“Die meisten Kapstädter haben sich an die Wasserkrise gewöhnt”

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Kapstadt erlebt derzeit die Folgen einer Jahrhundert-Dürre. Das Wasser ist knapp. Der Bevölkerung der Millionenmetropole in Südafrika droht, dass die Behörden den Hahn zudrehen. Travel One sprach mit Heike Gerntholtz darüber, wie sie die Situation erlebt. Die Marketing-Managerin von Rovos Rail, einem Anbieter von luxuriösen Zugreisen, lebt mit ihrer Familie in Kapstadt.

Wie ist derzeit die Stimmung in Kapstadt?
Gerntholtz: In meinem Umfeld ist die Stimmung realistisch und gut. Die meisten Kapstädter haben sich an die Wasserkrise gewöhnt. Viele versuchen, Wasser zu sparen. Und da die Menschen sehr unterschiedlich sind, reagieren sie auch unterschiedlich. Manche geraten in Panik und kaufen Unmengen an Wasser in Flaschen, andere – darunter auch viele, die endlich wach geworden sind – überlegen sich, eine Regentonne aufzustellen oder ein Abwasserwiederverwertungssystem zu installieren. Und wieder andere reduzieren den Verbrauch entsprechend, also auf die erlaubten höchsten 50 Liter pro Tag und pro Person. So passt sich also jeder in meinem Umkreis an. Doch es gibt auch die Kategorie Mensch, die sich um das Problem nicht schert und trotzdem das Auto wäscht. Zum Glück sind es aber nur wenige, die so denken.

Wie bereitet Rovos Rail Gäste vor, die nach Kapstadt kommen?
Gerntholtz: Wir weisen unsere Gäste darauf hin, dass es in Kapstadt derzeit Wasser nur eingeschränkt gibt und dass sie sich entsprechend anpassen sollten.

Wie gehen die Hotels der Stadt mit der Situation um?
Gerntholtz: Jedes gute Hotel dürfte sich auf die Situation eingestellt haben. Ich weiß von Hotels die zum Beispiel die Stopfen in den Badewannen entfernt und Schilder angebracht haben. Sie bewässern ihre Gärten nicht mehr. Und einige haben Brunnen gebohrt, um die Versorgung nicht zu unterbrechen, falls das Wasser abgestellt wird.

Was bedeutet das Ganze für Sie selbst und Ihre Familie?
Gerntholtz: Wenig, denn ich bin von meinen Eltern zum Wassersparen erzogen worden. Meine Familie hat auch vor der Wasserkrise kein Wasser verschwendet. Wir haben deshalb beispielsweise aus Prinzip nie die Badewanne genutzt. Zudem sammeln wir Regenwasser: Wir haben vor zehn Jahren bei uns am Haus Wassertanks mit einem Speichervolumen von 10.000 Litern angebracht. Das Wasser war bisher unser Wasser für den Pool. Als Kind erlebte ich in Johannesburg Wasserbeschränkungen, das hat mich geprägt, das Thema ist also für mich nicht neu. Im Gegenteil: Es ist für mich und auch meine Familie selbstverständlich, dass auf einem Kontinent wie Afrika nicht leichtfertig mit der Ressource Wasser umgegangen wird.

Hat sich Ihr Verhalten dennoch verändert?
Gerntholtz: Der Ehrgeiz ist nun in der Familie noch größer geworden, Wasser zu sparen. Es läuft kaum noch Wasser in den Abfluss. Wir sammeln es in Schüsseln und nutzen es dann für die Toilettenspülung. Der noch bewusstere Umgang hat nur einen Nachteil: Wenn ich den Kindern sage, dass sie sich die Zähne putzen sollen, kommt prompt die Antwort: „Nein Mama! Water restrictions!“

Das Interview führte Petra Hirschel

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