wirklich wirklich “atsui” (heiß).

Übrigens schreibe ich heute mit Familienanschluss. Ich sitze im Eingangsbereich oder wenn man so sagen will in der Rezeption. Momentan werden neue Gäste aus Thailand liebevoll von Frau Takahashi-san umsorgt. Zuvor kam sie mit einem Kuchentablett zu mir und außerdem durfte ich mir Fotos vom Sohn der Familie ansehen, der mittlerweile in Tokio lebt und den dritten Dan im Kendo besitzt. Nachdem ich vom Training im deutschen Verein erzählt hatte, zeigte Frau Takahashi-san mir gleich die Bilder ihres Sohnes, auf denen er im Training zu sehen ist. Ute sitzt im Wohnzimmer am zweiten Rechner. Ich weiß wirklich nicht, ob sie nun schon am Schreiben ist, weil ich eigentlich dachte, sie wäre längst fertig mit ihrem Text, als sie plötzlich in einen Kimono gekleidet bei mir vorbeispazierte. Eine der Mädchen, die im Hotel arbeiten, hatte sich vorgenommen aus Ute eine Japanerin zu machen. Das steht ihr übrigens richtig gut, und ich glaube, sie sagte vorhin sowas, dass sie jetzt einen Japaner im Kimono ehelichen will?!

Jetzt aber weg von den ausländischen Schönheiten und hin zu den Schönheiten der Umgebung. Wie schon erwähnt ist die Familie sehr gastfreundlich und liebeswürdig. Und nachdem Frau Takahashi-san uns gleich nach Ankunft mit lokalen Köstlichkeiten bewirtet hatte, bot ihr Mann sich an, uns auf dem Weg in die Stadt auf einem der Aussichtspunkte abzusetzen. Er erklärte uns, dass die ganze Gegend ein einziger großer Vulkankrater ist. Außen herum ist der steil ansteigende Kraterrand, und auch im Inneren erheben sich einige Gipfel. Im westlichen Teil des Kraters befindet sich der malerische Ashi-See, das Postkartenmotiv schlechthin.

Wir fuhren mit dem Auto zur Owakudani Station und erklommen die letzten Meter zu einem der Gipfel zu Fuss. Der Weg dorthin war gesäumt von dampfenden Quellen und überall stieg schwefelhaltiger, übel riechender Dampf auf. Oben angelangt konnte man sich gekochte Eier kaufen, die roh in großen Bottichen in die Quellen gehängt werden und gut durch wieder herauskommen. Der Sixpack kostet 500 Yen, die wir allerdings gerne investierten, weil gesagt wird, dass der Verzehr von einem der Eier einem das Leben um sieben Jahre verlängert. 250 Yen pro Nase macht 21 Jahre und das fanden wir dann widerum eigentlich preislich angemessen.

Den Weg vom Berg hinunter zum Ashi-See haben wir dann übrigens in einer Gondel zurückgelegt. Das Einzige, was den heutigen Tag trübte, war die Tatsache, dass es immer wieder regnete und die Berggipfel wolkenverhangen waren. Die Gondelfahrt konnte somit keine Höhenangst hervorrufen, weil wir die Höhe nicht sehen konnten in dem Nebel. Unten am See hatten wir jedoch Glück. Es war sogar kurz sonnig, als wir die klassische Überquerung mit einem der großen dort anliegenden “Piratenboote” machten. Es gibt dort Mississippi-Raddampfer und eben jene Piratenboote, die im Abstand von 30 Minuten und mit einer Fahrtdauer von 30 Minuten, den See überqueren. Herr Takahashi-san hatte uns bereits vorher die Fahrtzeiten der Boote gegeben und gesagt, wie wir wieder zum Guesthouse zurückfinden würden. Das letzte Boot legte um 16.30 Uhr ab. Von der einen zur anderen Haltestelle am südöstlichen Seeufer gab es noch einiges anzusehen und wir hatten relativ wenig Zeit dafür. Den “Palace Garden” mit seinen Wanderwegen am See entlang und den “Hakone Checkpoint” eine Art Völkerkundemuseum der Edo-Zeit hatten wir schon in Eile durchschritten und die letzten Meter mussten wir sogar laufen und trotzdem konnten wir dem letzten Boot nur noch hinterherwinken. Wir haben dann improvisiert und einen Bus quer durchs Innere des Hakone-Gebiets genommen, um dann wieder auf die Buslinie zu kommen, mit der wir schon aus Odawara in den Nationalpark gelangt waren.

Nett wie die Takahashis sind, luden sie uns abends zum Essen in ein Lokal in der Nähe ein. Herr Takahashi-san freut sich sehr, dass auch deutsche Gäste sich zunehmend für sein Land interessieren und er war sehr neugierig, was wir “Reiseprofis” da zu erzählen wussten. Außerdem wollte man uns Gelegenheit geben zu einem echten japanischen Essen. Nachdem Ute und ich uns gestern wegen heftigem Regen und zuckenden Blitzen ans Hotel gefesselt gefühlt und gezwungenermaßen ein Clubsandwich in der Hotelbar für echt fettes Geld gekauft hatten, waren wir dankbar für die heutige Einladung.

Ich war sehr glücklich mit meinem Gemüsetempura, und Utel hat endlich rohen Fisch bekommen.

Warum heute meine Grammatick und meine Ottografi nicht ganz passen liegt daran, dass Frau Takahahashi-san sich vorgenommen hatte, uns die korrekte Handhaltung beim Saketrinken beizubringen.

Wir mussten es öfter üben.

In diesem Sinne: Kampai! Kanpai?

Regina

4. Tag: Fuji Hakone Nationalpark

Hier melde ich mich zurück aus dem Fuji Hakone Nationalpark und ich habe schon wieder das Gefühl, dass Tokio Lichtjahre entfernt liegt, obwohl wir dort heute morgen erst gestartet sind. Ihr braucht keine Angst zu haben, wir haben nichts von den Ueberschwemmungen auf dem Weg mitbekommen, es ging alles reibungslos.

Aber von Anfang an: Gestern Abend trug sich nichts Spektakuläres mehr zu. Nachdem der Bericht fertig war, es immer noch in Kannen draußen schüttete, wir total müde waren und mein Fuß sehr schmerzte, blieben wir einfach im Hotel und aßen kleine Sandwichvierecke in der Bar, die natürlich auch Hotelpreise (3465 Yen inklusive zwei Getränke) hatten. Es muss trotzdem um 24 Uhr gewesen sein, als ich in Begleitung von japanischem Fernsehen einschlief, als Regina noch badete. Heute morgen standen wir mal wieder um halbsieben auf, checkten nach dem Frühstück aus dem Hotel aus und fuhren zur Tokyo Station, um hier den Shinkansen nach Odawara zu nehmen (Fahrzeit: rund 30 Minuten). In Odawara fanden wir nach einem Chai Tee Latte in einem namenhaften Kaffeehaus auch schnell den Bus, der uns nach Senkyoro-Mae zum Fuji Hakone Guest House bringen sollte. Wir zahlten für das Busticket 1020 Yen, es ist jedoch schlauer sich gleich einen Zwei- oder Drei-Tage-Hakone-Free-Pass zu kaufen, mit dem man umsonst fast alle Transportmöglichkeiten der Region nutzen kann. Wirklich eine super Sache, da man nicht mehr über das Geld nachdenken muss. Es ist nur ein Grund, warum man sich in dieser Region fast wie zu Hause fühlt. Der Bus brauchte von Odawara für die 18 Kilometer bis zur Zielstation rund eine Stunde.

Angekommen am Fuji Hakone Guest House (auch hier regnete es mal wieder!!!) wurden wir empfangen wie Könige! Wir wurden schon erwartet und mit den Worten begrüßt, dass sie unsere Reise im Internet mitverfolgt hatten. Dieses Hotel wurde von JNTO für uns vorreserviert. Wir wurden hier wirklich auf Händen getragen, aber wir haben trotzdem das Gefühl, dass sich auch alle anderen Gäste sehr wohl fühlen und individuell betreut werden. Das Hotel hat insgesamt 14 Zimmer verteilt auf zwei Flügel, ist im einfachen japanischen Stil eingerichtet, verfügt über einen eigenen Onsen und ist familienbetrieben. Die Zimmer (unseres heißt übrigens Fuji, was ich toll fand) sind im japanischen Tatami Stil eingerichtet. Es gibt ein Gemeinschaftsbad und Gemeinschaftstoilette. Apropos Toilette - die Toilettenpantoffeln waren grau und rosa und standen wirklich direkt vor dem Klo im westlichen Stil. Das Anziehen hatte daher irgendwie nur eher symbolische Wirkung und ich habe mir immer groesste Muehe gegeben sie in der richtigen Laufrichtung zurueckzulassen. Aber es haette wirklich niemand gemerkt, wenn man diese japanische Regel uebergangen haette :-)

Herr Takahashi nahm uns zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter herzlich in Empfang, es gab einen Begrüßungsdrink und kleine Snacks. Währenddessen gab uns Herr Takahashi gute Tipps für die Erkundung der Umgebung, auch stellte er uns den Hakone Free Pass für zwei Tage kostenlos zur Verfügung!!! Ich bedanke mich noch einmal dafür! Im Anschluss wurden wir auch gleich zum Mittagessen eingeladen.

Ich muss zugeben, im Moment steckt doch mehr westliche Kultur in mir und obwohl es regnete, wollte ich noch so viel wie möglich von der Umgebung sehen. Trotzdem wäre es sehr unhöflich gewesen, die Einladung zum Mittagessen abzulehnen. Und das Essen war auch super. Es gab Reis mit Schweinefleisch, Gemüse, Misosuppe, Tofu sowie Reiskuchen und zum Nachtisch sogar Brownies.

Für den kleinen Zeitverlust fuhr uns Herr Takahashi sogar persönlich mit seinem Auto zum ersten Besichtigungspunkt, den Schwefelquellen bei Owakudani. Es war jetzt schon zwei Uhr nachmittags, geregnet hat es nicht mehr, aber es war noch immer sehr bewölkt, daher war es teilweise schwer, zwischen den Dämpfen der Quellen und dem Nebel zu unterscheiden. Der Geruch oben war doch sehr intensiv, wir haben auch sechs Eier gekauft (das war die Mindestanzahl), die in den Schwefelquellen gekocht wurden. Die Eier sind schwarz und sollen das Leben verlängern (ein Ei um sieben Jahre, zwei um 14 Jahre etc). Die gekauften Eier liegen jedoch immer noch in unserem Zimmer und wir haben noch keines davon probiert. Ich werde es aber noch tun - versprochen!

Mit der Seilbahn ging es dann runter an den Ashi-See nach Togendai (rund 15 Minuten), von hier fuhren wir mit dem Piratenboot an die andere Seite des Sees (rund 30 Minuten). Die Gegend ist wirklich fantastisch, nur das Wetter machte leider die gute Aussicht, die man normalerweise haben soll, zunichte. Laut Herrn Takahashi ist die zuverlässigste Zeit für eine gute Sicht der Winter. Zu Fuss machten wir uns dann am See entlang von Hakone Machi nach Moto Hakone, wirklich ein traumhafter Weg. Wir hatten sogar soviel Glück, dass sich uns für rund 15 Minuten der Fuji-san zeigte, den wir natürlich dann in allen Variationen fotographieren mussten. Danach versteckte er sich wieder in seinen Wolken - er ist eben schüchtern. Morgen soll dort anscheinend ein Charity Hike oder Marathon stattfinden, genau konnte man es uns nicht sagen. Einige Teilnehmer übernachten auch im Guesthouse, und es gibt auch welche, die morgen noch auf die Spitze wollen. Von der fünften Station soll es übrigens nur vier bis fünf Stunden dauern. Da kribbelt es doch schon wieder bei mir, denn das wäre auch noch mein Traum. Ich werde wohl wirklich noch einmal zurückkommen müssen, da hierfür während unseres Tripps keine Zeit mehr ist. Morgen müssen wir ja schon weiter nach Kyoto.

Das letzte Schiff zurück an unseren Startpunkt am See verpassten wir trotz einem guten Sprint nur knapp. Wir mussten daher den Bus zurück zu unserem Guest House nehmen, wobei wir einmal umsteigen mussten. Angekommen hakten Regina und ich einen weiteren Punkt auf der Japan-Wunschliste ab: das Bad in einem Onsen. Es war herrlich, wenn auch etwas sehr warm, daher hielten wir es nur rund 15 Minuten aus. Man fühlt sich danach aber wie neu geboren.

Die Familie Takahashi lud uns abends zum Dinner ein in einem typischen Restaurant. Es gab Sake und einen Nudeldrink (hört sich etwas merkwürdig an, war es auch), ich hatte Sashimi sowie fritierten Fisch und Gemüse bestellt. Es war sehr lecker, aber ich wage nicht zu sagen, dass ich es immer noch nicht zu meinem Sushi geschafft habe. Das Sashimi war nah dran, der Wasabi war wirklich super und das erste scharfe Gericht, das ich in Japan gegessen habe. Es kann gerne so weitergehen.

Die Gastfreundlichkeit der Familie ging dann soweit, dass sie sogar eine Kimonokostümierung für mich im Guest House arrangiert hatten, um schöne Fotos als Erinnerung machen zu können. Gerade gab mir Frau Takahashi noch zwei kalte Pflaster für meine Füße, die ich über Nacht einwirken lassen muss, da mittlerweile schon die Achilissehne schmerzt und ich zeitweise sehr durch die Gegend humpele. Ich hab schon überlegt, ob ich für Kyoto ein Fahrrad miete, wenn es nicht besser wird. Auf jeden Fall müssen wir morgen wieder früh los, da unser Zug von Odawara nach Kyoto schon um 10 Uhr geht - und dort müssen wir erstmal hinkommen.

Ich gehe heute wirklich sehr zufrieden ins Bett mit so wundervollen Eindrücken im Laufe des Tages und freue mich auf morgen.

Arigato (Danke auf Japanisch) für Eure Aufmerksamkeit,

Ute-san

3. Tag: Wunderschöne Schreine

Begleitet von Blitzen an unserem Panoramafenster und Pianomusik im Hintergrund, ist es ein sensationelles Ereignis, dass wir schon um 20.30 Uhr Ortszeit im Internet sind, um unseren heutigen Bericht zu schreiben. Bleibt abzuwarten, ob wir daher heute eher ins Bett kommen oder nicht. Die Blitze bieten auf jeden Fall keine gute Aussicht auf den morgigen Tag, da wir schon aus mehreren Quellen gehört haben, dass der anhaltende Regen der letzten Woche Überschwemmungen verursacht hat und die Zugstrecke nach Hakone, das morgen auf unserem Tagesprogramm steht, teilweise gesperrt sein kann. Es soll zwar alternativ noch einen Bus geben, der fährt aber nur Nachts, was für unsere Übernachtung im Guesthouse schon zu spät wäre. Es bleibt spannend.

Wie schon gestern ansatzweise berichtet, wurde ich heute morgen um 6.40 Uhr von Regina geweckt (nach rund vier Stunden Schlaf). Ich habe nach dem Internet gestern noch ein Entspannungsbad genommen, da die viele Lauferei des Tages sehr zu spüren war und ich dummerweise durch neue Schuhe (nein, das war noch vor der Reise) mir einen dicken Fuss eingefangen habe, der ziemlich schmerzt. Bis jetzt geht es noch, ich hoffe, dass er auch noch den Rest der Reise aushalten wird. Ich hatte mir zum Glück vor der Reise eine “leichte Füße-Creme” gekauft, die wird jetzt jeden Tag verwendet :-). Zumindest war heut den ganzen Tag der Muskelkater von gestern zu spüren (man mag es kaum glauben, es zeugt von meiner momentanen Untrainiertheit). Aber auch heute stand viel Laufen auf dem Programm. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zur Tokyo Station für die Fahrt mit dem Zug nach Utsunomiya, um hier umzusteigen und weiter mit dem Zug nach Nikko (UNESCO-Welterbe) zu fahren. Würden wir noch weitere Tage in Tokio verbringen, würden wir uns bestimmt bald blind im Tokioer Bahnsystem zurechtfinden, so reibungslos funktionieren mittlerweile die Such- und Umsteigaktionen. Man brauch hier wirklich keine Angst haben.

Die Fahrt dauerte insgesamt rund zwei Stunden, wir waren um kurz vor 11 in Nikko. In der Bahn machten wir Bekanntschaft mit einem schon etwas länger durch Japan reisenden spanischen Fotografen, der ebenfalls seine Eindrücke von Japan zum Besten gab. Seine professionellen Bilder von Kyoto sowie einige Menschenbilder haben uns sehr beeindruckt. Sein persönlicher Höhepunkt in Japan ist Koyasan, daher freuen wir uns noch mehr auf diesen Punkt unserer Reise.

In Nikko angekommen kann man entweder zu allen Besichtigungspunken laufen oder mit dem Bus fahren. Wir haben uns für den Hinweg für zweiteres entschieden. Mit anfänglichem Optimismus kauften wir für 2000 Yen auch gleich eine Tageskarte, die wir für das komplette Gebiet hätten nutzen können (inklusive Chuzenji See). Aber die Zeit war begrenzt, so haben wir wirklich nur die Haupttempel geschafft und da hätte es auch eine Busfahrkarte für 500 Yen getan, zumal wir auf dem Rückweg zur Nikko Station auch gelaufen sind (die Hinfahrt dauerte nur rund zehn Fahrminuten).

Die Tatsache, dass Nikko so bekannt ist, macht es zu einem beliebten Ausflugsziel aller Nationen und ist folglich auch gut besucht. Angenehm ist die Gegend auf jeden Fall auf Grund des Klimas. Hier ist es nicht soo heiß und luftfeucht wie in Tokio. Der Eintritt zum Tempelkomplex von Nikko beträgt 1000 Yen. Am Eingang steht ein qualmendes Konstrukt, das gefüllt ist mit Räucherstäbchen. Hier muss man die Körperteile hinhalten, die am meisten geheilt werden müssen - bei mir war es natürlich der FUß.

Am Anfang unseres Rundgangs des Schreingeländes besuchten wir den Rinoji-Tempel mit seinen 3 großen goldenen Buddhastatuen. Weiter ging es zum Toshogu-Schrein. Hier findet man an einem ehemaligen Stall das Schnitzwerk mit den drei berühmten Affen, die sich Mund, Ohren und Augen zuhalten. Weiterhin sahen wir noch den Futarasan-Schrein. Alle Schreine sind wunderschön gestaltet und insgesamt bildet die Anlage einen sehr mystischen Platz. Gesäumt werden die Schreine natürlich von unzähligen kleinen Souvenirständen.

Zum Mittagessen gab es bei mir Reiscurry in guter Unterhaltung von einem alten Pärchen aus Neuseeland, die sogar drei Nächte in Nikko blieben, um zu wandern. Auf dem Rückweg zur Nikko Station haben wir noch ein Bild an der Shinkyo Brücke gemacht (nur das Betreten hat weitere 300 Yen gekostet) und uns ein Sojamilch-Eis gegönnt. Der Rückweg mit dem Zug hat uns nur die neue Erkenntnis gebracht, dass es in Japan lebendige Mülleimer gibt. Zwei Personen gehen vor Endstation durch den Zug und sammeln den Müll ein. Und auch wenn man aussteigt, kann man noch jemanden den Müll in die Hand drücken. Es ist generell faszinierend, dass Tokio so sauber ist, aber man findet selten Papierkörbe in der Stadt. An der Tokyo Station haben wir noch weitere Zugreservierungen für die nächsten Tage getätigt, bevor wir zurück ins Hotel fuhren.

Jetzt ist es schon wieder kurz vor 22 Uhr. Draußen ist es immer noch am blitzen, und wir haben noch keinen Plan fürs Abendessen getroffen. Hiervon werde ich morgen berichten.

Ashita amaisen ka? ( Treffen wir uns morgen wieder? auf Japanisch)

Ute-san

3. Tag: Ausflug nach Nikko

Konnichiwa liebe “Mitreisende”!

Es ist jetzt 19.50 Uhr und die Lichter des Tokyo Tower brennen noch! Auch heute haben wir uns wieder nichts geschenkt um auch wirklich alles auszutesten! Wie schon gestern angekündigt, führte unser Weg heute nach Nikko. Nikko liegt rund 200 Kilomter nördlich von Tokio. Mit Japan Rail erreicht man es in etwa zwei Stunden (ab Tokyo Station mit Umsteigen in Uzunumia). Wir hatten ein wenig Bedenken, ob wir die richtigen Gleise auf Anhieb finden würden. Die nette Dame vom Reservierungsschalter der Japan Rail hatte uns allerdings alles akribisch notiert. Wir wussten Bescheid, wo sich der Eingang zu den Gleisen befand, zu welchem Gleis, welchem Wagen und welchem Platz wir mussten. In Japan ist alles ganz fantastisch organisiert. Am Bahnsteig gab es dann vorgezeichnete Linien an denen man sich anstellen musste und auf den Anzeigetafeln über den Gleisen waren die Wagennummern zu finden, so dass man nicht lange, wie bei uns, nach Wagenstandsanzeigern suchen musste. Selbstverständlich war der Zug pünktlich. *klimperklimper* Können sie hören, dass die Pianistin in der Lobby links von mir mich jetzt mit Barmusik ablenkt?

Weiter im Text: der Zug war nicht der neueste aber sehr sauber. Immer wenn ein Bediensteter eine Abteiltür öffnete, hat er sich danach zu den Reisenden hin verbeugt und ebenso, wenn er das Abteil wieder verließ. Die Sitze sind nach hinten verstellbar wie Flugzeugsitze und die Fahrt war angenehm.

In Uzunumia stiegen wir um in den “Nikko Train”, der die Stecke nach Nikko sehr regelmäßig fährt und ebenfalls mit dem Japan-Railpass benutzt werden kann. Auch hier war es kein Problem das Anschlussgleis zu finden, da die Beschriftungen jeweils Japanisch und Englisch sind.

Im Zug waren etliche Touristen, und ein spanischer Fotograf gesellte sich zu uns, der uns von seinen bisherigen Erlebnissen in Japan erzählte und einige Tipps gab. Schlichtweg hingerissen waren wir von den Bildern, die er bisher gemacht hatte. Er zeigte uns einige Bilder - insbesondere von Menschen -, die ganz außerordentlich waren. Um eine Maiko zum Lächeln zu bringen, hat er scheints eine Art Bauchtanz vollführen müssen, er schreckt also vor nichts zurück für ein gutes Foto :o).

Das tat Ute heute übrigens auch nicht.

Vom Bahnhof Nikko zu den Sehenswürdigkeiten die zum “World Heritage” gehören, verkehrt ein Bus der einem in kurzer Zeit den Berg hoch fährt. In der Annahme, dass wir größere Strecken zurücklegen werden, hatten wir uns am Bahnhof gleich ein Tagesticket für 2000 Yen zugelegt.

Oben angekommen, wussten wir nicht recht, was uns erwarten wird. Zunächst jedenfalls erwartete uns ein Ticketschalter. Man konnte dort für ebenfalls 1000 Yen ein Kombiticket für (fast) alle Schreine und Tempel erwerben, die dort besichtigt werden konnten. Wir entschieden uns dafür und wussten immer noch nicht, was uns erwartet. Links vom Ticketschalter sah man bereits den Rinnoji Tempel. Ein imposantes Bauwerk in strahlendem Rot und nachdem man die Schuhe ausgezogen hatte, konnte man den Tempel besichtigen, wobei die vielen großen Darstellungen buddhistischer Gottheiten besonders eindrucksvoll waren. Hier war Fotografieren übrigens nicht erlaubt, aber wahrscheinlich hat Ute ein Bild (!?).

Man kann übrigens trotz Eintrittsgeld auch in den Tempelanlagen selbst immer noch ein wenig Geld lassen, wenn man das möchte. Zum Beispiel bieten regelrechte Marktstände dort Schutzamulette, Räucherstäbchen, Glücksbringer oder Loszettel zum Verkauf an. Nachdem mein Auto 24 Jahre alt ist, habe ich mir für 500 Yen einen Anhänger gekauft, der für “Traffic Safety” zuständig ist. Schaden kann’s nicht und um gleich mehr Bedürfnisse abzudecken, hilft er auch für “Happiness”. Das ist aber jetzt nicht so wichtig. Wichtig ist, dass man vom Rinnoji-Tempel aus startend eine echte Überraschung erlebt. Links am Tempel vorbei kommt man auf einen ansteigenden Weg, der in eine wahre Zauberwelt führt. Eine Pracht und Fülle an Bauwerken tut sich vor einem auf, dass einem die Spucke wegbleibt.

Selbst wenn Sie jetzt hier einige Fotos sehen werden, kann man die Pracht und Eleganz der Gebäude kaum beschreiben, die zusammen mit der wunderbaren Landschaft in die sie eingebettet sind, einen ganz eigenen Reiz haben. Jeder Meter den man weiter nach oben marschiert, bietet neue Aus- und Anblicke. Mit jeder (oft steil ansteigenden) Treppe eröffnen sich neue Aussichten auf immer noch prunkvollere Gebäude. Die herrliche bunten Farben, die wunderbaren Schnitzereien, die Formgebung der Dächer und die Einbindung des ganzen in die Landschaft ist mit Worten kaum zu beschreiben. Wären nicht hunderte von Leuten auch auf dem Entdeckungsweg, dann würde man sich ein eine andere Zeit zurückversetzt fühlen. Wie mag das wohl gewesen sein, als der Tokugawa-Shogun Ieyasu noch auf dem Berg residiert hat? Im Geiste ziehe ich bei ihm ein und stelle mir ein Hollywoodschaukel auf die “Veranda”.

Der Gedanke an die Hollywoodschaukel kam mir übrigens, nachdem wir drei Stunden durch die Anlage marschierten, wobei etliche Treppen unseren vorgeschädigten Beinen arg zusetzten. Wir machten daraufhin Rast in einem kleinen Gasthaus am Rande und setzten uns zu einem netten älteren Ehepaar aus Neuseeland, das uns nebenbei erzählte, dass unser morgiges Reiseziel Hakone momentan mit der Sintflut kämpft und bereits einige Zugverbindungen dorthin ausfallen mussten. Wie beruhigend.

Nach der Mittagspause mit Udonnudeln und Curryreis trabten wir etwas gequält zum letzten der Schreine, um erneut wieder überrascht zu werden vom Zauber der Anlage. Da gab es Steinlaternen und Wasserläufe und viel Grün in allen Schattierungen. Überall standen hohe Nadelbäume, die das Licht filterten. Auch dieser Gang war es wert, auch wenn er mittlerweile schmerzhaft wurde ;o).

Bergab ging es dann aber leichter, wir entschieden uns sogar gegen die Busfahrt und gingen per Pedes zurück zum Bahnhof, um die wunderschöne Shinkyo Bridge noch zu besichtigen.

Was früher dem Shogun vorbehalten blieb, konnte Ute gegen Bezahlung von 300 Yen auch haben und somit gibt es jetzt auch ein Foto von Ute auf der Brücke.

So, jetzt aber mal Schluss für heute. Morgen heißt es wieder früh raus aus den Federn. Um 9.30 Uhr verlassen wir Tokio in Richtung Hakone und beten und hoffen, dass der Regen nachlässt und die Züge wie geplant verkehren.

Bis Morgen!

Regina